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Basketball-Bundesliga wird zur Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die Bundesliga beschließt eine Saisonfortsetzung - allerdings werden bei einem Turnier an einem Standort nur zehn der 17 Teams teilnehmen. Brose Bamberg gehört überraschend dazu, die beiden anderen fränkischen Vertreter nicht.
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Viel Arbeit wird in den nächsten Wochen auf  Brose-Sportdirektor Leo de Rycke (links) und Geschäftsführer Arne Dirks zukommen. Daniel Löb
Viel Arbeit wird in den nächsten Wochen auf Brose-Sportdirektor Leo de Rycke (links) und Geschäftsführer Arne Dirks zukommen. Daniel Löb

Die Basketball-Bundesliga (BBL) ist zumindest für die kommenden Monate eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Die 17 BBL-Klubs haben sich am Montagnachmittag in einer rund fünfstündigen Videositzung einstimmig darauf geeinigt, die unterbrochene Saison nach Möglichkeit ordentlich zu beenden. Das Kuriose: zehn Mannschaften werden weiterspielen, für die sieben anderen Teams ist die Runde vorzeitig beendet.

Der neunfache deutsche Meister Brose Bamberg gehört zu den zehn Vereinen, die die Saison fortsetzen wollen und können, während die beiden anderen fränkischen Vertreter, Medi Bayreuth und s. Oliver Würzburg, einen Schlussstrich unter die Spielzeit 2019/20 gesetzt haben. Dafür plädierten in den vergangenen Wochen auch die Bamberger Verantwortlichen, doch das geplante Konzept der BBL, alle Spiele an einem Ort im Turniermodus auszutragen, habe Brose überzeugt und umgestimmt, so Mediendirektor Thorsten Vogt auf Nachfrage: "Wenn die Saison normal mit Geisterspielen hätte zu Ende gespielt werden sollen, wären wir weiterhin für einen Abbruch gewesen."

Neben den Bambergern streben München, Berlin, Ludwigsburg, Crailsheim, Oldenburg, Vechta, Göttingen, Ulm und Frankfurt an, die Saison fortzusetzen. Diese zehn Mannschaften würden zu einem Turnier an einem noch nicht bekannten Ort (siehe Artikel unten) zusammenkommen und den Meister in einem Turnier ausspielen. Dieses Turnier soll rund drei Wochen dauern. "Die Basketball-Bundesliga hat ein neuartiges und schlüssiges Konzept ausgearbeitet, das in sich sehr stimmig ist. Daher ist Brose Bamberg bei diesem Turnier gerne mit dabei", erklärt Arne Dirks, Geschäftsführer von Brose Bamberg. "Wir sind ein Sportunternehmen und freuen uns darauf, wenn wir die Saison sportlich zu Ende bringen können. Das alles natürlich vor dem Hintergrund, dass die Rahmenbedingungen erfüllt werden können und sowohl Politik als auch das Robert-Koch-Institut grünes Licht geben."

Wie die BBL mitteilte, müssten die behördlichen Genehmigungen für den geplanten Trainings- und Spielbetrieb sowie das diesbezügliche Sicherheitskonzept bis spätestens 18. Mai vorliegen. "DFL-Chef Christian Seifert hat am Donnerstag gesagt, der Fußball ist bereit. Ich bin zuversichtlich, dass wir das in ein paar Tagen auch sagen können", sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz der Deutschen Presse-Agentur.

US-Trio soll bald zurückkehren

Neben der Liga kommt auch auf die zehn Klubs in den nächsten Tagen jede Menge Arbeit zu. Unter anderem stellt sich die Frage, wann es allen Vereinen erlaubt ist, zumindest wieder in Kleingruppen zu trainieren - in Bayern und anderen Bundesländern ist das in einer Halle gesetzlich noch nicht möglich. Darüber hinaus müssen die Spieler, die in ihrer Heimat weilen, wieder nach Deutschland eingeflogen werden. "Wir basteln bereits daran, die Jungs nach Deutschland zurückzuholen", sagt Vogt. Geplant ist die Rückkehr der US-Amerikaner Paris Lee, Kameron Taylor und Tré McLean, die allesamt noch einen Vertrag bis 2021 besitzen. Gespräche will Brose auch mit Jordan Crawford und Darion Atkins führen, deren Verträge Ende März aufgelöst wurden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur geplanten Bundesliga-Fortsetzung

Die Basketball-Bundesliga möchte die Saison in einem Turniermodus mit zehn Mannschaften an einem Ort beenden. Das Fortsetzungskonzept steht dabei unter dem Vorbehalt der entsprechenden behördlichen Genehmigungen für den notwendigen Trainings- und Spielbetrieb, wie die Liga mitteilte. Von diesem wird auch abhängen, zu welchem Zeitpunkt die Saison in modifizierter Form fortgesetzt wird.

Welche Mannschaften würden am geplanten Turnier, den "modifizierten Play-offs", teilnehmen?

FC Bayern München (1. Platz bei Saisonunterbrechung), MHP Riesen Ludwigsburg (2.), Hakro Merlins Crailsheim (3.), Alba Berlin (4.), EWE Baskets Oldenburg (5.), Rasta Vechta (6.), Brose Bamberg (7.), BG Göttingen (9.), Ratiopharm Ulm (10.) und Fraport Skyliners (14.). Beendet ist die Spielzeit für folgende sieben Teams: s. Oliver Würzburg (8.), Basketball Löwen Braunschweig (11.), Medi Bayreuth (12.), Gießen 46ers (13.), Telekom Baskets Bonn (15.), Mitteldeutscher BC (16.) und Hamburg Towers (17.)

