Helmut Klösel kennt sie alle: den prächtigen über der Wiesentquelle in Steinfeld, den über einer Zisterne angeordneten in Teuchatz, den mit Gänseeiern verzierten in Tiefenpölz, den traditionellen mit Birken und Bändern geschmückten in Ebermannstadt und natürlich den größten der Welt in Bieberbach. Ja, Klösel ist ein Experte in Sachen Osterbrunnen und jedes Frühjahr ist er begeistert von den "wechselnden Motive alle Jahre". Rund um Ostern präsentiert der Tourenführer fast täglich einer anderen Gruppe die schönsten Exemplare der Region Bamberg-Forchheim, die insgesamt rund 200 Osterbrunnen zu bieten hat. Auch FT-Abonnenten kommen exklusiv in den Genuss seiner sehr beliebten Führungen.

Der Bamberger weiß fast alles über die Brunnen und den Brauch des Schmückens, den es bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt. Was er bislang nur erahnte: wie viel Arbeit hinter jedem Osterbrunnen steckt, bis alles an Ort und Stelle ist und perfekt sitzt. Neugierig, wie er mit seinen 71 Jahren ist, wollte er das ändern. Deshalb hat er in diesem Frühjahr ganz intensiv, den "Freunden des Laufer Osterbrunnens" bei ihren Vorarbeiten über die Schulter geschaut und ihre Mühen in Bildern festgehalten. Warum gerade der kleine Ortsteil von Zapfendorf? "Weil der Brunnen am Hang zu den schönsten gehört und entlang der Quelle aufgebaut ist", erklärt Klösel. Und was er bei seinen wiederholten Besuchen vor Ort erlebt hat, beeindruckte ihn stark, vor allem dass "alle mit Herzblut dabei sind, ob jung oder alt."

Bereits kurz nach Weihnachten begann das von Georg Söhnlein organisierte Team mit dem Bemalen der Eier im ehemaligen Gefrierhaus in Lauf. Bei der Gestaltung der Eier und dem Gesamtarrangement hat Liane Heidenreich das Sagen. Sie erklärte ihren über 20 Damen, welche Motive in diesem Jahr den Brunnen prägen sollten - zum Beispiel Porträts der beiden noch lebenden Päpste, des evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm und des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick. "Es war beeindruckend zu sehen, wie die Frauen ohne Schablonen die Eier bemalten - alles freihändig, das ist schon außergewöhnlich", erzählt Klösel. Diese Arbeiten nahmen einige Zeit in Anspruch, schließlich mussten über 300 Eier neu verziert werden.

Wiederbelebt hat die Tradition des Osterbrunnenschmückens in Lauf die Familie Alt im Jahr 1979. Sie legte von Anfang an viel Wert darauf, ausschließlich echte Eier zu verwenden, was die Arbeit noch erschwerte, weil es die Objekte zerbrechlicher machte. Über 3000 Exemplare stellte sie her, übergab das aufwändige Hobby dann aber 2004 an den Arbeitskreis für "Jugend und Soziales". Ein Jahr später übernahmen die neu gegründeten "Freunde des Laufer Osterbrunnens" die Aufgabe und führen die Tradition ganz im Geiste der Alts weiter.

Mit den Bemalen der Eier ist es freilich nicht getan: Ende März galt es, Tannen- und Fichtenzweige aus dem Wald zu holen, mit denen dann Anfang April die Kronen und Bögen geflochten werden konnten. Rund 40 laufende Meter mussten mit dem möglichst frischen Grün umgeben werden. Danach waren die sechs Männer unter den "Freunden des Laufer Osterbrunnens" gefragt. Sie säuberten den Bereich rund um die Lindenquelle, bauten die Kronen und Bögen auf - kurzum: Sie bereiteten alles vor für das finale Schmücken mit den Eiern.

Noch vor der Karwoche wurden die 5476 Wellensittich-, Wachtel-, Fasanen-, Enten-, Hühner-, Gänse-, Schwanen-, Emu- und Straußeneier gelegt, gehängt, verankert - mal einzeln, mal als Ketten, mal als Formation. Blumen und Bänder sorgten für besondere Akzente. Klösel ist sehr angetan vom Ergebnis: "Die frische Farbenpracht ist diesmal sagenhaft."

Kaum war alles arrangiert, folgte schon die offizielle Eröffnung mit Bürgermeister Volker Dittrich (AfZ) und Pater Placidus vom Kloster "Maria Frieden" in Kirschletten. 600 Arbeitsstunden waren bis dahin zusammengekommen, aber nicht nur Klösel war schließlich der Meinung: "Es hat sich gelohnt."

Der Osterbrunnen-Führer und viele andere Besucher können sich am Ergebnis der Mühen noch bis 14 Tage nach Ostermontag erfreuen. Dann wird der Schmuck wieder zurückgebaut. Und nächstes Jahr, ja, da beginnt die Arbeit wieder von vorne.