Brose Bamberg befindet sich im Sommer 2020 im Umbruch - wieder einmal. Neu-Trainer Johan Roijakkers und Neu-Geschäftsführer Philipp Galewski sollen den Verein wieder in die Erfolgsspur führen. Ihren zahlreichen Vorgängern gelang dies in den vergangenen Jahren nicht, zum Teil waren sie nur kurz im Amt. Ein Rückblick auf eine erfolglose Trilogie.

"Neustart beim Ex-Serienmeister Brose Bamberg": Nach einer erfolglosen Trilogie fällt nach zwischenzeitlichen Fragezeichen um die Produktionskosten im Sommer 2020 nun doch die Klappe für Teil 4. Die neuen Hauptdarsteller sind Johan Roijakkers (Trainer) und Philipp Galewski (Geschäftsführer). Regisseur und Produzent bleibt Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek. Der Coburger Unternehmer ist die einzige Konstante und hofft trotz eines deutlich geschrumpften Budgets endlich wieder auf einen Kassenschlager. "Ich gehe mit Optimismus in die neue Saison. Jetzt muss uns nur noch der liebe Gott ein bisschen helfen", sagt Stoschek bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz.

Das tat er anscheinend zuletzt vor drei Jahren, denn da war die Bamberger Basketball-Welt mit dem Gewinn der neunten deutschen Meisterschaft noch in Ordnung. Für all diejenigen, die die ersten drei Kapitel des Brose-Neustarts verpasst haben, blickt unsere Zeitung zurück. Was bisher geschah:

Das tat er anscheinend zuletzt vor drei Jahren, denn da war die Bamberger Basketball-Welt mit dem Gewinn der neunten deutschen Meisterschaft noch in Ordnung. Für all diejenigen, die die ersten drei Kapitel des Brose-Neustarts verpasst haben, blickt unsere Zeitung zurück. Was bisher geschah:

Teil 1: Ohne Limit

11. Juni 2017: Mit dem neunten Play-off-Sieg in Folge macht Brose Bamberg seine neunte Meisterschaft im Finale gegen Oldenburg perfekt. Doch bereits bei den Meisterfeierlichkeiten schwingt Wehmut mit, denn es zeichnet sich ab, dass die nominell vielleicht beste Bamberger Mannschaft der Vereinsgeschichte zerfallen wird. Leistungsträger wie Daniel Theis, Nicolo Melli, Darius Miller, Janis Strelnieks und Fabien Causeur kehren Bamberg in den nächsten Tagen den Rücken. Auch der Verbleib von Trainer Andrea Trinchieri ist unsicher.

23. Juni 2017: Das Erfolgsduo Trinchieri und Daniele Baiesi wird gesprengt. Nach internen Unstimmigkeiten ist nur noch Platz für einen Italiener mit Machtfülle in Bamberg. Trinchieri zieht die Vertragsoption für eine weitere Saison, Baiesi geht - zwei Wochen später landet er beim FC Bayern. Brose Bamberg rüstet derweil für die Euroleague weiter auf.

Mit Vlado Scepanovic, Yassin Idbihi und Neu-Sportdirektor Ginas Rutkauskas wird das "Team hinter dem Team" erweitert. Der neue Spielerkader ist so namhaft, tief besetzt und teuer wie noch nie. Trinchieri setzt bei seinen Neuzugängen nicht mehr auf entwicklungsfähige Spieler, sondern auf erfahrene Akteure, die auf ihrem Zenit beziehungsweise bereits darüber hinaus sind. Große Namen wie Ricky Hickman, Daniel Hackett, Quincy Miller und Bryce Taylor werden teils mit langfristigen Verträgen ausgestattet und machen Bamberg auf dem Papier zu einem Viertelfinal-Kandidaten im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb - doch die Mannschaft bleibt hinter den Erwartungen zurück.

15. November 2017: Brose Bamberg überzeugt spielerisch selten und schwächelt in der Bundesliga, liegt aber in der Euroleague zunächst im Soll. Der 84:81-Sieg gegen den FC Barcelona in der Nürnberger Arena ist der vierte Erfolg im siebten Spiel - und nach einem 12:38-Rückstand nach Viertel 1 auch der spektakulärste der Saison. Es bleibt aber bei Achtungserfolgen: Bamberg beendet später die Euroleague-Saison mit elf Siegen und 19 Niederlagen auf Platz 12.

