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Finanzen von Brose Bamberg nehmen bei Fantalk großen Raum ein

Einen Video-Fantalk im Internet gab es beim Basketball-Bundesligisten Brose Bamberg am Montagabend.
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Keine Fortführung der Saison mit Geisterspielen, aber Zustimmung für ein Turnier an einem Ort. Arne Dirks, Geschäftsführer beim Bundesligisten Brose Bamberg, begründete in einem Internet-Fantalk, warum der Verein die Saison beendet und beantwortete viele Fragen zu den Finanzen, dem Farmteam aus Bamberg, der vergangenen, laufenden und kommenden Spielzeit.  Foto: Archiv/Daniel Löb
Keine Fortführung der Saison mit Geisterspielen, aber Zustimmung für ein Turnier an einem Ort. Arne Dirks, Geschäftsführer beim Bundesligisten Brose Bamberg, begründete in einem Internet-Fantalk, warum der Verein die Saison beendet und beantwortete viele Fragen zu den Finanzen, dem Farmteam aus Bamberg, der vergangenen, laufenden und kommenden Spielzeit. Foto: Archiv/Daniel Löb

Arne Dirks, Geschäftsführer der Bamberger Basketball GmbH, und Mediendirektor Thorsten Vogt beantworteten Fragen der Fans.

Dirks nahm gleich zu Beginn zur Gesellschaftersituation Stellung, nachdem der Alleingesellschafter, die Brose-Gruppe um Michael Stoschek, zunächst einen Rückzug zum 1. Juli angekündigt hatte und am vergangenen Sonntag eine Kehrtwende vollführte (wir berichteten). "Es gab viel Wirbel darum. Ich kann dazu nicht allzu viel beitragen, da ich kein Gesellschafter bin, nur angestellter Geschäftsführer, und an diesem Prozess nur am Rande beteiligt war, indem wir von der kaufmännischen Geschäftsführung Zahlen für potenzielle Gesellschafter zur Verfügung stellten", so Dirks.

Am Ende dieses Prozesses hat Stoschek entschieden, mit der Brose-Gruppe doch als Mehrheitsgesellschafter der Bamberger Basketball GmbH, die bisher eine 100-prozentige Tochter des Coburger Unternehmens ist, an Bord zu bleiben. Dirks führte aus, dass in diesen neun Tagen Wilfried Kämper, Vorstand des Bamberger Wirtschaftsclubs und mit seiner Firma Magnat als Sponsor dem Bundesligisten gewogen, nun den Aufsichtsrat mit seiner Expertise unterstützte und mehr Regionalität reinbringe.

Klargestellt wurde dabei, dass die Bamberger Basketball GmbH eine 100-prozentige Tochter der Brose-Gruppe ist, das heißt nicht, Michael Stoschek ist als Einzelperson Alleingesellschafter, sondern die Brose-Gruppe, in der Stoschek wiederum Vorsitzender der Gesellschafter-Versammlung ist. Bei den Basketballern ist Stoschek Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Kooperation mit Baunach

Dirks äußerte sich auch zur Aufgabe des Farmteams, den Baunach Young Pikes in der 3. Liga ProB. "Schweren Herzens haben wir die gute Zusammenarbeit aufgegeben, in deren Zuge wir viele Talente integriert haben." Die Gründe lägen im Konsolidierungskurs und der Rekonstrukturierung der Basketball GmbH. "Als ich am 1. Januar 2019 anfing, war die Finanzlage alles andere als rosig. Das hat dazu geführt, dass wir die Saison 2019/20 mit einem 30 Prozent kleineren Budget spielten. Wichtig ist, dass die Brose-Gruppe Hauptgesellschafter sowie Haupt- und Namenssponsor mit einem Betrag bleibt, der in der Bundesliga als sehr stark zu bewerten ist. Das gibt uns Planungssicherheit. Der Sponsorbetrag wird aber kleiner ausfallen, was der Corona-Krise geschuldet ist. Im Moment müssen wir davon ausgehen, dass wir für die kommende Saison erneut 35 bis 40 Prozent unseres Etats verlieren. Das trifft uns ins Mark. Dennoch müssen wir uns keine Sorgen um Brose Bamberg machen, wir müssen aber schauen, was wir uns noch leisten können. Das Jugendthema ist extrem wichtig, Baunach wäre es auch gewesen, doch die Young Pikes haben uns in der Saison 2018/19 insgesamt über eine Million gekostet und in dieser Saison einen hohen sechsstelligen Betrag. Das können wir uns derzeit nicht leisten. Es war also keine Entscheidung gegen Baunach, vielmehr kämpfen wir dafür, dass wir unseren Jugendbereich so gut es geht erhalten. Auch unser Internat im Aufseesianum steht auf der Kippe. Wir wollen es erhalten, weil es in der Bundesliga fast seinesgleichen sucht. Das gilt auch für unserer Schulprojekte."

