Heute auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 11. April 1970, gelang den Basketballern des 1. FC Bamberg in Darmstadt der erstmalige Aufstieg in die 1. Bundesliga. Es war der Grundstein für die neun deutschen Meisterschaften und sechs Pokalsiege, die bis heute folgen sollten. Während zur damaligen Zeit die enge John-F.-Kennedy-Halle mit mehr als 2000 Zuschauern aus allen Nähten platzte, ist die weiträumige Brose-Arena seit einigen Wochen aufgrund der corona-bedingten Spielpause verwaist.

Choreo auf Eis gelegt

Dabei hatte sich die Fangruppierung "Sektion Südblock" für diese Tage etwas ganz Besonderes überlegt. Die rund 25-köpfige Gruppe um den Vorsitzenden Lukas Winkler hatte für das Heimspiel gegen Medi Bayreuth, das für den 26. April angesetzt war, eine spektakuläre Choreografie für die damaligen Aufstiegshelden geplant. "Wir bereiten das Ganze bereits seit eineinhalb Jahren vor. Jetzt müssen wir die Choreo auf nächste Saison verschieben", erklärt Winkler.

Die glorreichen Zeiten von Jim Wade, Wolfgang Reichmann und Gerhard Brand haben der 23-Jährige und der Großteil der Sektion-Mitglieder nicht live miterlebt, trotzdem sei es der Fangruppierung sehr wichtig, die Anfänge des Bamberger Basketballs ins Gedächtnis aller Fans zu rufen. Anstatt in der Halle will die "Sektion Südblock" nun auf ihrem Facebook- beziehungsweise Instagram-Auftritt mit Festschriftartikeln oder einem Spieler-Quiz in den guten, alten Zeiten schwelgen.

Winkler erwartet Saisonabbruch

Schlechte Zeiten erleben derzeit alle Fans, die es mit einem Sportverein halten, da aufgrund der Corona-Pandemie aktuell an keinen Spielbetrieb zu denken ist. Offiziell ruht das Geschehen in der Basketball-Bundesliga bis Ende April, doch Winkler geht stark von einem Saisonabbruch aus. "Wir bei uns im Fanclub sind seit der Unterbrechung darauf eingestellt, dass nicht mehr gespielt wird. Dass Ligen wie die BBL oder die Euroleague, in denen es um Millionengelder geht, eine Entscheidung aufschieben, ist aber auch irgendwie zu verstehen."

Um ihren Verein in dieser schwierigen Situation zu unterstützen, ruft Sektion Südblock zu der Aktion "Rückerstattung -Danke, Nein!" auf.

Fanclub will auf Rückerstattung verzichten

So hat der Fanclub im Kollektiv entschlossen, beim wahrscheinlichen Saisonabbruch auf Rückerstattungen zu verzichten. "Aus Fansicht ist es wichtig, einen Beitrag zu leisten. Die 50 bis 60 Dauerkarten von unserer Gruppierung und Unterstützern sind ein Anfang. Unser Ziel ist, möglichst viele Basketball-Fans mit unserer Aktion zu erreichen", sagt Winkler.

Die bisherigen Reaktionen seien sehr positiv gewesen, auch der Club selbst hat die Fan-Aktion auf seinen sozialen Medien geteilt. "Basketball in Bamberg liegt seit Generationen im Blut. Eine Dauerkarte ist meiner Meinung nach eine Herzensangelegenheit, nicht vergleichbar mit einem Abo im Fitnessstudio beispielsweise", sagt Winkler, der beruflich Personalmitarbeiter ist - aktuell im Homeoffice in Frensdorf. So sehr der 23-Jährige auch hinter Brose Bamberg steht, muss er als eine Art Bindeglied zwischen der Fanszene und dem Verein auch einmal Dinge kritisch hinterfragen. Dazu gehört auch die am Mittwoch erschienene Mitteilung über den Gehaltsverzicht (siehe auch unseren Artikel auf Seite 25).

"Unglücklich kommuniziert"

"Die Sache an sich, der Gehaltsverzicht der Mannschaft, ist ja einerseits eine sehr gute Sache. Das Statement zu Elias Harris ist seitens des Vereins aber etwas unglücklich kommuniziert worden, so etwas haben wir in der Vergangenheit leider bereits öfter erlebt", meint Winkler.

Mit Brose-Kapitän Harris, der laut der Vereinsmitteilung der einzige Bamberger Spieler war, der aufgrund der Corona-Krise nicht auf 50 Prozent seines Gehalts verzichtet, pflege der Vorsitzende von "Sektion Südblock" ein freundschaftliches Verhältnis. "Solange ich noch nicht mit ihm persönlich gesprochen habe, möchte ich mir kein Urteil bilden", so Winkler. "Allgemein genießt Elias bei uns Fans einen sehr guten Ruf und gibt sich stets fannah."

