Als die Satirepartei "Die Partei" Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit einer Demo vor dem Atrium "begrüßte", ging es auch ums Kreuz: "Netflix statt Kruzifix", war da auf einem Schild der gut 30 Demonstranten zu lesen - ab 1. Juni sollen schließlich nach dem Willen des Ministerpräsidenten in Bayerns Amtsstuben Kreuze hängen. Und das gefällt nicht jedem.

Dazu sollte sich Söder bei seinem Auftritt im Cinestar-Kino noch äußern. Er ließ später sogar durchblicken, dass er als Filmfan dem Streamingdienst Netflix durchaus zugetan ist.

Doch zunächst hieß es: warten. Der Ministerpräsident stand im Stau. Fast 40 Minuten mussten sich die knapp 400 Gäste im Kinosaal auf ihren roten Sitzen gedulden. Der erste Besucher war kurzzeitig eingeschlafen, als Söder endlich kam und von der Hälfte des Publikums mit stehenden Ovationen empfangen wurde.

Der CSU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl entschuldigte sich auch gleich, machte deutlich, wie sehr er Unpünktlichkeit eigentlich hasse. Und dann sollte es für fast eineinhalb Stunden im Frage-Antwort-Spiel mit Interviewer Ralf Exel ausschließlich um ihn "persönlich" gehen. Dass es fast nur um Politisches ging - für die meisten Zuschauer geschenkt.


Viel Politisches erzählt

Ohnehin waren vor allem CSUler gekommen - schließlich war es eine Parteiveranstaltung. Die Lokalprominenz war vertreten durch Gesundheitsministerin Melanie Huml, Landrat Johann Kalb oder die CSU-Kreisvorsitzenden Christian Lange und Thomas Silberhorn. Letzteren bezeichnete Söder neben der Gesundheitsministerin ("Melanie ist von mir entwickelt worden, sie leistet ganz großartige Arbeit") als langjährigen Weggefährten.

Söder berichtete von seinem Aufstieg in der Politik, von der Jungen Union in Nürnberg, seinem großen Vorbild Franz-Josef Strauß oder über die Freundschaft mit Edmund Stoiber, seinem politischen Ziehvater. Am Rande ging es auch um die Differenzen mit seinem Vorgänger Horst Seehofer. Vor allem ging es aber um Inhalte wie das Thema Asyl, darum, Bayern voranzubringen, mehr auf Regionalität zu setzen, sich mehr den Problemen zuzuwenden, die die Leute beschäftigten: Pflege und Kinder etwa.

Über seine Frau Karin redete er kaum, seine Kinder erwähnte er nur kurz, seine Hunde gar nicht, dafür sprach er lieber über Fußball oder sein ganz passables Tennisspiel - und dass er gerne Filme schaut, eben auf Netflix oder Amazon.

In einem Moment wurde Söder dann doch sehr persönlich, als er von seinem ersten Landtagswahlkampf erzählte, während dem seine schwer kranke Mutter in der Klinik starb. Als er sich nur ein paar Jahre später, auch von seinem Vater verabschieden musste, "begann ich mich zu hinterfragen". Er habe sich daraufhin stärker dem Glauben zu gewandt. Was ihn am Mittwoch zum Kreuz führte, das zwar ein religiöses Symbol sei, aber nicht nur. "Es geht beim Kreuz nicht um Folklore, sondern um Identität." Das Kreuz hält Söder für so wichtig, dass er es nicht erst nach der Wahl thematisieren wollte.


Reaktionen des Publikums

Der 51-Jährige lobte am Ende seines Abends Bamberg als große Sportstadt und machte deutlich, dass in der Diskussion um die Asyl-"Ankerzentren" Bamberg nicht überbelastet werden soll: "Die Stadt hat schon ihren Beitrag geleistet."

Beim Publikum kam Söder "persönlich" überwiegend gut an: "Ich fand sehr persönlich, wie er erzählt hat, wie er in die Politik gekommen ist, wie die Ziele, die er als Ministerpräsident verfolgt, entstanden sind", befand Hans-Georg Maciejonczyk. Bei einer Gruppe von Studenten und Auszubildenden überwog dennoch Enttäuschung. Sie wollten kritische Fragen stellen. Doch am Ende blieb - trotz Ankündigung - keine Zeit mehr für Fragen aus dem Publikum. "Man hoffte auf eine persönlichere Auseinandersetzung mit Söder", sagte Stefan Blümel. Echte Bürgernähe sei nicht da gewesen. Vielleicht wird das bei anderer Gelegenheit anders: Söder soll laut Bambergs CSU-Chef Lange am 4. Oktober auf dem Maxplatz sprechen.


Kommentar von Sebastian Martin: Es geht um viele Kreuze

Markus Söder betont, dass er das Kreuz als identitätsstiftendes Symbol unserer Kultur sieht und es deshalb in öffentlichen Amtsstuben hängen soll. Er setzt das christliche Symbol damit als Vehikel seiner Politik ein. Der CSU-Spitzenkandidat weiß nur zu gut, wie viel es einem Großteil seiner potenziellen Wähler bedeutet. Welcher gläubige Christ kann schon gegen das Kreuz sein? Das hilft der CSU, mehr Kreuze in der Wahlkabine zu bekommen. Und Söder weiß das nur zu gut.