Die Nachricht, die Brose Bamberg am Freitagvormittag als Pressemitteilung verschickte, schlug ein wie eine Bombe, war aber nicht so dramatisch, wie sie auf den ersten Blick wirkte: Brose steigt beim neunfachen deutschen Basketball-Meister aus - doch nur als Alleingesellschafter. Der Coburger Automobilzulieferer bleibt der Mitteilung zu Folge weiterhin Haupt- und Namenssponsor. "Hierfür stellt das Unternehmen gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern auch in den kommenden drei Spielzeiten einen Betrag zur Verfügung, der an der Spitze des Sponsorings in der Basketball-Bundesliga liegt", hieß es.

Die Verantwortung für den Bamberger Bundesligaverein mit seinen rund 50 Angestellten möchte Brose aber nun anderen übergeben. Das Coburger Familienunternehmen zieht sich zum 30. Juni als Alleingesellschafter aus der Bamberger Basketball GmbH, unter der die Korbjäger firmieren, zurück. "Die massiven Veränderungen in der Automobilindustrie, verstärkt durch die Nachfrageeinbrüche als Folge der Coronavirus-Maßnahmen, haben bei der Brose-Unternehmensgruppe zu erheblichen Ergebniseinbrüchen geführt. Deshalb muss Brose seine weltweiten Sponsoringaktivitäten deutlich reduzieren. Betroffen davon ist natürlich auch die größte Einzelposition, der Bamberger Basketball. Der Betrieb einer Profisportorganisation gehört nicht zu den Kernaufgaben eines Automobilzulieferers", begründete Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Brose die Entscheidung, als Gesellschafter aus der Bamberger Basketball GmbH auszuscheiden. Völlig überraschend kam diese Entscheidung nicht, da Brose bereits im vergangenen Dezember angekündigt hatte, seine Sponsoringaktivitäten, insbesondere im Sport, auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Das Coburger Familienunternehmen stieg im Jahr 2000 zunächst als finanzieller Unterstützer bei den Bamberger Bundesliga-Basketballern ein. 2006 wurde es Haupt- und Namenssponsor und stieg als Gesellschafter ein. Seit 2016 ist die Bamberger Basketball GmbH als Alleingesellschafter eine hundertprozentige Tochterunternehmen der Brose-Unternehmensgruppe.

Mit ihrem Rückzug will die Brose-Gruppe den Weg frei machen für neue Gesellschafter, die nach Willen des Unternehmens aus der näheren Umgebung kommen sollen. So solle der regionale Bezug des Bamberger Basketballs, wie in früheren Jahren, hergestellt werden. Wegen der außerordentlichen Bedeutung des Basketballsports für den Bekanntheitsgrad und die Finanzkraft der Stadt Bamberg habe Oberbürgermeister Andreas Starke die Koordination des Gesellschafterwechsels übernommen. Unterstützt werde er dabei von Stoschek und dem Basketball-Geschäftsführer Arne Dirks.

Starke dankt Stoschek

"Wir sind zuversichtlich, eine nachhaltige und gute Lösung für den Bamberger Basketball zu finden, möglichst aus der Region und aus der Bamberger Basketballfamilie heraus", teilte Oberbürgermeister Starke auf Anfrage mit. Die gesamte Verwaltungsspitze sei eingebunden, ihn dabei zu unterstützen.

Starke bedankte sich "von Herzen für das langjährige und äußerst erfolgreiche Engagement von Michael Stoschek und der Firma Brose für den Bamberger Basketball. Ohne Michael Stoschek hätte es die nationalen und internationalen Erfolge nicht gegeben. Bamberg hat enorm vom Basketball profitiert."

Kommentar: Stoschek drückt wieder den Reset-Knopf

Mit 14 Titeln ist Bayer Leverkusen deutscher Rekordmeister. Doch der einstige Serienmeister spielt seit dem Ausstieg des Haupt- und Namenssponsors im Jahr 2007 keine Rolle mehr im deutschen Spitzenbasketball. Droht den Bamberger Korbjägern, dem erfolgreichsten Team der vergangenen 15 Jahre, nun ein ähnliches Schicksal wie seinerzeit den Riesen vom Rhein?

Ihre Vorherrschaft in der zurückliegenden Dekade haben die Basketballer von der Regnitz hauptsächlich dem großzügigen finanziellen Engagement der Firma Brose und nicht zuletzt dessen Chef Michael Stoschek zu verdanken. Da der fränkische Automobilzulieferer aber vorerst weiterhin Haupt- und Namenssponsor bleiben will, ist der Bundesliga-Standort Bamberg aktuell wohl nicht in Gefahr. Insofern ist die Bereitschaft von Brose, Verantwortung abzugeben, eine große Chance für den Bamberger Basketball, sich wieder breiter aufzustellen für den Fall, dass das Unternehmen eines Tages auch sein Sponsoring beenden sollte.

Stoschek hat abermals den Reset-Knopf gedrückt. Den Verein zwei Jahre nach der sportlichen Neuausrichtung nun auch strukturell völlig neu aufzustellen, ist in Zeiten von Corona aber eine weitaus größere Herausforderung.