"Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, und Sie nehmen ihm zu gleicher Zeit das Glück", meinte Henrik Ibsen einmal. Über zwei Protagonisten in einem Sexcallcenter, deren Selbsttäuschung existenziell wurde, thematisiert "Replay" Lebenslügen. So schrieb das Bühnenstück ein Autor, der hinter Fassaden und Maskeraden der Gesellschaft blickt: Andrew Vachss, der als amerikanischer Anwalt missbrauchte Kinder verteidigt und dabei im Lauf der Jahrzehnte erlebte, wie fließend die Grenzen zwischen Tätern und Opfern sind. Victoria Heinz und Klaus Mallwitz zeigen "Replay" ab 25. April im Club Kaulberg. Anschließend bekommt das Publikum Gelegenheit, sich mit den Akteuren rund ums Thema auszutauschen.

Viele Fragen

"Für uns beide warf das Stück viele Fragen auf - ähnlich wird es den Zuschauern ergehen.
So möchten wir mit ihnen über ihre Gedanken sprechen", sagt Victoria Heinz, die bei "Replay" mit ihrem früheren Dozenten auf der Bühne steht: Klaus Mallwitz, der die Neue Schauspielschule Nürnberg leitet, an der die Bambergerin 2009 ihren Abschluss machte. "Damals schon drückte mir Klaus das Stück in die Hand, in dem sich zwei Menschen ihrer Vergangenheit nicht zu stellen wagen", so die 27-Jährige: An einem Ort, an dem Lug und Trug erwünscht sind, um die Phantasien der Anrufer am anderen Ende der Leitung zu befriedigen.

Das Spiel der Akteure beginnt also in einem Sexcallcenter beim Vorstellungsgespräch, bei dem Lyza als ambitionierte junge Schauspielerin auf Bolo trifft: Einen Mann in der Midlifecrisis, der vom Leben nichts mehr zu erwarten scheint - zumindest anfangs. "Man weiß nicht, woher beide kommen, man weiß nicht, wohin sie gehen", sagt Victoria Heinz. Wie in vielen alltäglichen Situationen, in denen sich Menschen dennoch ein Bild von nahezu Unbekannten machen. Nach und nach beginnt aber der erste Eindruck zu bröckeln - wie die Scheinwelten, in die sich Lyza und Bolo geflüchtet haben.

Großer Freiraum

"Spannend war unsere Auseinandersetzung mit dem Stück, das viel künstlerischen Freiraum lässt", sagt Victoria Heinz, die vor kurzem noch auf der Bühne des Brentano-Theaters als "heilige Hure" zu sehen war. Dabei sei es weniger um eine eigene Interpretation des Textes gegangen als vielmehr darum, das Kernanliegen des Autors herauszuarbeiten: Eines Anklägers, der seine Protagonisten angesichts ihrer traumatischen Erlebnisse zwischen Schein und Sein verzweifeln lässt.

"Wir sind die einzige Spezies, die Raubtiere ihrer eigenen Art toleriert", sagte Andrew Vachss in einem Interview mit dem Hochschulmagazin Chances. Seit den 70er-Jahren vertritt der New Yorker Anwalt in juristischen Verfahren ausschließlich Kinder und Jugendliche. Ihre Vernachlässigung und Misshandlung greift der mittlerweile über 70-Jährige in literarischen Werken auf, um noch mehr Menschen mit der Problematik zu konfrontieren. "Wenn nicht der Schutz von Kindern zu unserer obersten Priorität wird, werden wir alle weiterhin die Konsequenzen erleiden müssen", meint Vachss. Niemand sei "böse geboren". "Es gibt keinen biogenetischen Code für Serienkiller, Vergewaltiger oder rücksichtslose Pädophile. Wir erschaffen unsere eigenen Monster und ziehen unsere eigenen Bestien heran", so der Jurist in Chances.

Übrigens bleibt es nicht beim einmaligen Teamwork von Victoria Heinz und Klaus Mallwitz. "Wir hatten ja auch nie ein typisches Lehrer-Schüler-Verhältnis, das sich auf unsere jetzige Zusammenarbeit auswirken könnte", sagt die Bambergerin, die mit ihrem Nürnberger Kollegen das freie Schauspielensemble TheARTemis gründete, das "Replay" produzierte - als Auftakt der weiteren gemeinsamen Theaterarbeit.

Alle Termine

Im Club Kaulberg, der Bamberger Bühne des Nana-Theaters, feiert das Bühnenstück "Replay"am 25. April Premiere. Weitere Vorstellungen finden ebenfalls am Unteren Kaulberg 36 am 26. April, 2. und 3. Mai ab jeweils 20 Uhr statt. Tickets sind über den Bvd im Vorverkauf erhältlich.