19. Februar 2018: Die Runde entwickelt sich zu Beginn des Kalenderjahres 2018 zur Seuchensaison. Nachdem Elias Harris und Bryce Taylor operiert worden sind, muss auch der Trainer Anfang Januar unters Messer (Schulter-Operation). Danach kommt Trinchieri nur noch kurzzeitig zurück: Nach wettbewerbsübergreifend nur drei Siegen aus 15 Spielen wird der temperamentvolle Italiener beurlaubt. Nachdem zwischenzeitlich Assistenztrainer Ilias Kantzouris übernommen hatte, gibt Brose Anfang März den Trinchieri-Nachfolger bekannt: Es ist Landsmann Luca Banchi.

29. Mai 2018: Bamberg scheidet nach der dritten Niederlage in Spiel 4 im Halbfinale gegen den späteren Titelträger FC Bayern München aus. Banchi holt dabei nahezu das Maximum aus dem unausgewogen zusammengestellten Team heraus. Mit elf Siegen in den letzten 13 Hauptrundenspielen führt er Brose noch in die Play-offs und schafft im Viertelfinale mit seiner Mannschaft einen "Sweep" gegen Bonn. Kein schlechter Arbeitsnachweis, doch die Verantwortlichen entschieden sich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Banchi.

Teil 2: Verkleinerung

18. Juni 2018: Nachdem die Bamberger vergeblich um eine langfristige Startberechtigung in der Euroleague gebuhlt hatten und der Wettbewerb ohnehin ein "Draufzahlgeschäft" gewesen sein dürfte, werden die Fronten gewechselt. Für "mehr Planungssicherheit" trifft Brose Bamberg die Entscheidung, sich fünf Jahre an die FIBA-Champions-League zu binden. Ein Entschluss, der heute noch immer im Fanlager kontrovers diskutiert wird. Immerhin: Der einst drittklassige Wettbewerb mausert sich über die Jahre und dürfte 2020/21 sogar etwas besser besetzt sein als der bislang zweitklassige Eurocup.

30. Juni 2018: Der Lette Ainars Bagatskis unterschreibt für zwei Jahre als neuer Cheftrainer und will Bamberg wieder zum "deutschen Aushängeschild" machen. Der finanzielle Spielraum für den neuen Kader ist wegen der neuen "internationalen Ligenzugehörigkeit" und Altlasten aus dem Vorjahr deutlich kleiner. Die Mischung aus erfahrenen Spielern wie Nikos Zisis und Tyrese Rice sowie hochtalentierten Akteuren wie Arnoldas Kulboka und Louis Olinde stimmt die Fans aber grundsätzlich positiv.

28. November 2018: Als Tabellenvierter der Bundesliga liegt Bamberg zu dem Zeitpunkt auf Kurs, die Schlagzeilen werden zunächst außerhalb des Parketts geschrieben. Nachdem Geschäftsführer Rolf Beyer seinen Abschied bereits für Ende des Jahres angekündigt hatte, wird ihm Ende November gekündigt. "Grund waren finanzielle Unregelmäßigkeiten", heißt es in der Brose-Mitteilung. Das Ermittlungsverfahren gegen Beyer wird im Januar 2019 eingestellt.

13. Januar 2019: Die Querelen im Umfeld färben auf die sportliche Leistung ab. Wie in der Vorsaison schlittert das Brose-Team über den Jahreswechsel in eine Krise. Neu-Geschäftsführer Arne Dirks muss bereits nach wenigen Tagen im Amt den Rauswurf von Trainer Bagatskis verantworten. Es übernimmt der bisherige Assistent Federico Perego. Der damals 34-Jährige bildet mit den gebürtigen Bambergern Dominik Günthner (30 Jahre) und Mark Völkl (24) ein blutjunges Trainerteam.

17. Februar 2019: Der erfolgreiche Dreipunktewurf von Nikos Zisis zum 83:82 wenige Sekunden vor Schluss im Pokalfinale gegen Alba Berlin ist wohl der glücklichste Moment für alle Bamberger Basketballfans in den vergangenen drei Jahren. Sportdirektor Rutkauskas darf noch mitjubeln, wird aber drei Tage später freigestellt. Nach dem Pokalgewinn greift das Brose-Team Anfang Mai in Antwerpen sogar nach dem zweiten Titel. Das Final-Four-Turnier der Champions League verläuft mit zwei klaren Niederlagen allerdings enttäuschend.

