Das Aufatmen im Rathaus ist spürbar: Ausgerechnet an der südlichen Stadteinfahrt haben sich Leerstand und städtebauliche Tristesse breit gemacht. Doch jetzt bietet sich die realistische Chance, dass neues Leben einkehrt.

Die Rede ist von einem zwei Hektar großem Grundstück, das im engsten Umfeld viel befahrener Straße und dennoch eher im Totwinkel liegt. Nach "Grosso" versuchten dort Tegut und Drogeriemarkt Müller ihr Glück - erfolglos. Die Geschäfte liefen schleppend, die ehemalige Ringcenter-Immobilie steht mittlerweile weitgehend leer. Nun also die Wende: "Wir freuen uns auf Bamberg", sagt Edda Metz von der Krieger Projektentwicklung.

Einen Tag zuvor hatte der Bausenat grünes Licht für den Wandel gegeben - ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren wurde beschlossen, an dessen Ende Baurecht stehen soll. Möglicherweise noch heuer. Projektentwicklerin Metz hat ehrgeizige Ziele: Die neue Gewerbeimmobilie soll noch 2016 eröffnet werden. Mit Schwerpunkten, die es in Bamberg noch nicht gibt : einem Sconto Möbelmitnahmemarkt und einen Elektronikfachmarkt.

Das Bebauungsplanverfahren 343 G ist auch ein Stück Stadtreparatur: Naturschutzgutachten, Lärmstudie und Verkehrsuntersuchung. Vom Baumbestand bis zu möglichen Altlasten wurden Risiken und Nebenwirkungen des Projekts untersucht, um die langwierige Beteiligung der Öffentlichkeit abzukürzen. Neu ist: Das neue Gebäude soll das schmale Grundstück zwischen Forchheimer Straße, Berliner Ring und Nürnberger Straße in voller Länge ausfüllen, was den Abbruch der bisherigen Grosso-Immobilie voraussetzt und die Rodung zahlreicher Büsche und Bäume. Und es wird eine schallabsorbierende Hülle haben: Damit der Lärm der wenige Meter vorbeifahrenden Züge nicht an der Fassade reflektiert und zu den Nachbarn am Distelweg getragen wird.

Die Stadträte haben dem Handelsprojekt keine Steine in den Weg gelegt - eher im Gegenteil. "Wir stimmen gerne zu. An dieser Stelle kann es nur besser werden", sagte CSU-Sprecher Franz-Wilhelm Heller. Sein Kollege von der SPD, Heinz Kuntke, sah es nicht anders. Den bisherigen Leerstand bezeichnete er als Ärgernis. Zustimmung auch von den Grünen, den Freien Wählern und dem Bürger-Block. Ursula Sowa (GAL) lobte den "Mut, hier zu investieren".

Die ersten Fassadenentwürfe mit dem gelb-orangefarbenen Schriftzug der Frma Sconto wurden im Bausenat eher zurückhaltend kommentiert. Grund ist auch: Der Bausenat vertraut auf den Stadtgestaltungsbeirat, der sich mit der Fassadenwirkung noch befassen will.


13 Meter hohe Mauer

Einem gestalterischen Zweck dient auch eine Mauer zur Kreuzung Berliner Ring Forchheimer Straße, die mit 13 Metern rekordverdächtige Höhe haben soll. Sie soll das im Grundstückswinkel gelegene Mitnahmelager abschirmen - eine Idee, die auch vom Stadtplanungsamt für gut befunden wurde.

Mit den vielen großen Möbelhäusern im Umkreis kann der neue Mitnahmemarkt nicht mithalten. Mit 6000 Quadratmetern Fläche ist er allerdings auch kein Zwerg. Die unmittelbare Nachbarschaft zu zwei bestehenden Bamberger Einrichtungshäusern werde in der Branche aber nicht als Konkurrenz, sondern als stimulierend angesehen, heißt es in der Stadtverwaltung. Bamberg habe nun eine "Möbelachse". Auch Projektentwicklerin Edda Metz spricht von einer Ergänzung durch die verschiedenen Angebote.

Wer Betreiber des 3000 Quadratmeter großen Elektrofachmarktes wird, wollte sie nicht preisgeben In Bamberg wird bereits darüber spekuliert, ob es Saturn sein könnte.

Ruth Vollmar von der Wirtschaftsförderung der Stadt hofft, dass sich an dieser Stelle der Stadt nun endlich eine dauerhafte Nutzung etabliert. "Es wäre ein Aufwertung des Wirtschaftsstandortes."

Aufgeschlossen steht dem neuen Markt im Bamberger Süden auch Citymanager Klaus Stieringer gegenüber. Durch das neue Angebot könnte es gelingen, zusätzliche Menschen nach Bamberg zu ziehen, die dann vielleicht auch in die Innenstadt gehen. Eine Garantie für Erfolg gibt es freilich nicht: "Ein Selbstläufer sind große Einkaufscenter nicht. Man kann auch am Bedarf vorbeibauen."