Es sind nicht die Temperaturen von über 30 Grad, die Janis Strelnieks in Kalamati zum Schwitzen bringen. Und der lettische Nationalspieler, der mit Brose Bamberg zwischen 2015 und 2017 drei Meisterschaften in Folge gewann, ist auch nicht zum Urlaub in Griechenland. Zusammen mit seinem Moskauer Teamkollegen Nikola Milutinov und unter Anleitung von Andreas Pistolis, Co-Trainer von ZSKA, absolviert der 30-Jährige ein dreiwöchiges Trainingscamp nahe der Hauptstadt Athen.

Obwohl bei zwei mehrstündigen Trainingseinheiten pro Tag der Schweiß in Strömen fließt, genießt Strelnieks die Zeit am Mittelmeer. "Ich liebe Griechenland. Hier ist immer schönes Wetter und das Essen schmeckt toll", sagt der Flügel- und Aufbauspieler, der von 2017 bis 2019 bei Olympiakos Piräus unter Vertrag stand. Um zum griechischen Spitzenklub, einem der renommiertesten europäischen Basketballvereine, wechseln zu können, hatte Strelnieks im Sommer 2017 von seiner Ausstiegsklausel in seinem noch zwei Jahre gültigen Kontrakt mit Brose Gebrauch gemacht. "Der Wechsel war keine Entscheidung gegen Bamberg, sondern eine für Olympiakos. Ich wollte den nächsten Schritt machen", erklärt Strelnieks.

Unglaubliche drei Jahre

Seine drei Jahre in Bamberg sind dem lettischen Nationalspieler noch in bester Erinnerung. "Die Fans waren unglaublich, der Verein war unglaublich, unsere Mannschaft war unglaublich. Wir hatten so viel Spaß, miteinander zu spielen", meint Strelnieks, den die Bamberger Fans im Frühjahr in unserer Abstimmung "Die Besten des Jahrzehnts" auf der Position des Shooting Guards auf Platz 1 hievten. Mit 42,4 Prozent der Stimmen lag der Distanzschütze klar vor Anton Gavel (27,5) und Brian Roberts (20,8). Warum sich die Fans für ihn entschieden, ist dem 30-Jährigen ein Rätsel: "Ich bin ja eher der schüchterne Typ, der nicht aus sich rausgeht und die Fans pusht." Er lieferte aber in seiner Zeit in Bamberg über drei Jahre hinweg Leistungen auf konstant hohem Niveau ab.

Personeller Umbruch

Strelnieks war im Sommer 2014 von BK Budiwelnyk Kiew zu den Oberfranken gekommen. Damals gab es - wie in diesen Tagen - bei den Brose-Basketballern einen großen personellen Umbruch. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Artland Dragons, das die Trennung von Coach Chris Fleming zur Folge hatte, wurden alle sechs Ausländerstellen neu besetzt. Mit Joshua Duncan, Brad Wanamaker, Trevor Mbakwe, Ryan Thompson und Carlon Brown nahmen die Bamberger zunächst fünf US-Amerikaner unter Vertrag. Beim letzten Neuzugang ohne deutschen Pass entschieden sie sich bewusst für einen Akteur vom alten Kontinent.

"So, wie sich das Team in den vergangenen Wochen entwickelt hat, wollten wir unbedingt noch eine europäische Note haben. Damit sind wir in der Vergangenheit mit Spielern wie Helmanis, Kullamäe, Suput und Nachbar immer recht gut gefahren", sagte Wolfgang Heyder seinerzeit. Die Verpflichtung von Strelnieks war eine der letzten Amtshandlungen des damaligen Sportlichen Leiters. "Janis Strelnieks hat sich in den letzten Jahren sehr gesteigert und gibt unserem Team ein kreatives Element", sagte Heyder.