Videositzungen mit Arne Dirks

Um Fannähe seien auch die Brose-Verantwortlichen bemüht. Bei regelmäßigen Treffen tauscht sich Geschäftsführer Arne Dirks mit Vertretern von "Sektion Südblock" und den zwei anderen Fanclubs, "Faszination Basketball" und "Freak City Frankenpower", über aktuelle Themen aus. Nach Ostern soll es die nächste Zusammenkunft geben - coronakonform über Video. Dann wünscht sich Winkler auch Antworten zur Causa "Harris". Bis er diese hat, wird ihm trotz der basketballlosen Zeit garantiert nicht langweilig - an der großen Jubiläums-Choreografie kann immer gefeilt werden.

Auch die anderen Fanclubs solidarisch

Mornar Bar, Gaziantep oder Nischni Nowgorod: einige Reiseziele von Brose Bamberg in der abgelaufenen Champions-League-Saison ließen zumindest auf dem ersten Blick Attraktivität vermissen. Das Gleiche galt dann auch für viele Auftritte des neunfachen deutschen Meisters auf dem Parkett. Ronni Arendt gehörte trotzdem zu dem handverlesenen harten Kern, der sich keines dieser Auswärtsspiele entgehen ließ.

Obwohl die Vorsitzende des Fanclubs "Faszination Basketball" seit vielen Jahren nahezu ihre komplette Freizeit opfert und viel Geld ausgibt, um das Brose-Team in ganz Europa zu begleiten, halten sich die Entzugserscheinungen bei ihr ob der basketballlosen Zeit in Grenzen. "Ehrlich gesagt, hätte ich es mir schlimmer vorgestellt. Ich bin seit vielen Jahren im Vorstand aktiv und es gab Saisons, da wäre ich bei so einer langen Pause fast durchgedreht. Aber in diesem Jahr habe ich keinen wirklichen Draht zur Mannschaft gefunden", erklärt sie.

Unterstützen möchte sie ihren Verein in der schwierigen Corona-Zeit natürlich trotzdem, wenn die Saison vorzeitig beendet wird. "Ich persönlich werde auf die Rückerstattung der Dauerkarte verzichten, wie viele andere Enthusiasten bei uns auch. Aber wir haben rund 900 Mitglieder, ich kann nicht für alle sprechen", erklärt Arendt.

Knapp 700 Euro für Dauerkarte

Genauso wie beim Fanclub "Freak City Frankenpower" sind auch die Mitglieder des größten deutschen Basketball-Fanclubs über die ganze Brose-Arena verteilt und zahlen in der besten Kategorie bis zu knapp 700 Euro für ihr Saisonticket. "Bei noch sechs ausstehenden Heimspielen wären das rund 200 Euro. Das muss man sich natürlich in Zeiten von Kurzarbeit und wenn man eine Familie hat schon gut überlegen. Mitglieder unter Druck setzen werden wir nicht", so Arendt. Ähnlich sieht es Tina Berge, Vorsitzende des knapp über 100 Mitglieder zählenden Fanclubs Freak City Frankenpower: "Die Signale bei uns sind positiv. Die meisten Mitglieder werden auf eine Rückerstattung ihrer Dauerkarten verzichten. Einige wenige können es nicht, da sie aktuell auf dem Zahnfleisch gehen."

Die Hoffnung auf die Fortführung der Spielzeit hat Berge indes aufgegeben. "Das wäre auch kein fairer Wettkampf mehr. Mit Ausnahme der Bayern und Alba haben alle Mannschaften schon viele Spieler verloren. Man sollte sich jetzt einfach auf die nächste Saison konzentrieren." Das sieht auch Arendt so: "Keine Chance, mehr als ein 4-gegen-4 würde man auch nicht mehr zusammenbekommen."

"Das Team hat Potenzial"

Während der Vorsitzenden von "Faszination Basketball" beim aktuellen Bamberger Team von Coach Roel Moors das Herzblut und die Leidenschaft fehlt, fällt das Urteil ihrer Kollegin Berge etwas gnädiger aus. "So schlecht, wie einige die Mannschaft sehen, finde ich sie nicht. Das Team hat immer wieder sein Potenzial gezeigt, es dann aber oft in einer Schublade gelassen."

Sie sei guten Mutes, dass die abgelaufene Spielzeit ein Findungsjahr war und Paris Lee, Kameron Taylor & Co. nächste Saison zu mehr Konstanz finden. Einig sind sich beide Fanclub-Vorsitzenden darüber, dass der langjährige Kapitän Elias Harris, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, wohl nicht mehr zurückkehren wird. "Das ist natürlich schade, weil wir Elias als sehr netten und offenen Menschen kennengelernt haben. Wenn er wirklich auf kein Gehalt verzichten wollte, finde ich das schon enttäuschend", sagt Berge und fügt bezugnehmend auf die Brose-Mitteilung an: "Ihn aber deswegen öffentlich so anzugehen, geht gar nicht und hinterlässt einen faden Beigeschmack."