Eintracht Braunschweig steht seit Mittwoch als erster Aufsteiger in die 2. Bundesliga fest. Der FC Bayern München II darf nicht aufsteigen. Damit trifft der 1. FC Nürnberg am Dienstag, 7., und Samstag, 11. Juli (jeweils 18.15 Uhr), auf den Viertplatzierten der 3. Liga.

Am letzten Spieltag (Samstag, 14 Uhr) haben die Würzburger Kickers die besten Chancen auf den zweiten direkten Aufstiegsplatz: Ihnen reicht ein Punkt gegen den Halleschen FC. Gewinnt der FC Ingolstadt gegen 1860 München um Nürnbergs Ex-Trainer Michael Köllner, ist den Schanzern zumindest Rang 4 sicher. Die Sechziger brauchen einen Sieg, um die Relegation zu erreichen, müssen aber gleichzeitig auf Ausrutscher von MSV Duisburg und Hansa Rostock hoffen. Diese beiden sind wiederum auf Schützenhilfe aus der bayerischen Landeshauptstadt angewiesen und können ebenfalls maximal Vierter werden.

Die Statistik der Relegation spricht für die Drittligisten: Von den elf Duellen seit der Wiedereinführung 2008/09 gingen acht an den unterklassigen Verein.

Würzburger Kickers

Stärken

Das Würzburger Pressing ist in der 3. Liga einzigartig. Enorm druckvoll schieben die Kickers nach vorne und gestatten dem Gegner kaum Zeit im Aufbauspiel.

69 Tore in 37 Spielen sprechen für sich: Die Würzburger Offensive setzt das System von Trainer Michael Schiele stark um.

Schwächen

Das laufintensive Pressing geht auf Kosten der Abwehrarbeit. Die Kickers kassieren zu viele Gegentore, sind bei Kontern und Standards durchaus anfällig.

Wie geht Würzburg mit dem Druck um? Die Mannschaft ist jung, außer Kapitän Sebastian Schuppan verfügt kaum ein Spieler über höherklassige Erfahrung.

So gewinnt der Club

Sollte Würzburg doch noch in die Relegation müssen, erwarten Nürnberg zwei kräftezehrende Duelle, in denen der FCN gut verteidigen muss. Kann der Club das hohe Pressing von Fabio Kaufmann und seinen Teamkollegen überspielen, bieten sich Räume.

Der aktuelle Trend

Die Kickers haben ihr starkes Kalenderjahr 2020 nach der Corona-Pause fortgesetzt. Mit vier Siegen in Folge haben sie sich die beste Ausgangsposition erspielt. Beim 1:5 in Köln am Mittwoch hatte Würzburg die erste Aufstiegschance, wirkte ob der Gelegenheit jedoch gehemmt.

FC Ingolstadt

Stärken

Ingolstadt steht defensiv sehr sicher und ist vor allem auswärts schwer zu knacken. Gegnerische Fehler im Spielaufbau nutzt der FCI sofort zum Umschalten.

Um einige bundesligaerfahrene Führungsspieler haben die Schanzer lauf- und zweikampfstarke Talente in ihren Reihen.

Schwächen

Gegen tief stehende Kontrahenten tut sich Ingolstadt schwer. Das zeigte sich besonders in den Heimspielen gegen Kellerkinder, in denen mehrfach Punkte verschenkt wurden.

Unerklärliche Schwächephasen verhinderten, dass die qualitativ guten Schanzer den direkten Aufstieg schafften.

So gewinnt der Club

Ingolstadt könnte von der Spielanlage her der unangenehmste Gegner für den FCN sein. Kapitän Stefan Kutschke ist als einzige Spitze Ingolstadts Zielspieler. Den Ex-Nürnberger gilt es auszuschalten, zudem muss der FCN im Spielaufbau die Sicherheit finden.

Der aktuelle Trend

Nach sechs Partien ohne Gegentor kassierte Ingolstadt gegen Magdeburg einen Dämpfer. Nach der Corona-Pause stabilisierte sich unter dem zurückgekehrten Trainer Tomas Oral die Abwehr des FCI und brachte die Schanzer somit zurück ins Aufstiegsrennen.

