Der Favorit wankte, aber auch die Bamberger Brose-Basketballer brachten ihn nicht zum Fallen. Der deutsche Meister FC Bayern München erwies sich im Topspiel kurz vor dem Jahreswechsel einen Tick cleverer als der Pokalsieger und feierte mit dem 82:76-Erfolg den 13. Sieg im 13. Bundesligaspiel. Lange Zeit waren die Oberfranken auf Augenhöhe mit dem Euroleagueteam, aber eine Schwächephase im letzten Viertel brachte sie wieder einmal um den Sieg.

"Wir haben gekämpft bis zum Schluss. Aber wir müssen über 40 Minuten konstant spielen, das haben wir wieder nicht hinbekommen", meinte Brose-Kapitän Elias Harris. Beim Stand von 61:64 nach dem dritten Viertel war noch alles offen, doch im Schlussabschnitt vergaben die Hausherren viele Würfe. Lag ihre Trefferquote bis zu diesem Zeitpunkt noch bei 54 Prozent, fanden im letzten Abschnitt nur noch sechs Würfe bei 19 Versuchen ihr Ziel (31 Prozent). "Wir hatten heute kein Wurfglück, aber haben weiter geworfen, das war vielleicht nicht das richtige Mittel", monierte Brose-Coach Roel Moors.

Vor allem an der Dreierlinie erwiesen sich die Bayern als treffsicherer. Während auf Bamberger Seite nur der starke Paris Lee (23 Punkte/8 Assists) mit vier Treffern aus der Distanz Gefahr ausstrahlte, lag die Dreierquote bei den Münchnern bei guten 41 Prozent (Bamberg 23).

Hinzu kam, dass die Gäste viel Drang zum Korb entwickelten und oft nur durch Fouls gestoppt werden konnten. 13 ihrer 18 Punkte im letzten Viertel resultieren aus Freiwürfen, insgesamt hatten sie 17 mehr als die Hausherren. "Wir hätten im Foulmanagement und bei den Ballverlusten besser sein müssen", klagte Christian Sengfelder (12 Punkte). Acht der insgesamt 20 Turnover unterliefen den Bambergern im Schlussabschnitt. Sie waren ein weiteres Manko, das zur Niederlage gegen keinesfalls übermächtige Bayern, die schon nach 46 Sekunden den Ausfall von Nationalspieler Danilo Barthel (Rückenprobleme) zu verkraften hatten, führte.

15 Bamberger Offensivrebounds

Die Münchner präsentierten sich nach der ernüchternden Euroleague-Niederlage gegen Zalgiris Kaunas (73:98) zwar formverbessert, mussten aber dennoch hart um den Sieg kämpfen. Denn die Bamberger gaben keinen Ball verloren, holten zehn Offensivrebounds mehr als der Gegner (5) und verteidigten zumindest drei Viertel lang leidenschaftlich. Bayern-Center Greg Monroe, der 18 seiner 20 Punkte in der ersten Halbzeit erzielte, bekamen sie aber erst nach der Pause in den Griff. Vladimir Lucic war mit zwölf seiner 18 Punkte in Durchgang 2 derjenige, der den Meister in der Offensive trug. Der Serbe glänzte mit einer hundertprozentigen Trefferquote sowohl aus dem Feld (vier von vier) als auch an der Freiwurflinie (neun von neun). "Vor diesen großartigen Fans hier in Bamberg ist es nicht einfach. Ich denke aber, dass wir das gut gemacht haben", meinte Lucic nach dem Sieg in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Brose-Arena, mit dem die Münchner die Bilanz im bayerischen Duell ausglichen. Für beide Teams stehen im "ewigen Vergleich" jetzt 21 Siege zu Buche. Neun der letzten zehn Partien gingen jedoch an die Bayern.

Die fünfte Niederlage im Südgipfel in Folge wäre vermeidbar gewesen, wenn alle Bamberger zumindest Normalform gezeigt hätten. Die Gastgeber hatten jedoch mit Tré McLean (2 Punkte), Retin Obasohan und Darion Atkins (beide 0) drei Importspieler in ihren Reihen, von denen keinerlei Gefahr ausging. Der erst in der vergangenen Woche verpflichtete Atkins wirkte wie ein Fremdkörper. Moors gab zu: "Wir brauchen mehr Leute, die das Selbstvertrauen haben, auch gegen ein solch hochkarätiges Team zu bestehen." Vielleicht hätte auch der Trainer mutiger sein können, und Nelson Weidemann den Vorzug vor dem indisponierten Obasohan geben können. Die Bayern-Leihgabe stand nur 3:19 Minuten auf dem Parkett, mit Mateo Seric durfte ein weiteres Talent gar nicht ran. Dabei hatte Moors vor der Partie noch angemerkt, sein Team hätte in dieser Partie nichts zu verlieren.

Nach der vierten Heimniederlage in dieser Saison sind die Bamberger vom vierten auf den sechsten Tabellenplatz zurückgefallen und mit 16:10 Zählern punktgleich mit dem nächsten Gegner Crailsheim Merlins. Das Spiel gegen die Bayern zeigte Moors zwar, "dass wir mit jedem Team der Liga mithalten können", doch die Schwächen im letzten Viertel muss sein Team abstellen, um in der Tabelle nicht weiter abzurutschen.