Nach vielen beeindruckenden Vorstellungen in der Top-16-Runde der Euroleague wurden die Brose Baskets in Barcelona auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Der deutsche Meister hatte der physischen Spielweise der Katalanen vor allem in der ersten Halbzeit (23:43) nichts entgegenzusetzen und kassierte im Palau Blaugrana eine deutliche 57:75-Niederlage. Nur Brad Wanamaker (16 Punkte, 8 Rebounds) präsentierte sich in Normalform, während seine Mitstreiter teilweise wie das Kaninchen vor der Schlange wirkten.

Trotz dieser Ernüchterung ist der Traum vom Erreichen des Play-off-Viertelfinales noch nicht ganz zu Ende. Gewinnen die Brose Baskets ihre letzte Partie daheim gegen Laboral Kutxa Vitoria und bezwingt gleichzeitig Zalgiris Kaunas den FC Barcelona und siegt Olympiakos Piräus über ZSKA Moskau, kann noch der rettende vierte Platz für die Bamberger herausspringen. Doch das sind theoretische Rechenspiele, auf die die Mannschaft von Andrea Trinchieri nur noch bedingt Einfluss hat. Am Freitag bereitete der Bamberger Trainer seine Jungs in Barcelona auf das nächste Bundesliga-Spiel am Sonntag (17 Uhr) in Bonn vor. Am Samstag fliegt der Brose-Tross von der katalanischen Metropole nach Frankfurt, wo es mit dem Bus weiter nach Bonn geht.


Trinchieri dennoch stolz auf sein Team

Am Donnerstagabend gratulierte Trinchieri dem FC Barcelona zu "einem verdienten Sieg". Dem Italiener fiel es nach eigenem Bekunden nicht leicht, die richtigen Worte zu finden: "Ich habe ein schlechtes Gefühl im Mund, und ich muss an der Seite meiner Spieler stehen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir besser Basketball spielen, aber unter den gegebenen Umständen war das nicht möglich. Wir spielten gegen eine sehr, sehr starke Mannschaft. Ich bin stolz auf mein Team." Für die Niederlage hatte Trinchieri eine einfache Erklärung: "Es war ein äußerst körperbetontes Spiel. Damit wussten wir nicht umzugehen. Aber nochmal: Ich bin stolz auf meine Mannschaft, auf die gesamte Organisation. Wir haben bisher jeden Gegner mindestens einmal geschlagen. Meine Spieler sollten - trotz der Niederlage - mit erhobenem Haupt aus der Arena gehen."

Leon Radosevic, der ebenso wie seine Centerkollegen einen schweren Stand gegen Joey Dorsey und Ante Tomic hatte, konstatierte: "Wir waren nicht auf die Physis eingestellt, die Barcelona an den Tag gelegt hat. Ich mag es aber nicht, wenn uns die Leute unterschätzen. Wir haben in dieser Saison gezeigt, dass wir ein großes Team sind. Darüber bin ich glücklich, aber zugleich auch enttäuscht, dass unsere Chancen jetzt wesentlich schlechter sind als vor diesem Spiel."

Wichtig ist jetzt vor allem, dass die Bamberger den Frust, der sich in Barcelona breit gemacht hatte, verdrängen und in Bonn zu alter Stärke zurückfinden. Die Telekom Baskets stehen nach einer verkorksten Saison nur auf Platz 13 und waren zuletzt in Frankfurt (48:78) und vor eigenem Publikum gegen die Münchner Bayern (81:95) chancenlos. Der neue Trainer Silvano Poropat hofft dennoch, dass seine Mannschaft gegen die müden Bamberger mit Herz und Leidenschaft dagegenhält und die Bonner Fans für so manche Enttäuschung in dieser Saison entschädigt.