Wie wird die Saison gewertet?

Die sieben Klubs, die entschieden haben, nicht an dem Turnier teilzunehmen, werden in der Abschlusstabelle für die Saison 2019/2020 hinter den genannten Teams geführt, die das Turnier bestreiten. Es wird keine sportlichen Absteiger geben. Der Meister soll schließlich im Finale des Turniers ermittelt werden.

Welcher Modus ist für das Turnier vorgesehen?

Die zehn Teams, die den Spielbetrieb fortsetzen, würden zu einem Turnier an einem noch zu bestimmenden Ort zusammenkommen. Die Ergebnisse der Hauptrunde wurden gestrichen. Der Spielbetrieb geht mit modifizierten Play-offs von Neuem los. In zwei Gruppen bestehend aus je fünf Teams, spielt jede Mannschaft in einer Gruppenphase zunächst jeder gegen jeden. Anschließend wird das Viertel- und Halbfinale sowie das Finale über Kreuz in einem angepassten Play-off-Modus ausgetragen. Das Turnier soll drei Wochen dauern. Vorbereitungs- und Trainingszeiten werden einkalkuliert. Bis zum 30. Juni soll die Saison beendet sein.

Welches Modell war Vorbild für die Bundesliga?

Vor einer Woche hat die spanische ACB, die wohl stärkste Liga Europas, ein Modell zur Saisonfortsetzung präsentiert, das dem der BBL sehr ähnelt. Dort sollen die ersten zwölf Teams der Tabelle zu einem Turnier an einem Ort zusammenkommen. In den zwei Sechsergruppen würden fünf Spiele im Modus Jeder-gegen-Jeden bestritten, ehe die Gruppenersten und Zweiten ins Halbfinale einziehen. Die endgültige Entscheidung, ob die Saison in Spanien fortgesetzt wird, fällt am 31. Mai.

Wo soll das Turnier stattfinden?

Den Austragungsort will die Basketball-Bundesliga am kommenden Montag bekanntgeben. Bereits vor der Telefonkonferenz am Montag signalisierten die Fraport Skyliners und die Stadt Frankfurt ihr Interesse, ein mögliches "Geisterturnier" in der Fraport-Arena auszurichten. Der FC Bayern München prüfe die Bedingungen einer Austragung und plane eine Bewerbung, so FCB-Geschäftsführer Marko Pesic. Stand Montagabend lag der BBL aber laut Geschäftsführer Stefan Holz noch keine offizielle Bewerbung vor.

Für Brose Bamberg sei die Ausrichtung des Turniers kein Thema, so Mediendirektor Thorsten Vogt.

Kommentar von Maximilian Glas: Das BBL-Roulette

Rien ne va plus": Nichts geht mehr, hieß es am Montagabend für die 17 Klubs der Basketball-Bundesliga. In einer schwierigen Zeit mussten die Vereinsverantwortlichen eine schwierige Entscheidung treffen, deren Auswirkungen in der Corona-Zeit völlig offen sind. Am virtuellen Roulettetisch setzten zehn Teams auf die Farbe schwarz, gleichbedeutend mit der Fortsetzung der Saison, und sieben Mannschaften auf rot, sinnbildlich für den Saisonabbruch. Dabei scheint es, als hätten einige Vereine im letzten Moment ihre Farbe geändert - von rot auf schwarz.

Für die Bayern - sie warben zuletzt offensiv für die Saisonfortsetzung - und Alba war die Farbwahl keine Frage, schließlich müssen sie ihr Team ohnehin auf Abruf halten, ehe die Euroleague Ende Mai eine Entscheidung über die laufende Spielzeit treffen will. Das Risiko der Saisonfortsetzung hält sich für die beiden deutschen Topklubs situationsbedingt also in Grenzen. Im Gegensatz zu den anderen acht, teils deutlich finanzschwächeren Mannschaften, die dieses Risiko nicht hätten eingehen müssen. Wenn die kleinen Standorte in Kürze ihre Kosten für Personal und Organisation wieder in die Höhe schrauben, das geplante Turnier aufgrund eines Vetos der Politik aber kurzfristig abgesagt werden muss, dürften die Schäden wohl nachhaltiger sein als bei den sieben Mannschaften, die einen klaren Cut gemacht haben.

Die Verantwortlichen der sieben Klubs, darunter Bayreuth und Würzburg, werden in den nächsten Wochen bezüglich möglicher Regressforderungen von Sponsoren und Zuschauern allerhand zu tun bekommen, aber können zeitnah einen Strich unter die Spielzeit 2019/20 machen und mit seriösen Planungen für die Zukunft beginnen. So war ursprünglich auch der Plan von Brose Bamberg, wie Geschäftsführer Arne Dirks vor vier Wochen im Aktuellen Sportstudio darlegte. Die Kehrtwende folgte erst vor wenigen Tagen nach Vorstellung des neuen Liga-Konzepts, das den Verein überzeugte - auch wirtschaftlich. Dass Brose Bamberg um den sportlich eher zweifelhaften Titel Deutscher Basketballmeister 2020 mitspielen will, kann aber auch ein Signal an die Fans in Bamberg sein, dass man die große Bühne noch nicht komplett den Rivalen aus München und Berlin überlassen will.

Spannend wird die Entwicklung in den nächsten Wochen in Basketball-Deutschland allemal - und das nicht nur aus sportlicher Sicht. Schließlich will kein Bundesligist - egal ob er auf rot oder schwarz gesetzt hat, aus wirtschaftlicher Sicht den Satz "Rien ne va plus" aussprechen.