Das Dach der Scheßlitzer Pfarrkirche ist noch weit davon entfernt, Regen, Eis und Schnee trotzen zu können. An etwa der Hälfte der Dachfläche von Kirchenschiff und Chorraum fehlt die (alte) Schiefer-Eindeckung und Zimmerleute und Dachdecker sind schwer damit beschäftigt, diesen Teil des Daches mit einer provisorischen Bitumenhülle zu versehen, um so ein Notdach hin zu bekommen. Dass die Schieferdecker noch vor Weihnachten tätig werden, daran mag keiner der Beteiligten mehr so recht glauben.
Auseinander gehen die Meinungen über die Ursachen für die Verzögerung. Fest steht, dass am 20. September nach einer Überprüfung der Baustelle durch die Berufsgenossenschaft der Bau eingestellt wurde. Weil das Baugerüst nachzubessern war, sagt eine der beteiligten Baufirmen. Weil das Gerüst mit Baumaterial der ausführenden Firmen zu stark belastet war, sagt der Gerüstbauer.
Darüber ließ sich nun trefflich streiten und so gingen sechs Wochen ins Land, bis das Gerüst schließlich doch den Erfordernissen angepasst wurde. Weil man schon vorher witterungsbedingt, so Architekt Hans Müller aus Stettfeld, durch den langen Winter in Verzug geraten war, hinkt man jetzt dem Zeitplan doch spürbar hinterher.
Und nicht nur das. Durch die Öffnungen im Dach konnte der Regen ungehindert eindringen und Mesner Hubert Kurzela und seine Helfer hatten - wieder einmal - alle Hände voll zu tun, um mit Wannen und Eimern im Dachstuhl das Wasser aufzufangen und ins Freie zu schaffen. "Das war kein Spaß, sich mit einer Hand am Balken festzuhalten und mit der anderen den Wassereimer zu balancieren", schildert Kurzela die gefährlichen Einsätze im Kirchendach. Dem besonderen Engagement freiwilliger Helfer ist es wohl zu danken, dass kein größerer Schaden entstanden ist. Dazu gehörte auch ein Mitarbeiter des Bauhofes der Stadt Scheßlitz, der von Bürgermeister Franz Zenk geschickt worden war. "Aushelfen tun wir ja gerne mal, aber für mehr reichen unsere Kapazitäten natürlich nicht", betont das Stadtoberhaupt.
Ob der Kostenrahmen von etwa 670 000 Euro wird eingehalten werden können, lässt sich derzeit nicht sagen. Kirchenpfleger Günther Neumaier bedauert, dass man bei der öffentlichen Ausschreibung die billigsten Anbieter nehmen musste, was sich wegen der "einfach lächerlichen" Auseinandersetzung in Sachen Gerüstbau nun zum Nachteil auswirken könne.
Etwa 400 000 Euro beträgt der staatlich geförderte denkmalpflegerische Mehraufwand des Projektes, der auch von der Stadt Scheßlitz mit 40 000 Euro (zehn Prozent) bezuschusst wird. Im Übrigen wäre Neumaier "heilfroh", wenn die Handwerker das Dach vor dem Winter noch dicht bekommen würden. "Schiefern werden sie nicht mehr schaffen".
"Das Dach wird dicht, es muss einfach", meint dazu der Bauleiter, Architekt Hans Müller. Das habe oberste Priorität. Ob noch geschiefert werden könne, sei "eher ungewiss". Dass es zu derartigen Verzögerungen gekommen ist, ist auch dem erfahrenen Architekten noch nicht untergekommen. Er nennt dafür noch einen Grund: Wegen der sehr guten Konjunktur seien viele Firmen überlastet, und "Fachkräfte bekommt man nicht ohne Weiteres, die Leute gehen lieber in die Fabrik". Die Folge: Die Betriebe könnten die vielen Baustellen kaum noch bewältigen.
Zuversichtlich zeigt sich der Architekt immerhin, dass der Kostenplan eingehalten werden könne. "Bisher gibt es keine Überschreitungen, nur die Verzögerungen", lautet seine Zwischenbilanz. Wann das Kirchendach fertig sein wird, darüber wagt aber auch er keine Prognose.