Er behielt Recht, denn der Lette entpuppte sich von Beginn an als die erhoffte Verstärkung. Wie der Este Kullamäe erwies sich Strelnieks als begnadeter Dreierschütze - seine Trefferquote von jenseits der Drei-Punkte-Linie lag in allen drei Jahren über 40 Prozent. Nach Wurffinten war er aber auch stets in der Lage, zum Korb zu ziehen und aus der Nähe abzuschließen. Mit knapp 3,5 Assists pro Spiel erwies sich der Flügelspieler zudem als guter Vorbereiter. Zusammen mit Daniel Theis, Brad Wanamaker, Fabien Causeur, Nicolo Melli, Darius Miller und Nikos Zisis war der Lette einer der Protagonisten der erfolgreichen Trinchieri-Ära.

In Kontakt mit Melli und Theis

Mit Zisis und Elias Harris traf Strelnieks im Oktober 2019 zwei Mitstreiter von einst noch einmal, als die Bamberger ihr Champions-League-Spiel bei AEK Athen bestritten. Der Lette, damals bei Piräus unter Vertrag, sah sich die Partie in der Halle an. Ansonsten hält er noch Kontakt zu einigen früheren Mitspielern wie Melli und Theis, die Partien von Brose Bamberg verfolgt er aber kaum noch. "Aus meiner Zeit ist mittlerweile ja keiner mehr da. Es ist eine komplett neue Organisation", sagt der Dreierspezialist. Den personellen Umbruch in den vergangenen Jahren beim einstigen Serienmeister will er nicht kommentieren, sondern sagt nur: "Wenn du erfolgreich bist, machst du alles richtig. Wenn der Erfolg aber ausbleibt, versuchst du, etwas zu verändern. So ist das nun einmal."

Eine Veränderung stand für Strelnieks auch nach der Saison 2018/19 an, als er den nächsten Schritt in seiner Karriere machte und zu ZSKA Moskau wechselte. Sein erstes Jahr in Russland (7,5 Punkte im Schnitt bei einer Spielzeit von 18:10 Minuten) war aber wie sein letztes in Griechenland (7,5/20:30) von einer hartnäckigen Muskelverletzung im Oberschenkel geprägt, die ihn wochenlang außer Gefecht setzte. Als Strelnieks Anfang März wieder fit war, beendete das Coronavirus die Saison.

Nun arbeitet er im Trainingscamp in Griechenland gezielt an den körperlichen Grundlagen, um gesund durch die kommende Spielzeit zu kommen. Diese bestreitet er weiterhin in Moskau, wo der 30-Jährige einen Vertrag bis 2021 besitzt. Zuletzt aufgekommene Gerüchte, er würde zu Bayern München wechseln, dementiert der Lette: "Davon habe ich auch schon gehört. Es ist ja auch naheliegend, weil Andrea Trinchieri dort jetzt Trainer ist. Aber da ist nichts dran", sagt er lachend.

Keine Maskenpflicht in Lettland

Bevor Strelnieks nach Russland zurückkehrt, will er sich noch ein paar Tage in seiner lettischen Heimat erholen. Dort hatte das Coronavirus im Frühjahr nicht so stark zugeschlagen. "Es gab keinen Lockdown, auch eine Maskenpflicht hatten wir nicht", sagt Strelnieks, der nach dem abrupten Saisonende zunächst einmal von Moskau in seine Heimatstadt Talsi zurückgekehrt ist. Dort lebt er mit seiner langjährigen Partnerin Ieva, die er ein Jahr nach der Geburt seiner Tochter geheiratet hat. Die kleine Emma wurde am 1. August drei Jahre alt. Ihre Mutter, die während der Zeit in Bamberg für die DJK Bamberg in der 2. Liga auf Korbjagd gegangen ist, hat ihre Basketballkarriere mittlerweile beendet.

Die Familie Strelnieks verbringt jede freie Minute zusammen. Wie wichtig das dem Letten ist, zeigt dessen Instagram-Account. Dort hat er zwar nur vier Bilder von sich gepostet, aber keines zeigt den Basketballer Janis Strelnieks. Seinen Sport liebt er dennoch und will diesen noch so lange wie möglich auf höchstem Niveau ausüben. "Fünf Jahre möchte ich mindestens noch spielen", sagt der 30-Jährige.