Den Status quo bezeichnet Lochmann dagegen als "Talente-Vernichtungsmaschine". Deshalb ist es für ihn nur eine Frage der Zeit, wann das Drei-gegen-drei verpflichtend eingeführt wird.
Gute Erfahrungen in Heroldsbach
Bernd Bergner ist ehemaliger Vorsitzender der SpVgg/DJK Heroldsbach/Thurn (Landkreis Forchheim) und hat mehrere Jahre G- und F-Juniorenteams trainiert. Mit dem herkömmlichen Spielsystem hatte Bergner viele Probleme. Vor allem die Frage, welches Kind er in das große Tor stellen solle, beschäftigte ihn. "Die Kinder haben oft geweint, weil sie keine Chance hatten, einen Ball zu halten", erzählt Bergner.
Um den Kindern gleich viel Spielzeit zu geben, stand er mit der Stoppuhr am Spielfeldrand. Ein stressiges Unterfangen. Dazu kamen Anweisungen, um die Kinder auf dem Spielfeld zu steuern. Meist vergebens. "Der Größte hat den Ball geführt und und um ihn hat sich eine Spielertraube gebildet", sagt Bergner. Im Jahr 2016 nahm er erstmals mit einer Mannschaft an einem Funino-Turnier teil und hat diese Spielform anschließend in Heroldsbach eingeführt - und die Probleme lösten sich. "Ich habe beim Spiel bisher kein Kind weinen sehen, außer es war verletzt", sagt Bergner.
Knapp 50 Kinder sind in der Heroldsbacher G- und F-Jugend aktiv. Der Zulauf sei enorm, die Eltern begeistert. Bergner rät anderen Vereine: "Einfach ausprobieren. Es tut nicht weh. Für etwa 350 Euro hat sich die SpVgg acht Minitore angeschafft. Kleinfeldtore sind ja deutlich teurer." Das Einzige, was bisher gefehlt habe, war die Unterstützung des Verbandes - und das hat sich jetzt geändert.
Funino-Experte räumt Bedenken aus
Das Spielsystem Drei-gegen-drei stellt Vereine vor Herausforderungen: Wie kann die Betreuung der Talente bei einem Turnier gewährleistet werden? Welche Kosten kommen auf die Vereine zu? Die Fragen beantwortet Funino-Experte Matthias Lochmann:
Finanzierung "Kein Verein muss sich 32 Tore kaufen. Jeder teilnehmende Verein bringt pro gemeldeter Mannschaft zwei Tore mit und baut diese zu Beginn selbst am Spielfeld auf. So tragen alle Teilnehmer zum Gelingen eines Turniers bei. In den Pilotregionen funktioniert das einwandfrei."
Betreuung "Die Trainer sind bei einem Spiel mehr als Aufpasser gefordert und weniger in ihrer eigentlichen Funktion. Die Kinder brauchen keine Anweisungen. Es reicht daher aus, die Regeln zu überwachen. Das kann auch jemand machen, der keine Ahnung von Fußball hat. Oft sind auch Eltern mit dabei, bei denen die Bereitschaft, die Aufsicht zu übernehmen, groß ist. "
Funino: So funktioniert das Drei-gegen-Drei auf vier Tore
Die Idee des Funino ist nicht neu. Sie geht auf Horst Wein zurück, der Anfang der 1980er Jahre das kindgerechte Training entwickelte. Wein war Hockeynationalspieler und Trainer der deutschen und spanischen Auswahl. Das Konzept übertrug er später auf den Fußball. Ziel des Funino ist es, die Entwicklung der Spielintelligenz bei Kindern zu schulen.
Die klassische Variante wird im Drei-gegen-drei auf vier Minitore gespielt. In kleinen Teams ist jeder Spieler permanent ins Spiel eingebunden, niemand wird mit zu komplexen Spielsituationen überfordert.
Das Spielfeld ist 25 mal 30 Meter groß. Auf den beiden Grundlinien befinden sich jeweils zwei Minitore. Der Abstand dazwischen beträgt zwölf Meter. Durch diese Anordnung lernen die Kinder die Spielverlagerung, das Spiel in die Breite zu ziehen und Angriffe über außen zu forcieren. Die Kinder müssen in jeder Situation aufs Neue bewerten, auf welches Tor ein Angriff sinnvoller erscheint.
Eine Mannschaft besteht aus drei Feld- und einem Auswechselspieler. Nach jedem Treffer wird im Rotationsprinzip gewechselt. Fällt kein Treffer, wird spätestens nach zwei Minuten gewechselt. So erhalten alle Kinder gleich viel Einsatzzeit.
Zudem gibt es eine sechs Meter von der Grundlinie entfernte Schusszone. Treffer außerhalb der Zone zählen nicht.Fällt ein Treffer, gibt es ein Foul, oder geht der Ball im Seitenaus, wird das Spiel mit einem Dribbling fortgesetzt. Einen Schiedsrichter gibt es nicht. Die Kinder sollen selbst entscheiden, was ein Foul ist und was nicht. Ein Erwachsener überwacht die Einhaltung der Regeln, als Trainer ist dieser nicht gefordert. Die Kinder sollen ohne Anweisungen auskommen. Funino ist in mehr als 50 Varianten spielbar. Eine weitere Variante schult die Strafraumbeherrschung des Torwartspiels. Pro Partie gibt es einen festen Torspieler, der in der Schusszone den Ball in die Hand nehmen darf und ansonsten als Feldspieler agiert.