Im Spiele-Marathon der Basketball-Bundesliga gepaart mit der Champions League war es in den vergangenen Wochen meist so, dass das Team von Brose Bamberg auf ausgeruhte Gegner traf. Die Männer von Trainer Johan Roijakkers kamen oft aus Englischen Wochen, körperlich und mental müde. So setzte es vermeidbare Niederlagen - etwa gegen Bayreuth oder beim Schlusslicht Vechta.

An diesem Sonntag (18 Uhr, live bei Magentasport) gibt es für den einstigen Serienmeister nach sieben Tagen ohne Spiel in Braunschweig kein Argument dieser Art. Diesmal hat der Gegner die schwierigeren Voraussetzungen. Nach zweiwöchiger Quarantäne über den Jahreswechsel und wenigen Tagen Teamtraining verloren die "Löwen" um Trainer Pete Strobl gegen den Mitteldeutschen BC mit 91:104. Dazu verletzten sich in dieser Partie noch Spielmacher James Robinson an der Hand und der 18-jährige Luc van Slooten (Gehirnerschütterung).

Lukas Wank fehlte nach seiner Covid-19-Erkrankung. Der 23-Jährige muss erst kardiologisch untersucht werden, ehe er grünes Licht für einen Einsatz bekommt. Das deutsche Talent auf der Shooting-Guard Position, Kostja Mushidi, fällt seit Anfang Dezember wegen einer "ernstzunehmenden Krankheit auf unbestimmte Zeit" aus, wie es seitens des Klubs heißt. Weitere Informationen dazu drangen bis dato nicht nach außen. Mushidi war bis dahin mit knapp zwölf Punkten pro Spiel ein Leistungsträger.

Im Dezember 2019 war der 22-Jährige aus disziplinarischen Gründen aus dem Team geflogen, bekam aber vom alleinigen Klub-Gesellschafter, dem deutschen NBA-Star Dennis Schröder, in dieser Spielzeit erneut eine Chance. Schröder setzt in seiner Heimatstadt den Fokus auf die Ausbildung deutscher Talente. So sind derzeit nur drei von sechs möglichen Ausländerpositionen besetzt.

Am vergangenen Sonntag im Bundesliga-Match gegen den Meister Berlin waren es gar nur zwei, der Amerikaner Bryon Allen und der Tscheche Martin Peterka. Für Robinson sprangen die Guards Garai Zeeb (23 Jahre) und Bazoumana Kone (27) in die Bresche. Topscorer der Löwen sind Karim Jallow (16,3 Punkte im Schnitt) und der gebürtige Braunschweiger Lukas Meisner (13,6), neben Robinson (11,9) der zweite Ex-Bayreuther. Meisner hielt mit seinen fünf Dreiern (bei nur sechs Versuchen) beim 76:82 sein Team bis zum Schluss auf Schlagdistanz. Die schwache Freiwurfquote (17 von 27) der Braunschweiger bewahrte die Berliner vor einem Ausrutscher in der Volkswagenhalle.

Am Mittwoch im Pokal-Nachholspiel in Berlin bot das Strobl-Team dem Titelverteidiger nur bis zur 16. Minute (34:36) Paroli. Bis dahin brachten die kampfstarken "Löwen" die Gastgeber mit dem Wechsel von Mann- auf Zonenverteidigung zuweilen aus dem Rhythmus. Weiter ohne Robinson, dafür mit dem wiedergenesenen van Slooten fehlte es den Gästen aber an Substanz. Braunschweig ging schließlich mit 63:103 ein.

Richtungsweisende Spiele für Bamberg

Für die Bamberger beginnen nun die Wochen der Wahrheit. Nach einer Trainingswoche mit den beiden Neuzugängen, Aufbauspieler Alex Ruoff und Center Shevon Thompson, kommt es für die auf Rang 11 (10:16 Punkte) abgerutschten Franken gegen Braunschweig (8:12), Göttingen (6:18) und den Mitteldeutschen BC (10:14) in der Bundesliga zu Partien, die gewonnen werden sollten, um auf einen Play-off-Platz zu klettern. Der vor der Saison anvisierte vierte Rang ist mittlerweile in weiter Ferne - sprich zwölf Minuspunkte.

Der Fokus von Trainer Roijakkers lag in den vergangenen Tagen sicher in der Integration der Neuen. Die in den letzten fünf Bundesliga-Spielen schwache Dreierquote, die designierten Distanzschützen trafen lediglich 29 Prozent (47 von 163 Versuchen), dürfte ebenfalls ein Trainingsschwerpunkt gewesen sein. Während sich das Brose-Team in den vergangenen Wochen bei der Reboundarbeit steigerte, dürfte die Reduzierung der immer noch zu hohen Anzahl an Ballverlusten ein Aspekt sein, der dem Trainerstab Kopfzerbrechen bereitet. Platz 2 in der Liga mit im Schnitt 14,9 Turnovers pro Spiel ist in diesem Fall kein gutes Ranking.

Vor allem gegen körperlich hart und mit viel Druck auf den Spielaufbau verteidigende Gegner haben Bennet Hundt und Devon Hall Probleme. "Man hat gegen Berlin gesehen, dass die Braunschweiger sehr aggressiv sind, einen guten Zug zum Korb haben, aber auch von außen werfen können", sagt Hall und folgert: "Das heißt für uns, dass wir physisch dagegenhalten müssen, um sie nicht ins Laufen kommen zu lassen." Hier dürfte der körperlich starke Ruoff hilfreich sein.

Als eine Art Testspiel dürfte kommenden Mittwoch (18.30 Uhr) das letzte, weil bedeutungslose Champions-League-Gruppenspiel gegen Fortitudo Bologna dienen; die Italiener sind sieglos Letzter, Bamberg ohne Niederlage Gruppensieger. Hier könnte Roijakkers seine Leistungsträger schonen, da er nur zwei Tage später (Freitag, 20.30 Uhr) bei seinem langjährigen Arbeitgeber in Göttingen gefordert ist. Dort steht Ex-Brose-Coach Roel Moors am Freitagabend mit seinem - ausgeruhten - Team unter Druck.