Heute tun Joachim Gehringer vor allem die Schultern weh, gestern waren es die Beine. An den letzten schmerzfreien Tag kann sich der 60-Jährige nicht mehr erinnern, vor zehn Jahren müsste das gewesen sein. Bevor Gehringer wusste, dass er an Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) leidet, durchlief er wie die meisten anderen Betroffenen einen jahrelangen Ärztemarathon. "Man rennt zu Kardiologen, Neurologen und vielen anderen - und wenn alle anderen Krankheiten ausscheiden, ist es am Ende meist die Fibromyalgie", sagt der Sprecher der Selbsthilfegruppe Hirschaid/Bamberg. Deren mobilere Mitglieder treffen sich in Nicht-Corona-Zeiten jeden Montag in Hirschaid.

Betroffene mit Fibromyalgiesyndrom leiden unter Schmerzen am ganzen Körper sowie an einer erhöhten Schmerzwahrnehmung besonders an der Muskulatur und den Sehnenansätzen. Die Attacken halten oft mehrere Tage an und setzen in dieser Zeit die Patienten völlig außer Gefecht. Immerhin sei die Schmerzerkrankung, unter der nach Angaben des Fibromyalgie-Vereins Bayern zwei bis drei Prozent der Bevölkerung leiden, mittlerweile von Ärzten anerkannt. Auch wenn es noch viele Mediziner gebe, die nicht allzu viel mit der unsichtbaren, aber schmerzhaften Erkrankung anfangen können. Und so werden manche Betroffene als Simulanten abgetan oder es wird fälschlicherweise Rheuma diagnostiziert. "Wenn Erkrankte nicht ernst genommen werden, ist das frustrierend und verstärkt die Krankheit zusätzlich", beklagt Claudia Dexl, Vorsitzende des Fibromyalgie-Vereins Bayern.

Doch die Schmerzen sind höchst real und oft nur mit hochdosierten Schmerzmitteln zu ertragen. "Dann haben wir die Wahl, ob wir wegen der starken Medikamente den ganzen Tag dahindämmern oder ob wir die Schmerzen eine Zeit lang aushalten", sagt Gehringer. Viele Betroffene leiden auch unter einer Art Morgensteifheit, müssen sich zu Tagesbeginn erst über lange Übungen für die einfachsten Abläufe beweglich machen. Das Krankheitsbild ist aber von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Einige können noch Auto fahren, andere verlassen nur selten das Haus. "Jeder von uns hat zusätzlich noch drei bis fünf verschiedene Diagnosen, es gibt austherapierte Krebspatienten, Migräne-Geschädigte und sehr viele Magen-Darm-Erkrankte", weiß Gehringer.

Woher die Fibromyalgie kommt, ist bis heute nicht genau geklärt. Vermutet werden sowohl eine genetische Veranlagung als auch psychische Faktoren wie Stress oder Traumata. Und auch die Behandlung beschränkt sich bislang vor allem auf Linderung der Beschwerden, unter anderem durch eine multimodale Schmerztherapie. "Das Einzige, was wirklich hilft, ist Ablenkung", sagt der Sprecher der Selbsthilfegruppe mit 19 Mitgliedern im Alter von 50 bis 74 Jahren.

Die Treffen der erst vor einem Jahr gegründeten Gruppe sind von großem Wert für die Erkrankten, von denen einige sonst völlig isoliert leben. Nicht jeder hat wie Gehringer Familie und Enkelkinder, die ihn für ein paar Stunden den Schmerz vergessen lassen. Doch die coronabedingten Beschränkungen verhinderten auch einige Pläne der Selbsthilfegruppe. Besuche in Radonbad, Sauna oder Therme, die den Betroffenen jeweils sehr gut tun würden, waren so wenig möglich wie die wöchentlichen Treffen. Beim geselligen Austausch unter Leidensgenossen werden zudem wichtige Tipps weitergegeben.

Aber schon vor Corona waren längst nicht alle so mobil, dass sie zu diesen Terminen kommen konnten. Und für Videokonferenzen fehlt einigen das technische Verständnis. Auch deshalb ist bei Gehringer und seinen Mitstreitern die Idee gereift, einen gebrauchten Van als eine Art Shuttle-Bus anzuschaffen. "Einige von uns können noch Auto fahren. Die könnten dann einen Besucher zu den daheim Isolierten bringen", schlägt Gehringer vor. Ihm schwebt " so etwas wie der Chrysler Voyager vor, in dem sich hinten auch leicht ein Rollstuhl verstauen lässt". Es könnte sich durchaus auch um ein gebrauchtes Modell mit entsprechend hoher Kilometerleistung handeln - solange es in gutem Zustand ist. Aber auch dafür fehle der Selbsthilfegruppe das nötige Geld.

Und so hoffen die Betroffenen auf Spenden über "Franken helfen Franken". Damit ihnen ein Weg aus der Isolation eröffnet wird und sie gemeinsam ihre schmerzreiche Krankheit leichter schultern können.

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Zeitungen, wie beispielsweise den Fränkischen Tag, sowie digitale Informations- und Service-Portale jeden Tag rund 600 000 Menschen.

Außerdem ist die mgo mit Tochterfirmen wie mgo360, mgo Fachverlage oder mgo Digital Ventures als Multimediaunternehmen breit aufgestellt. Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein "Franken HELFEN Franken" seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige Organisationen und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurden seit der Gründung 2009 deutlich über eine halbe Million Euro von Franken HELFEN Franken vergeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken HELFEN Franken e.V. Sparkasse Bamberg IBAN DE 62 7705 0000 0302 1945 01 BIC BYLADEM1SKB. Als Verwendungszweck geben Sie "Muskelschmerz" an, wenn Sie dazu beitragen wollen, dass die Selbsthilfegruppe Fibromyalgie ein Fahrzeug bekommt. In einer parallel laufenden Aktion sammelt FhF Geld für die vielfältigen Aufgaben von Pro Familia (Verwendungszweck "Pro Familia").