MSV Duisburg

Stärken

Ein ballsicheres Zentrum, viel Tempo auf den Außen und hohe individuelle Qualität im Angriff zeichnen den MSV aus.

Zuhause treten die Zebras sehr kontrolliert auf und finden auch gegen tief stehende Gegner Lücken. Das Resultat: Nur zwei von 18 Heimspielen gingen verloren.

Schwächen

Verletzungssorgen haben Duisburg seit der Corona-Pause aus dem Tritt gebracht. Zeitweise fehlten sieben Stammspieler.

Die Abwehr ist bei hohen Bällen anfällig, Altstar Marvin Compper hat seinen Zenit überschritten. Mit wuchtigen, groß gewachsenen Angreifern hat die Defensive ihre Probleme.

So gewinnt der Club

Kapitän Moritz Stoppelkamp und Sturmpartner Vincent Vermeij kommen zusammen auf 44 Torbeteiligungen. Das Angriffsduo sowie Spielmacher Lukas Daschner muss der Club in den Griff bekommen, um Duisburg das Toreschießen zu erschweren.

Der aktuelle Trend

Der Drei-Tage-Rhythmus seit Wiederbeginn bekommt dem MSV nicht: Seit sechs Spielen wartet Duisburg auf einen Sieg.

Nach 19 Spieltagen in Folge auf Platz 1 ist Duisburg auf Rang 5 abgerutscht. Der einstige Favorit steht unter Druck.

FC Hansa Rostock

Stärken

Hansas Prunkstück ist die Defensive: 39 Gegentore sind der Ligabestwert. Leitwolf Markus Kolke im Tor dirigiert eine taktisch variable, spiel- und laufstarke Abwehr.

Unter Jens Härtel ist Hansa zur Heimmacht geworden: Im Ostseestadion holte der FCH 37 Punkte - ebenfalls Ligaspitze.

Schwächen

Der Kogge fehlt es an Torgefahr aus dem Mittelfeld. Wenn die Angreifer einen schlechten Tag haben, wirken die Offensivbemühungen oft harmlos.

Mit hohem Pressing hat Hansa Probleme. Zu häufig schlägt die Härtel-Elf dann lange Bälle, den passenden Zielspieler hat der FCH nicht im Kader.

So gewinnt der Club

Mit dem FC Hansa würde Nürnberg auf einen laufstarken Gegner treffen, dessen Torhüter Kolke seine Klasse regelmäßig unter Beweis stellt. Der Club müsste den Druck hochhalten und konsequent pressen, um nach Rostocker Ballverlusten Lücken zu finden.

Der aktuelle Trend

Hansa nutzte die Zwangspause, um sich fit zu machen. Die Mannschaft ist körperlich in Topform und breit aufgestellt.

Vier Siege in Folge spülten die Kogge nach vorne, anschließend verpasste der FCH den Sprung nach ganz oben.

1860 München

Stärken

Kampfstark, robust und erfahren: Wer gegen 1860 München bestehen will, muss sich in den Zweikämpfen bewähren.

Die Löwen spielen leidenschaftlichen Offensivfußball mit vielen langen Bällen in die Spitze. Auch bei Standardsituationen entwickelt 1860 viel Torgefahr.

Schwächen

Der Offensivgeist geht zu Lasten der Defensive. Im Umschaltspiel ist das Team von Nürnbergs früherem Trainer Michael Köllner anfällig. Der Viererkette mangelt es zudem an Geschwindigkeit.

Im Vergleich zu den anderen Aufstiegsaspiranten fehlt es den Löwen an individueller Qualität.

So gewinnt der Club

Einzig Sascha Mölders sticht bei 1860 heraus. Der Sturmtank ist auch kurz vor seinem Karriereende schwer zu verteidigen und hat mit Stefan Lex einen laufstarken Nebenmann im Sturm. Gelingt es Nürnberg, Mölders auszuschalten, hat der Club gute Karten.

Der aktuelle Trend

Mit den Löwen hat im Aufstiegsrennen niemand mehr gerechnet. Doch durch drei Siege aus den vergangenen vier Spielen haben die Giesinger die Patzer der Konkurrenz genutzt. Druck verspürt die Köllner-Elf nicht, die Vorfreude auf das Endspiel gegen Ingolstadt ist riesig.