Acht gute Minuten reichen in der Euroleague nicht, um Spiele zu gewinnen - und schon gar nicht bei der Überraschungsmannschaft dieser Saison in der Belgrader Hölle. Roter Stern degradierte die schwachen Bamberger bis Mitte des dritten Viertels mit einer aggressiven Verteidigung zu Statisten und führte mit 56:31. Und auch auf die phänomenale Aufholjagd des deutschen Meisters bis zum 48:56 hatten die Serben die passende Antwort und kamen mit dem 74:60-Sieg der Play-off-Teilnahme einen weiteren Schritt näher. Für Brose Bamberg ist der Zug dagegen nun endgültig abgefahren: Nach nur acht Siegen und 16 Niederlagen ist Platz 8 in den verbleibenden sechs Partien nicht mehr in Reichweite.


"Selbstvertrauen verloren"

Andrea Trinchieri war am Ende mit seinen Jungs dennoch nicht gänzlich unzufrieden: "Wir sind heute stark zurückgekommen, nachdem wir in den ersten beiden Vierteln katastrophal gespielt haben." Bambergs Coach hatte aber auch gesehen, dass sein Team 25 Minuten lang durch "das physische Spiel der Belgrader und ihre aggressive Verteidigung völlig aus dem Konzept gebracht" wurde. "Wir haben ständig den Ball und damit das Vertrauen in uns verloren", konstatierte der Italiener.
Doch urplötzlich lief es beim deutschen Meister: Nikos Zisis, Ali Nikolic, Fabien Causeur, Patrick Heckmann und Nicolo Melli kämpften sich mit einer starken Defensivleistung zurück ins Spiel und standen nach einem 17:0-Lauf kurz davor, die Partie endgültig zu kippen.
Nach acht Minuten ohne jeden Punkt sorgte der Amerikaner Charles Jenkins für ein Aufatmen bei den 5783 fanatischen Anhängern im Pionir Palast. Die Gesänge erreichten wieder eine ohrenbetäubende Lautstärke und trugen das Team von Roter Stern über die Ziellinie.
"Die zweite Halbzeit war viel besser. Wir haben uns großartig zurückgekämpft. In dieser Phase waren wir ein Big Play davon entfernt, das Momentum komplett auf unsere Seite zu ziehen. Das hätte eine gute Aktion in der Offensive sein können, ein Stopp in der Verteidigung", stellte Trinchieri fest und lobte sein Kollektiv. "Einmal mehr hat dieses Spiel aber gezeigt, dass wir als Team funktionieren, dass wir uns nie aufgeben und auch in solch einer Atmosphäre bestehen können."
In der ersten Halbzeit waren nur die erfahrenen Akteure Fabien Causeur und Nikos Zisis in der Lage, gegen die serbische Betonabwehr etwas auszurichten: "Viele unserer Spieler sind so eine Atmosphäre nicht gewohnt, deshalb waren wir überhaupt nicht im Spiel. Aber es war großartig, dass wir trotzdem nie aufgehört haben zu kämpfen und noch einmal bis auf acht Punkte herangekommen sind", freute sich Zisis und ergänzte: "Letztlich war es eine gute Erfahrung für uns, in solch einer Halle gegen eine Mannschaft zu spielen, die so aggressiv ist. Insgesamt hat sich Roter Stern den Sieg mit diesem Auftritt verdient."


Am Montag gegen Gießen

Ohne Janis Strelnieks (Bänderriss in der Schulter) und Kapitän Elias Harris (Knieverletzung) fehlte dem Brose-Team in den letzten Wochen die Konstanz in der Königsklasse (sieben Niederlagen in acht Partien). Doch auf nationaler Ebene profitieren die Jungs von den Erfahrungen gegen die europäischen Topteams. Am Montag (20.30 Uhr) gilt es, im Bundesliga-Heimspiel gegen die Gießen 46ers diese Souveränität einmal mehr an den Tag zu legen.