Die Tabelle lügt nicht. Die Basketballer von Brose Bamberg liegen nach 16 von 32 Hauptrundenspielen in der Bundesliga als Tabellenneunter außerhalb der Play-off-Ränge, weil sie gegen sieben der acht vor ihnen platzierten Mannschaften verloren haben. Nur gegen den Tabellenzweiten MHP Riesen Ludwigsburg sprang ein Sieg heraus. Die übrigen sieben Erfolge feierten die Bamberger allesamt gegen Teams aus der zweiten Tabellenhälfte.

Nach dem Hinrundenende weist die Mannschaft von Trainer Roel Moors mit 18:14 Punkten zwar ein positives Punktekonto auf, für einen angestrebten sicheren Play-off-Rang reicht das aber nicht. Tabellenplatz 9 ist nicht der Anspruch des früheren Serienmeisters, der personelle Umbruch fällt schwerer als erwartet. Davon zeugt auch das Scheitern in der Vorrunde der Champions League. Beim zu Saisonbeginn neu formierten Team mit zunächst acht Neuzugängen greift noch längst nicht ein Rädchen ins andere - daran konnten auch die beiden Nachverpflichtungen Retin Obasohan und Darion Atkins nichts ändern.

Schwächen in der Schlussphase

Ein Grund für die holprige Hinrunde in der Bundesliga ist die negative Heimbilanz. Die Brose-Arena, die früher als uneinnehmbare Festung galt, hat beim Gegner ihren Schrecken verloren. Nur drei Heimsiege gelangen dem Moors-Team bislang, fünfmal ging es als Verlierer vom Parkett. Besonders ärgerlich waren die Niederlagen gegen Ulm, Würzburg und Vechta, in denen die Bamberger mit einer Führung ins letzte Viertel gegangen waren, diese aber verspielten. Schwächen in der Schlussphase kosteten den Bambergern auch in den Champions-League-Partien gegen Nymburk sowie in Nischni Nowgorod, Bar und jüngst in Peristeri den Sieg.

Moors stellte daher zurecht fest: "Wir haben viele Spiele, die wir gut starten, aber am Ende fehlt es an Konzentration. Das müssen wir schnellstens abstellen." Der 94:85-Sieg zum Hinrundenende in Braunschweig am vergangenen Wochenende schien ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, dem aber prompt ein Rückschlag in Peristeri folgte.

Der Erfolg bei den Niedersachsen hatte einen Hinweis darauf gegeben, was die Trendwende auslösen könnte. Sechs Bamberger punkteten in Braunschweig zweistellig. Zu selten überzeugten sie bislang aber als Kollektiv. Zwar ragten Retin Obasohan, Kameron Taylor, Tré McLean oder Bryce Taylor in einigen Partien heraus, tauchten dann aber auch schnell wieder ab.

Nur zwei punkten zweistellig

Kein Wunder daher, dass bei den Bambergern mit Assem Marei (12,7) und Christian Sengfelder (10,9) nur zwei Spieler einen zweistelligen Punkteschnitt aufweisen. Anführer ihres Teams sind diese beiden aber nicht. Der ägyptische Center Marei steht in umkämpften Schlussphasen aufgrund seiner Freiwurfschwäche (Trefferquote 51 Prozent) kaum auf dem Feld, Sengfelder scheint für diese Rolle anscheinend nicht vorgesehen, nur wenige Systeme sind auf ihn zugeschnitten. Die Nachverpflichtungen Obasohan und Atkins sind lediglich Rollenspieler. Atkins bleibt noch den Nachweis schuldig für den Grund, warum er geholt wurde: ein großer Spieler zu sein, der auch von außen werfen kann.

Mit guter Verteidigung und Reboundarbeit trägt Atkins aber dazu bei, dass die Bamberger in diesen beiden Bereichen des Spiels zu den besseren Mannschaften der Bundesliga gehören. Mit 77,6 Punkten, die sie ihrem Gegner im Schnitt lediglich gestatten, sind sie hinter Bayern München die zweitbeste Mannschaft. In der Vorsaison hatten die Brose-Basketballer noch acht Punkte mehr pro Partie kassiert. In der Reboundstatistik rangieren sie auf Platz 3, wobei sie das beste Bundesligateam beim Defensivrebound stellen.

Obwohl der Abstand zum Tabellenvierten EWE Baskets Oldenburg nur zwei Punkte beträgt, lässt der Spielplan in der Rückrunde erahnen, dass der Einzug in die Play-offs für die Bamberger kein Spaziergang werden wird. Mit München, Ludwigsburg und Berlin müssen die Bamberger bei den drei Erstplatzierten antreten, bei denen die Trauben sehr hoch hängen. Zudem liegt in den Partien gegen die in der Tabelle direkt vor ihnen platzierten Teams aus Vechta, Würzburg und Ulm der Heimvorteil beim Gegner.

Doch müssen im zweiten Saisonabschnitt auch Siege über besser platzierte Mannschaften her, sonst droht der einstige Serienmeister die Play-offs zum ersten Mal seit 19 Jahren zu verpassen.

Blick nach Westen und Osten

Dank vier Siegen in den vergangenen fünf Spielen ist s.Oliver Würzburg als Tabellensiebter zur Saisonhalbzeit das beste der drei fränkischen Teams in der Basketball-Bundesliga. Die Unterfranken um ihr korbgefährliches Guard-Trio Cameron Wells (17,1 Punkte im Schnitt), Skyler Bowlin (11,7) und Jordan Hulls (11,4) haben im Vergleich zu den Vorjahren mit Center Luke Fischer (11,9/5,2 Rebounds) und Power Forward Junior Etou (10,1/4,3) auch am Brett zwei gefährliche Waffen. Größte Stärke der Würzburger ist aber der Distanzwurf. Mit 40,6 Prozent weisen sie die drittbeste Dreierquote in der Bundesliga auf. Mit bereits vier Auswärtssiegen (bei drei Niederlagen) tritt die Mannschaft von Trainer Denis Wucherer auch in fremder Halle gefestigt auf und darf sich daher Hoffungen machen, nach zwei Jahren wieder einmal in die Play-offs einzuziehen, die sie in den vergangenen beiden Spielzeiten als Tabellenneunter jeweils nur knapp verpasst haben. Mit einem Überraschungssieg hat Medi Bayreuth die Hinrunde beendet. Beim 86:75-Erfolg gegen den Eurocup-Teilnehmer EWE Baskets Oldenburg gelang der Mannschaft von Trainer Raoul Korner der erste Sieg über ein Spitzenteam der Bundesliga. Nach einem völlig missratenen Saisonstart mit vier Niederlagen in Folge und dem Aus schon in der ersten Pokalrunde beim Mitteldeutschen BC ist die Welt in Bayreuth damit wieder in Ordnung. Mit nur vier Punkten Rückstand auf einen Play-off-Rang und Platz 11 zur Saisonhalbzeit ist das Medi-Team im Soll. Herz und Kopf der Mannschaft sowie Publikumsliebling in der Oberfrankenhalle ist Nate Linhart. Der Ende Oktober vergangenen Jahres zurückgekehrte 33-Jährige hat dem Bayreuther Team die zu Saisonbeginn noch fehlende Stabilität verliehen. Neun Punkte, 4,6 Rebounds und 3,8 Assists unterstreichen die Vielseitigkeit des routinierten US-Amerikaners.