Die überrraschende 80:81-Pleite in Gießen schlug Bambergs Trainer Andrea Trinchieri kräftig aufs Gemüt. Am liebsten hätte der Meistermacher den Bundesliga-Aufsteiger zum Euroleague-Auftakt nach Spanien geschickt: "Sie haben exzellent gespielt, eigentlich müssten sie nach Malaga fliegen", lobte der Italiener am Sonntag die Mittelhessen. Inzwischen ist die Wut des impulsiven 47-Jährigen etwas verraucht. Am Mittwoch machte er sich mit seinem Team auf den Weg nach Andalusien, wo der Brose-Tross bei spätsommerlichen Temperaturen von 25 Grad an der Costa del Sol landetete.

Das ist aber sicher die einzige Annehmlichkeit, die den deutschen Meister erwartet: Am Donnerstag (20.45 Uhr/live bei telekombasketball.de) bläst den Brose Baskets im Palacio de Deportes José María Martín Carpena ein kräftiger Wind entgegen. Denn der Dauergast in der Königsklasse will sein Heimspiel gegen die Bamberger unbedingt gewinnen.


Spanier spielen sehr schnell

Bereits sechs Mal standen sich Unicaja und die Brose Baskets in der Euroleague gegenüber, wobei sich in den durchwegs spannenden Spielen fünf Mal die Gäste durchsetzten. Um den dritten Erfolg in Malaga zu feiern, muss es den Brose Baskets vor allem gelingen, die Schnellangriffe von Unicaja zu stoppen.

Bambergs erfahrenster Euroleaguespieler Nikos Zisis (229 Einsätze in der Königsklasse) kennt den Spielstil von Trainer Joan Plaza genau: "Sie haben natürlich ihre spezifischen Taktiken im Angriff und in der Verteidigung, aber vor allem spielen sie sehr schnell und versuchen im Fastbreak leichte Körbe zu erzielen. Dabei versuchen sie, dich aus deinem Rhythmus und deinen Systemen zu bringen."


Baiesi schwärmt von Malaga

"Malaga hat ein sehr athletisches und sehr vielseitiges Team. Sie verfügen über echte Superathleten wie Nemanja Nedovic oder Fran Vasequez, sehr gute Shooter wie den in Bamberg bekannten Jamar Smith oder Mindaugas Kuzminskas. Sie haben mit Stefan Markovic einen harten Point Guard und mit Alberto Diaz einen sehr guten und oft unterschätzten Verteidiger. Der weit herumgekommene Richard Hendrix gibt ihnen Masse", schwärmt Sportdirektor Baiesi von den "vielen, vielen Möglichkeiten" der Spanier.

Allerdings sind auch sie noch nicht in Bestform. Im ersten Spiel der spanischen ACB in Murcia setzte sich Malaga erst zwei Sekunden vor Schluss durch ein Vasquez-Dunking mit 60:58 durch und feierte den ersten Saisonsieg.


Nicolo Melli: Es wird nicht einfach, Malaga zu schlagen

Nicolo Melli ist zwar erst 24 Jahre alt, startet am Donnerstag in Malaga aber bereits in seine sechste Saison in der Euroleague, wo er 82 Spiele absolvierte. Der 2,05 Meter große Italiener ist somit neben Nikos Zisis der erfahrenste Bamberger Spieler in der Königsklasse. Hier ein Interview mit dem Power Forward.

Nach fünf Jahren in Mailand spielen Sie nun für die Brose Baskets. Mit welchen Erwartungen gehen sie in ihre sechste Saison auf europäischem Top-Niveau?
Nicolo Melli: Jedes Jahr ist anders - dieses Jahr ganz besonders. Es ist eine ganz neue Erfahrung. Ich weiß, was die Euroleague bedeutet, aber ich spiele in einer anderen Mannschaft, in einem anderen Land, habe eine andere Rolle. Das wird spannend, aber ich freue mich auf den Start.

Welche Rolle hat der Trainer Ihnen zugedacht?
Meine Aufgabe ist es, der Mannschaft zu helfen, deshalb bin ich hier. Ich bin zwar jung, aber nach fünf Spielzeiten habe ich ein bisschen Erfahrung in der Euroleague. Deshalb werde ich versuchen, der Mannschaft zu helfen, sich auf diese Herausforderung vorzubereiten.

Ist die Niederlage in Gießen bereits verdaut?
Sie gibt uns auf jeden Fall eine extra Motivation, ein sehr gutes Spiel in Malaga abzuliefern. Aber Spiele in der Euroleague - und vor allem auswärts - sind nicht einfach. Ich kann zwar nicht sagen, wie die Partie laufen wird, aber ich kann versichern, dass wir bereit sein werden. Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben. Und wir fahren sicher nicht dahin, um zu verlieren.

Wie schätzen Sie die Gegner in der Gruppe ein?
Malaga hat jedes Jahr eine starke Mannschaft. ZSKA Moskau ist sicher das beste Team in der Gruppe. Aber auch Maccabi ist sehr stark. Darussafaka Istanbul hat eine brandneue Mannschaft. Und dann ist da noch Sassari, die kenne ich aus der letzten Saison in Italien sehr gut. Das ist ein sehr talentiertes Team. Die Gruppe ist sehr ausgeglichen besetzt, aber ich denke, wir haben eine Chance weiterzukommen. Es gibt keine Mannschaft, die zwei oder drei Schritte hinter den anderen ist. Wir sind hier, um die Top 16 zu erreichen.

Ist es ein Vor- oder Nachteil, die erste Partie auswärts bestreiten zu müssen?
Es ist nicht einfach, die erste Partie zu Hause zu spielen. Der gesamte Druck liegt auf der Heimmannschaft. Aber auf der anderen Seite ist es in der Euroleague ungeheuer schwierig, auswärts zu spielen. Das erste Spiel in der Euroleague ist für beide Seiten schwierig. Aber ich denke, Malaga ist ein bisschen mehr unter Druck als wir.

Malaga hat in den letzten 14 Jahren 13 Mal die Top-16-Runde erreicht. Was ist möglich für die Brose Baskets?
Malaga ist ein großes Team in Europa. Eine Mannschaft mit viel Tradition. Sie wissen, was in der Euroleague wichtig ist. Sie verfügen über große Erfahrung. Es wird nicht einfach, Malaga zu schlagen.


Malagas Coach Joan Plaza peilt einen Heimsieg an

Unicaja Malaga hat in der Hammergruppe D genauso wie die Brose Baskets das Ziel, sich einen Platz unter den ersten vier zu sichern, um in die zweite Gruppenphase einzuziehen. Der Mannschaft von Trainer Joan Plaza war in den letzten zehn Jahren immer in der Top-16-Runde dabei. "ZSKA und Maccabi braucht man nicht vorzustellen. Sie können zwei der vier Plätze im Top Four belegen. Für uns geht es darum, den dritten oder vierten Platz zu sichern. Darussafaka ist eine Mannschaft mit großen Möglichkeiten und hat sich viele Spieler von Fenerbahce, Efes und anderen geholt.

Es wird schwer werden, sie zu schlagen. Bamberg hat Alba Berlin hinter sich gelassen und Bayern München bezwungen, das zeigt, über welche Möglichkeiten sie verfügen. Aber wir dürfen auch Sassari nicht vergessen. Sie besiegten im Finale Mailand, ein Team mit viel Tradition. Zwischen diesen vier Mannschaften wird es einen harten Kampf geben. Wir müssen uns vor allem auf unsere Heimspiele konzentrieren", beurteilt Plaza das Rennen um die beiden Top-16-Plätze hinter den haushohen Favoriten aus Moskau und Tel Aviv.