Rasta Vechta wird immer mehr zum Schreckgespenst für die Brose-Basketballer, die auch am Sonntag keinen Ausweg aus der Krise fanden und in der Schlussphase wieder einmal einen Vorsprung verspielten: Vor ungefähr einem Jahr musste Bambergs Trainer Ainars Bagatskis seinen Hut nehmen, als die Bamberger eine herbe Pleite gegen die Überraschungsmannschaft kassierten. Im Mai warf die Mannschaft von Pedro Calles den Serienmeister bereits im Viertelfinale aus den Play-offs, und nach der unglücklichen 85:86-Heimpleite gegen die Norddeutschen laufen die Bamberger Gefahr, die heiße Phase der Saison zu verpassen.

Der Bamberger Startern war anzumerken, dass sie sich viel vorgenommen hatten. Basierend auf einer aggressiven Verteidigung legten Chris Sengfelder und seine Mitstreiter furios los. Nach nicht einmal zwei Minuten lag der Gastgeber mit 8:0 vorn und hatte dank guter Anspiele von Paris Lee (4 Assists) weiterhin alles im Griff (13:5). Hätte Assem Marei, der sich einige Male sehenswert durchsetzte, etwas konsequenter abgeschlossen, wäre für die deutlich im Rebound (14:7) überlegenen Bamberger schon nach zehn Minuten eine zweistellige Führung möglich gewesen.

Diese gelang dann gleich zu Beginn des zweiten Viertels (25:13), doch urplötzlich war es mit der Unbekümmertheit im Brose-Spiel vorbei: Die Hausherren bekamen jetzt die pfeilschnellen Guards Josh Young und Trevis Simpson nicht mehr in den Griff und leisteten sich auch in der Offensive Ballverluste sogar beim Einwurf und haarsträubende Fehlwürfe. So war es keine Wunder, dass die Rastaner, bei denen Jordan Davis mit einer Knöchelverletzung früh ausschied, eine Minute vor der Pause ausglichen (35:35) und drauf und dran waren, das Blatt komplett zu wenden. Mit seinen Punkten zwölf und 13 sicherte aber der starke Sengfelder den Gastgebern, eine 37:35-Halbzeitführung.

Dem Zwischenhoch mit zwei Sengfelder-Dreiern nach dem Seitenwechsel zum 43:35 folgte dann schnell wieder ein offener Schlagabtausch, in dem Vechta bis auf zwei Zähler dran war, ehe vor allem der vorbildlich kämpfende und reboundstarke Kapitän Elias Harris den Hausherren vor dem Schlussabschnitt eine 59:53-Führung bescherte.

Wie präsentieren sich die Bamberger diesmal im vierten Viertel? Zunächst sah es nach zwei McLean-Dreiern, einem Obasohan-Distanzwurf mit Ablauf der Schussuhr und zwei Punkten von Darion Atkins nach Offensivrebound recht vielversprechend aus (72:60). Vechta kämpfte sich zwar auf sieben Zähler heran, doch vor allem Harris behielt jetzt die Übersicht und erkämpfte sich Ball um Ball. Der Zehn-Punkte-Vorsprung war dann aber nach den Dreiern von Simpson und Vasturia schnell weg. 61 Sekunden vor dem Ende verkürzte der Tabellennachbar auf 77:78. Nach einer Auszeit sorgte Bryce Taylor per Dreier wieder vor etwas Luft. Simpson glich aber mit zwei Dreiern 19,8 Sekunden vor Schluss zum 83:83 aus. Beim folgenden Einwurf brachten die Bamberger zwar wieder einmal den Ball nicht an den eigenen Mann, doch nach Simpsons Fehlwurf wurde Harris gefoult und versenkte nervenstark die beiden Freiwürfe zum 85:83. Simpson tauchte kurz darauf unter dem Brose-Korb auf, dunkte und wurde dabei gefoult. Der Zusatzfreiwurf fiel. Vechta führte und feierte nach dem Harris-Dreier, der vom Ring wegsprang, den Sieg in der Arena, in der Totenstille herrschte.

Spieler des Spiels

Christian Sengfelder legte von Beginn an los wie die Feuerwehr und versenkte bereits in den ersten drei Minuten zwei seiner insgesamt fünf Dreier. Am Ende standen für den Power Forward 23 Punkte in der Statistik, wobei er sich gerade einmal zwei Fehlwürfe leistete. Außerdem sicherte er vier Rebounds.

Die Statistik

Brose Bamberg - Rasta Vechta 85:86

(21:13, 16:22, 22:18, 26:33)

Bamberg Sengfelder (23 Punkte/5 Dreier), McLean (12/3), Harris (11), Obashohan (9/1), Marei (8), Atkins (8), Lee (8/2), B. Taylor (6/2), Olinde, K. Taylor Vechta Simpson (32/9), Vasturia (19/2), Young (10/2), Wainright (7/1), Kessens (7), Herkenhoff (6/2), Raffington (4), Murphy (1), Davis, Dileo, van Slooten SR Kovacevic, Cici, Simonow Zuschauer 5619 Gesamtwurfquote Bamberg 44 Prozent (27 Treffer /61 Versuche), Vechta 49 (29/59)

Dreierquote Bamberg 42 (13/31), Vechta 47 (16/34) Freiwurfquote Bamberg 86 Prozent (18/21), Vechta 80 (12/15) Rebounds Bamberg 37 (26 defensiv/11 offensiv), Vechta 26 (22/4) Ballgewinne/-verluste Bamberg 3/12, Vechta 3/10

Assists Bamberg 25 / Vechta 25 Fouls Bamberg 18 / Vechta 23