Kooperation mit Coburg Option

Dirks gestand, dass der Sprung aus der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL) in die BBL zu groß sei. "Eine Kooperation zur Stadt, aus der Brose stammt, ist eine Option. Ein Farmteam mit allem, was da dran hängt, wird es aber nicht mehr geben." Damit meint Dirks eine Zusammenarbeit mit dem BBC Coburg, der wie Baunach in der 3. Liga ProB antritt. Schließlich habe man mit einigen Spielern, wie dem Top-Aufbautalent Elias Baggette (bis 2023), langfristige Verträge geschlossen. "Verleihen kann ein Thema sein, vielleicht auch ins Ausland. Natürlich wollen wir sie möglichst integrieren, wie es mit Mateo Seric gelungen ist. Ihn sehe ich als festen Bestandteil für nächste Saison. Wir müssen aber auch abwarten, wie es die Spieler und deren Agenten sehen", äußerte sich Dirks zu den Jugendspielern weiter.

Schuldenstand

Zum derzeitigen Schuldenstand gab es von Dirks diese Auskunft: "Die Brose-Gruppe hat mit riesigem Engagement dafür gesorgt, dass wir uns entschulden. Wir haben in der vergangenen Saison mit der ersten Restrukturierungsphase mit dazu beigetragen. Ich gehe davon aus, dass durch die Hilfe von Fans und Sponsoren ein positives Eigenkapital stehen bleibt. Ob es 250 000 Euro sein werden, kann ich noch nicht beantworten." Dirks erwartet, dass die BBL die verpflichtende Höhe von 250 000 Euro Eigenkapital nicht aufrechterhalten könne, da sonst einige Vereine in die Knie gehen würden. Zum Brose-Etat sagte der Geschäftsführer: "Ich gehe davon aus, dass die Zeiten eines zweistelligen Millionenetats vorüber sind."

Sportliche Ziele nicht erreicht

Zu den verpassten sportlichen Zielen in der Saison sagte Dirks: "Die Ziele waren sehr ambitioniert und wurden nicht erreicht, vor allem in der Champions-League. Das Pokal-Halbfinale war okay, die Art der Niederlage gegen Berlin nicht. In der Bundesliga spielen wir noch, bis dahin aber auch nicht herausragend."

Zum am 6. Juni beginnenden Turnier meinte Dirks: "Unser Kader derzeit ist nahezu komplett, die beiden Verletzungen sind ärgerlich. Die Lücken haben wir mit Nachwuchsspielern aufgefüllt. Wir haben eine funktionierende Einheit. Nachverpflichtungen hatten wir nicht nötig. Vor allem, dass Crawford zurückkommt, stimmt mich für das Turnier optimistisch."

Aufgaben für die neue Saison

Zur neuen Saison meinte Dirks: "Ich gehe davon aus, dass alle Bundesligaklubs mit einem deutlich niedrigeren Etat in die kommende Saison gehen werden und die Spielergehälter sinken. Das ist eine Aufgabe für die neue Runde. Wir haben noch laufende Verträge, zum Teil noch hochdotierte aus Euroleague-Zeiten, die sehr schwierig von uns zu bedienen sein werden. Wir müssen uns mit den Spielern auseinandersetzen, mit denen Verträge abgeschlossen wurden, als wir davon ausgegangen sind, dass es keine Corona-Krise geben wird. Wir sitzen alle in einem Boot, das müssen auch Spieler und Agenten verstehen. Wir sind hierbei auf einem guten Weg. Spielerverpflichtungen werden wir derzeit sicher keine tätigen, dafür ist die Situation zu unsicher."

