Das Finalturnier um die deutsche Basketball-Meisterschaft wirft seine Schatten voraus. In genau einer Woche steht für Brose Bamberg gegen Alba Berlin das erste von maximal zehn Spielen im Münchner Audi Dome auf dem Programm. Brose-Trainer Roel Moors gibt im Interview einen Einblick in die Vorbereitung auf das Turnier und sagt, was er vom Corona-bedingten Format hält: "Ein Spiel ohne Publikum ist immer noch besser als gar kein Spiel."

In welchem Fitnesszustand waren die Spieler, als wieder mit dem Mannschaftstraining begonnen werden durfte?

Roel Moors: Ich bin überrascht, wie fit sie sind. Ihre Kondition ist natürlich nicht ideal, aber gut. Alle Spieler haben ja auch ein Fitnessprogramm von unserem Athletiktrainer Sandro Bencardino mit nach Hause bekommen. Die US-Spieler haben zwar alle geglaubt, dass die Saison für sie zu Ende ist. Aber sie sind Profis und müssen von daher immer etwas machen. Jeder von ihnen hat seine Arbeit erledigt.

Was sind die Schwerpunkte im Training? Die Vorbereitungszeit auf das Turnier ist mit gerade mal zwei Wochen recht kurz.

Alle im Trainerstab tun alles, um die Mannschaft physisch und taktisch bestmöglich vorzubereiten.Wir wollen wettbewerbsfähig sein, aber es ist auch meine Verantwortung, das Risiko zu minimieren, dass sich jemand verletzt. Daher trainieren wir zwar sehr intensiv, aber nur einmal am Tag. Das gibt den Spielern mehr Zeit zur Regeneration.Wir arbeiten viel an Details und Dingen, die wir anders machen wollen.

Was genau wollen Sie ändern?

Ich hatte viel Zeit, um alle unsere Spiele in dieser Saison noch einmal anzuschauen. Wir haben viele verloren, die wir nie hätten verlieren dürfen. Ein großes Problem war, dass wir keinen Spieler hatten, der am Ende einer Partie den Ball haben wollte. Mit Jordan Crawford haben wir jetzt so einen Spieler. Das haben wir in der Partie gegen Würzburg gesehen. Außerdem hatten wir ein Problem mit unserem Rhythmus. Im vierten Viertel haben wir oft zu langsam gespielt. Das müssen wir besser machen. Wir werden den Fokus auf ein schnelles Spiel legen und wollen auch noch einen Tick aggressiver sein.

Sie haben es angedeutet. Der nachverpflichtete Jordan Crawford hat beim letzten Spiel vor der Corona-Unterbrechung in Würzburg mit seinen 23 Punkten gezeigt, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Welche Rolle soll er übernehmen?

Ganz einfach, er muss scoren. Wenn ich auf das Spiel gegen Würzburg zurückblicke, sehe ich aber auch, dass er durch seine Präsenz seinen Mitspielern Freiräume verschafft. Außerdem bringt er sehr viel Erfahrung mit und muss daher auch ein bisschen der Anführer sein.

Beim Finalturnier in München absolviert Ihre Mannschaft alle zwei Tage ein Spiel. Welchen Einfluss hat das auf das Coaching?

Ich werde häufiger wechseln. Aber das werden alle Mannschaften tun.

Welche Atmosphäre wird bei den Geisterspielen im Audi Dome herrschen?

Das wird natürlich nicht einfach, weil wir alle lieber vor Publikum spielen wollen. Aber die Situation ist nun einmal so, wie sie ist, und das müssen wir akzeptieren. Für mich persönlich ist ein Spiel ohne Publikum immer noch besser als gar kein Spiel. Für die Spieler dürfte es sich ein bisschen wie ein Vorbereitungsspiel vor Saisonbeginn anfühlen. Aber der große Unterschied ist, dass das Ergebnis sehr wichtig ist. Die größte Gefahr ist, dass die Spieler in die Partie gehen wie in ein Vorbereitungsspiel. Mein Job als Trainer ist es, ihnen gleich zu Beginn klarzumachen, dass es ein echtes Spiel ist, in dem es um sehr viel geht.

Hätten Sie die Saison lieber abgebrochen, oder befürworten Sie den Neustart mit Geisterspielen?

Ich liebe ganz einfach den Wettbewerb, von daher bin ich sehr zufrieden, dass die Saison weitergeht. Aufgrund der hohen Sicherheitsauflagen der BBL bin ich mir sicher, dass wir die Saison gut zu Ende bringen können.

Was halten Sie vom Format der Mini-Play-offs mit Hin- und Rückspiel?

Das ist das bestmögliche Schema für diese Situation. Du weißt, dass es nur zwei Spiele gibt und die Serie nicht über fünf Spiele gehen kann. Das heißt, niemand muss auf seinen nächsten Gegner warten.

Mit Louis Olinde und Bryce Taylor fehlen zwei Spieler verletzungsbedingt. Warum wurde nicht nachverpflichtet?

Das war eine Entscheidung des Vereins, aber ich glaube, mit den jungen Spielern aus Baunach haben wir genug Leute im Kader. Immerhin haben wir 13 Spieler zur Verfügung, andere Vereine haben diesen Luxus nicht.

War es auch die Entscheidung des Vereins, auf Darion Atkins zu verzichten?

Ja, aber auch meine. Wir hätten mit ihm sieben Ausländer im Team, von dem immer einer aussetzen müsste. Das ist bei so einem Turnier nicht einfach.Wir wollen eine positive Atmosphäre im Team haben, das geht nicht, wenn immer einer dabei ist, der nicht spielen darf.

Mit welchen Zielen gehen Sie in das Finalturnier?

Es ist ein spezielles Format, das macht Vorhersagen schwierig. Wir hatten zwei schwere Spiele gegen Berlin in dieser Saison, aber gegen die anderen Mannschaften in unserer Gruppe sind wir wettbewerbsfähig, glaube ich.