28. Mai 2019: Perego sorgt in seiner Amtszeit für einige Glanzlichter, verzweifelt aber letztlich an seiner oft launisch auftretenden Mannschaft. Im Bundesliga-Viertelfinale ist gegen die Begeisterung und Energie von Rasta Vechta kein Kraut gewachsen (1:3). Zwei Wochen danach ist auch die Zeit des Italieners in Bamberg abgelaufen.

Teil 3: Unbekannte Identität

20. Juni 2019: Mit Pedro Calles (Vechta) und Roel Moors (Antwerpen) stehen bei den Brose-Verantwortlichen zwei Trainer hoch im Kurs, die in der vorangegangen Saison mit vergleichsweise geringen Mitteln das Maximum aus ihrer Mannschaft herausgeholt und Bamberg in den direkten Duellen wehgetan haben. Letztlich macht der Belgier Moors das Rennen und unterschreibt für zwei Jahre. Bereits einige Wochen zuvor wurde Antwerpens Sportdirektor, Leo De Rycke, für drei Jahre nach Bamberg geholt. Der dritte Ex-Antwerpener folgt auf dem Fuß: Aufbauspieler Paris Lee. Moors und De Rycke treiben im Sommer den neuerlichen Umbruch voran: Nur das Quartett Elias Harris, Bryce Taylor, Louis Olinde und Maurice Stuckey bleibt aus der Vorsaison übrig.

28. Januar 2020: Brose Bamberg verliert mit 75:78 bei Peristeri BC und muss sich nach der Gruppenphase aus der Champions League verabschieden: Das erste Saisonziel wird klar verpasst. Auch in der Bundesliga ist Brose nur Mittelmaß, die Play-offs sind in Gefahr. Bamberg fehlen eine klare Spielidee, die Konstanz über 40 Minuten und ein Go-to-Guy, der in den Schlussminuten die Nerven behält. Die Nachverpflichtungen Retin Obasohan und Darion Atkins erweisen sich letztlich nicht als die erhofften fehlenden Puzzleteile.

6. März 2020: Die Bamberger gewinnen das wichtige Frankenderby in Würzburg und behaupten ihren Play-off-Platz. Der in den vergangenen Wochen immer stärker in die Kritik geratene und mitunter hilflos wirkende Moors darf vorerst weitermachen. Was nach Spielschluss noch keiner weiß: Es ist vorerst das letzte Pflichtspiel, die Saison wird aufgrund der Corona-Krise pausiert.

27. April 2020: Die Basketball-Bundesliga beschließt, die Saison mit zehn Mannschaften in Turnierform zu beenden. Nachdem sich Brose-Geschäftsführer Dirks zuvor öffentlich klar gegen eine Saisonfortsetzung ausgesprochen hatte, nimmt Bamberg etwas überraschend am Finalturnier teil. Angeführt wird das Team in München von Kapitän Elias Harris, der zuvor beim Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek in Ungnade gefallen war. Laut Vereinsmitteilung ist der 30-Jährige als einziger Spieler nicht bereit, auf 50 Prozent seines Gehalts zu verzichten. Auf ihre Gesellschafteranteile will die Brose-Unternehmensgruppe Mitte Mai verzichten, ehe nach unruhigen Tagen die Kehrtwende folgt: Brose bleibt Mehrheitsgesellschafter der Bamberger Basketball-GmbH.

20. Juni 2020: Nach zwei Niederlagen im Viertelfinale gegen Oldenburg ist die Saison für Brose beendet. Nach einer starken Auftaktpartie gegen den späteren Meister Alba Berlin verfällt das fragile Bamberger Team in alte Muster und lässt am Saisonende jegliche Konstanz und Eingespieltheit vermissen.

23. Juni 2020: Nach einem Jahr und drei Tagen ist das Kapitel Roel Moors in Bamberg beendet. Die Entlassung des Belgiers ist nur der erste Stein des neuerlichen Umbaus. Zwei Wochen später gibt der Klub die Beendigung der Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Arne Dirks bekannt - "aus persönlichen Gründen". Vom spielenden Personal bleiben nur Christian Sengfelder, Mateo Seric, Nelson Weidemann, Moritz Plescher und Bryce Taylor übrig - wobei der Verbleib von Letzterem noch nicht gesichert ist.

27. Juli 2020: 56 Wochen hält sich Leo De Rycke in Bamberg, dann muss auch der dritte Sportdirektor der vergangenen drei Jahre gehen.