Etat so groß, um vorne mitzuspielen

Dennoch werde der Etat so hoch sein, um im Vorderfeld der Liga mitzuspielen. Der Etat werde ein gutes Stück vom Mindestetat der Liga (3 Millionen Euro) weg sein, aber auch weit entfernt von Berlin oder München. "Ob es unterhalb von Oldenburg oder Ulm liegt, weiß ich nicht, da ich die Etats der Konkurrenz nicht kenne. Wir brauchen noch ein paar Wochen, bis wir das abschätzen können. Auf jeden Fall wird die Liga zusammenrücken. Etats werden überall schrumpfen. Die Krise trifft uns hart, die Gürtel werden enger geschnallt, doch unsere Ambitionen - wer Michael Stoschek kennt - sind, in den Play-offs mitzuspielen."

Zu einer Saisonverzögerung

Wenn Corona bis in den Herbst grassiert und die Bundesliga noch länger pausiert? "Wir planen derzeit acht verschiedene Szenarien, keiner will Geisterspiele. Wir würden dann lieber später starten und dann mit Zuschauern", so der Geschäftsführer.

Zur Kehrtwende hinsichtlich eines Saisonabbruchs bzw. der -fortführung meinte Dirks: "Das ist für mich kein Widerspruch. Die Entscheidung fiel gegen eine Weiterführung der regulären Saison mit Geisterspielen. Die Befürwortung des Turniers an einem Ort ist dagegen etwas anderes. Dazu kann man der BBL nur gratulieren. Wir machen dabei mit, weil es sportliche und wirtschaftliche Gründe gibt. Sportlich wollen wir den Wettbewerb als Sportverein. Wirtschaftlich können wir mögliche Regressforderungen von Sponsoren über das Turnier vermeiden. Der internationale Wettbewerb spielt in unseren Planungen eine große Rolle. Die Champions-League ist in Sponsorenverträgen wie in den Dauerkarten verankert. Wir müssen uns aber auch dafür qualifizieren, deshalb ist dies auch ein Grund, warum wir beim Turnier dabei sind."

Keine Kosten für Vereine

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Mediendirektor Thorsten Vogt, dass es beim BBL-Turnier zwei "Heimspiele" für jeden Verein gebe. "Dabei können wir das Spielfeld und die Werbebanden mit unseren Sponsoren bestücken, so dass bei der angenommenen höheren Zuschauerbeteiligung im TV die Sponsoren sogar eine höhere Präsenz haben." Kosten entstünden dem Verein bis auf die An- und Abreise nach München keine. "Die Kosten für Unterbringung im Hotel und die Corona-Tests werden von der BBL getragen", so Vogt.

Problemzone Power Forward

Zur bis in den März absolvierten Saison wollten die Fans wissen, was dem Team gefehlt habe, um oben mitzuspielen. Dirks nannte vor allem die Power-Forward-Position, auf der man Probleme hatte. "Coty Clarke konnte nicht, Michael Carrera war ein super Typ, doch seine eher wilde Art hat uns nicht weiter geholfen. Darion Atkins hatte bis Teneriffa gute Stats, hat aber bei uns auch nicht eingeschlagen, weshalb wir ihn auch für das kommende Turnier nicht zurückgeholt haben."

Crawford der neue Leader

Laut Dirks habe dem Team ein Leitwolf gefehlt. "Jordan Crawford hat nun die Leaderrolle übernommen und die junge Mannschaft an die Hand genommen. Ich hoffe, dass wir mit ihm nun ein gutes Turnier spielen." Auf die Nachfrage zur Aufbauspielerposition, die mit Paris Lee und Retin Obasohan eher schwach besetzt sei, sagte der Geschäftsführer lediglich: "Es wird alles hinterfragt, wenn es nicht so funktioniert, wie geplant. Es gibt keine Garantie, wenn man Spieler verpflichtet. Paris Lee kann sehr gewinnbringend für ein Team sein, war aber nicht so kontant. Um es kurz zu machen: Wir stellen alles auf den Prüfstand."

Weidemann für zwei Jahre ausgeliehen

Zur Frage nach dem 21-jährige Nelson Weidemann sagte Dirks. "Weidemann ist für zwei Jahre vom FC Bayern München ausgeliehen mit einer Kaufoption. Bayern hat keine Möglichkeit, den Spieler zurückzuholen."

In die Zukunft gerichtet war die Frage, wie es in drei Jahren weitergehe, wenn Brose nicht mehr Hauptsponsor sein wird. "Das weiß man nicht. Drei Jahre sind lang und geben eine gute Planungssicherheit", blieb Dirks die Antwort schuldig.

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