Ein neues Projekt in Bamberg nutzt digitale Armbänder, um Demenzkranke besser zu schützen und ihre Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen.
Bei einer Podiumsdiskussion im Zuge der Veranstaltungsreihe "Smart Talks" des Programms Smart City Bamberg gaben Jutta Weigand von der Sozialstiftung Bamberg sowie Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas von der FAU Erlangen-Nürnberg wertvolle Einblicke in die Pflege von an Demenz erkrankten Menschen. Offiziell sind in Stadt und Landkreis Bamberg etwa 4.000 Menschen von Demenz betroffen, rund 9.000 von einer Vorstufe der Erkrankung. Ein gemeinsames Projekt von Smart City Bamberg und der Sozialstiftung Bamberg soll nun helfen, Demenzerkrankte mit Hilfe eines digitalen Armbands besser im Blick zu haben.
Betroffen sind laut Prof. Fr. Peter Kolominsky-Rabas demnach nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch die Angehörigen und Pflegekräfte. Denn der Umgang mit den Patientinnen und Patienten erfordert viel Einfühlungsvermögen und Verständnis dafür, dass sich die betroffene Person ihrer Wahrnehmung nach in vergangenen Lebensphasen befindet und sich entsprechend verhält. Das koste insbesondere die Angehörigen viel Kraft, vor allem, wenn sie sich selbst um die Betreuung der Erkrankten kümmern würden, so der Fachmann.
Menschen, die an Demenz erkranken, neigen zu allen Tages- und Nachtzeiten zu einem starken Bewegungsdran. Gleichzeitig ist dieser oft ohne Ziel oder das ursprüngliche Ziel ist schnell vergessen. Resultat ist, dass Menschen mit Demenz die Orientierung verlieren, was im öffentlichen Raum mitunter lebensgefährlich werden kann. Die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung kann hier helfen, stößt aber auch an ihre Grenzen. Denn das eigentliche Bestreben sei, den Betroffenen so lange wie möglich die Teilhabe am Leben in Bamberg zu ermöglichen, aber gleichzeitig ihre Sicherheit zu gewährleisten, so Jutta Weigand von der Sozialstiftung Bamberg. Den aufgezeichneten Smarttalk können sich Interessierte auch auf dem YouTube-Kanal von Smart City Bamberg ansehen.
Ein gemeinsames Projekt von Smart City Bamberg und der Sozialstiftung Bamberg verspricht genau das: Ein Armband, ähnlich einer Armbanduhr, übermittelt die benötigten Ortungsdaten der an Demenz erkrankten Person. Vorab werden virtuelle Sicherheitszonen definiert, ganz individuell nach dem Schweregrad und den Gewohnheiten. Verlässt die Person ihr definiertes Geborgenheitsniveau, wird eine Benachrichtigung samt der Ortungsdaten an die Anwendung gesendet. "Das System bietet einen klaren Mehrwert für unsere Bewohnerinnen und Bewohner", erklärt die Projektleitung Jutta Weigand. "Sie können sich in einem definierten Bereich frei bewegen und werden dabei optimal geschützt." Das "revolutionäre" an dem Konzept sei aber die Einbindung von Ehrenamtlichen in die Suche. Denn die Pflegekräfte alleine könnten diese Suche der Betroffenen nicht stemmen, auch die Kapazität der Polizei sei begrenzt.
Nach einem dreimonatigen Testlauf in der Einrichtung am Michelsberg wurde eine positive Bilanz gezogen. Eine Person konnte dank eines ausgelösten Alarms sogar innerhalb kürzester Zeit an einer Bushaltestelle gefunden werden. Es wurden auch viele Gespräche mit Erkrankten, Angehörigen und Pflegekräften geführt. Betroffene und ihre Angehörigen zeigten sich durchweg begeistert und fordern schon jetzt eine solche Lösung. Einige der Pflegekräfte empfanden den Einsatz der Technik zunächst als zusätzliche Belastung. Eine umfassende Schulung aller Beteiligten konnte diese Bedenken mildern.
Bereits im Sommer 2025 hatten zudem Interviews mit Menschen stattgefunden, die sich die Mitarbeit als Ehrenamtliche vorstellen könnten. Die Teilnehmenden sahen den Mehrwert und den Nutzen des Projekts, betonten aber die Bedeutung einer verpflichtenden Schulung für den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Auch die direkte Unterstützung durch die Pflegeeinrichtungen sowie eine umfassende rechtliche Absicherung der Ehrenamtlichen seien essentiell. Kritik kam seitens des Seniorenbeirats der Stadt Bamberg hinsichtlich des Datenschutzes.
"Die Frage nach dem Datenschutz ist natürlich gerechtfertigt und wird von uns sehr ernstgenommen", so Jutta Weigand. Das Projekt wird im Austausch mit einem Betreuungsrichter und unter Berücksichtigung des Betreuungsgesetzes entwickelt. Die Teilnahme daran ist in jedem Fall freiwillig. Letztlich geht es laut Jutta Weigand um eine Abwägung zwischen Freiheitsrecht und Datenschutz: "Um zu verhindern, dass die Standortdaten einer fiktiven Frau Meier an Ehrenamtliche weitergegeben werden, verwehren wir der Dame, dass sie sich frei bewegen kann – was ist wichtiger?"
Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung.