Das Hämmern des Turbodiesels schallt durch die alte Gasse. Die Handbremse rastet ein. Die Fahrertür fliegt auf und ein großgewachsener Mann in schwarz-gelber Uniform schwingt sich aus dem Transporter. Ein kurzer Griff zum Scanner. Drei Mal piepst das Gerät und Robby Hamann klemmt sich die Pakete und mehrere Briefe unter den Arm. Mit "Guten Tag, die Post!" kündigt er sich an und schiebt sich samt Päckchen ins Haus, als der Türöffner surrt. Drinnen ein kurzer Wortwechsel - und schon geht's weiter.

Hamann ist einer von 113 000 Zustellern der Deutschen Post. Seine Arbeitstage gehen in der Regel von 10 bis 19 Uhr. Heute muss er sich allein um 130 Pakete kümmern. Die Briefe zählt er schon gar nicht. "Im Laufe der vergangenen Jahre ist es schon immer mehr geworden", meint der Postbote - auch schon vor Corona.

Arbeitszeiten seien trotz gestiegenem Postaufkommen machbar

Die Arbeit verteilt sich über drei Phasen: Vorbereitung, Zustellung und Nachbereitung. Für Hamann heißt das: Morgens im Verteilzentrum in Kramersfeld erstmal die Sendungen für seine Tour zusammenstellen und "Tetris spielen", um alle Pakete im Wagen unterzubringen. Das kann schonmal eine dreiviertel Stunde dauern. Dann verlässt er das Zentrum samt Transporter Richtung Altstadt. Als er vor 15 Jahren bei der Post begann, radelte er noch durch Gaustadt, um Briefe zu verteilen. Mit seiner heutigen Aufgabe der Zustellung von Briefen plus Paketen ist das nicht mehr machbar. Normalerweise ist er aber mit dem Elektrotransporter unterwegs. Nur steht der grade in der Werkstatt.

Seine Tour führt ihn unter anderem durch die Untere Sandstraße und den Unteren Leinritt. Später erklimmt er den Jakobsberg bis rüber zur Panzerleite, Altenburger Straße und Teufelsgraben. Gut 1100 Adressen verstecken sich dahinter. Wenn der Wagen leer ist, folgt noch etwas Papierkram, also wenn Kunden beispielsweise nicht mehr unter der Adresse anzutreffen oder Namen nicht mehr erkennbar sind. "Seitdem die Weihnachtspost wieder anläuft, haben wir Unterstützung von 16 neuen Mitarbeitern im Verteilzentrum bekommen, das spart uns die Zeit fürs Sortieren der Pakete", erklärt Hamann. Das sei allerdings dieses Jahr das erste Mal der Fall.

Vor ein paar Jahren habe er von Kollegen gehört, die noch an Heiligabend bis nach 21 Uhr unterwegs waren, um die letzten Geschenke auszuliefern. Diese Praxis habe sich aber immer mehr erledigt, da Routen neu zugeschnitten wurden. Zu den 71 Touren im Zustellbezirk "Bamberg 8" gesellen sich nun 22 weitere, so dass die Arbeitszeiten trotz gestiegenem Postaufkommen machbar seien.

"Ich habe schon einige Kinder großwerden sehen"

Ein Trend, der die ganze Post erfasst hat: "Wir arbeiten seit Ende Oktober mit zusätzlichen 13 000 Mitarbeitern und 10 000 Fahrzeugen deutschlandweit", erläutert Post-Pressesprecher Alexander Böhm. Das ist kein Wunder: Mit elf Millionen Paketen am Tag wurde vor einer Woche ein Allzeitrekord geknackt. Im Vorjahr seien es 5,2 Millionen ausgelieferte Pakete gewesen. Und es wird wohl nicht weniger: "Mit den Retouren und Gutscheineinlösungen werden wir in den nächsten Wochen viel zu tun haben", schätzt Böhm.

Die Corona-Zeiten haben aber auch ihr Gutes: Durch Home-Office trifft Hamann häufiger auf die Kundschaft, so dass er heute nur ein Paket wieder mitnimmt. Sonst waren es schon etwa fünf Stück am Tag, bei denen das Klingeln erfolglos war.

So vielfältig wie die Gegend, durch die sich der Postbote bewegt, sind auch die Menschen: "Ich habe schon einige Kinder großwerden sehen. Die dann eigene Pakete und Briefe bekamen", erzählt der zweifache Familienvater. Und manchmal trifft man einen älteren Menschen zum letzten Mal. Trotz der Arbeit nimmt er sich die Zeit für kurze Gespräche oder ist für ein "Späßla" zu haben. Im Laufe der Jahre wisse man nicht nur, bei wem man seine Pakete los wird, falls der Adressat nicht zu Hause ist: "Ich bekomme viel Persönliches von den Leuten mit. Aber ich darf natürlich nix verraten. Berufsgeheimnis." Der Kontakt mit den Menschen sorgt dafür, dass er immer gut gelaunt auf Tour geht. Apropos Kontakt: Die Post empfiehlt bei der Zustellung an der Haustür das Benutzen des Mund-Nasen-Schutzes. Hamann ist gut ausgerüstet: Neben zusätzlichen Masken steht auch ein Kanister mit Desinfektionsmittel im Kofferraum. Was hat er ansonsten im Gepäck? "Warme Socken, Handschuhe, Mütze, Regenjacke." Alles, um das unwirtliche Wetter zu bestehen. Eine dreiviertel Stunde Pause ist auch meist drin. 15 Minuten sind Pflicht. Derweil ist sein Scanner deaktiviert. Seine Devise: "Nicht reinstressen lassen."

Manche Tage in Corona-Zeit sehr anstrengend

An manchen Tagen in der Corona-Zeit sei man als Zusteller sehr gefordert und komme an seine körperlichen Grenzen. "Aber als Postbote hat man in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit und Dankbarkeit bekommen." Manchmal bekomme er Plätzchen oder Schokolade geschenkt. Als er einem Pärchen beim Tragen einer Couch ins Haus half, schenkte ihm dieses bei der nächsten Zustellung einen Gutschein für sich und seine Frau für die Therme. Er habe über die Jahre auch manche Gehaltssteigerung mitgenommen, so dass Bezahlung und Belastung ausgewogen seien.  "Wenn ich an die niedrigeren Gehälter unsere Jungzusteller denke, muss ich aber schon mit den Augen rollen", meint Hamann. "Es ist schön zu sehen, dass sich die Menschen wieder mehr Briefe schreiben - auch wenn es ein trauriger Grund ist." Es sei ein schönes Gefühl, wenn er ein Paket zugestellt habe und hinter der verschlossenen Türe Jubelschreie über heiß ersehnte Geschenke hört. Tags darauf hat er satte 195 Pakete an Bord. Er wird wohl noch einige Male Weihnachtsmann spielen dürfen.

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