"Sanierung frühestens Mitte 2014" titelte die Lokalredaktion am 22. August 2013. Knapp ein Jahr später steht fest, dass die historische Mauer des Alten Kanals heuer bestimmt nicht und wohl eher 2016 als 2015 gesichert wird.

Am Wasserwirtschaftsamt Kronach, das auch für den Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten ehemaligen Ludwig-Donau-Main-Kanal durch Bamberg zuständig ist, liegt es nicht, dass nichts passiert. Es liegt an der Stadt, genauer gesagt an ihren Finanzen - oder Prioritäten. Die Kommune hat jedenfalls bisher kein Geld für die Planung der Maßnahme bereit gestellt.


Es geht zunächst um 50.000 Euro
Es handelt sich um keine Riesensumme, sondern nur um rund 50.000 Euro. Mehr müsse Bamberg zunächst nicht beisteuern, ist aus dem Wasserwirtschaftsamt zu erfahren.


Baureferent Thomas Beese bestätigt das nicht, will über konkrete Zahlen (noch) gar nicht reden. Seine Begründung: Stadt und Freistaat hätten sich zwar mündlich, aber noch nicht schriftlich auf eine Kosten-Vereinbarung zu den Planungen geeinigt. Gespräche über die Finanzierung der eigentlichen Sanierung stünden noch aus.

Das hört sich anders an, wenn man Hans-Joachim Rost fragt, der zuständige Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Kronach. Nach seinen Angaben ist mündlich vereinbart, dass der Freistaat 80 Prozent der veranschlagten Planungs- und Baukosten tragen wird, die Stadt 20 Prozent.

Man gehe derzeit von 1,3 Millionen Euro insgesamt aus, müsse aber mit "Überraschungen" und Kostensteigerungen rechnen. Nur für die Planung sind 250.000 Euro veranschlagt.


Freistaat trägt 80 Prozent
Den Löwenanteil übernimmt das Land Bayern. Rost spricht von einem "ganz hervorragenden Ergebnis für die Stadt Bamberg". Es wundert ihn umso mehr, dass man im Rathaus die Vereinbarung noch nicht unterschrieben hat.

Das wird laut Beese erst geschehen, wenn das Geld zur Verfügung steht. Im laufenden Haushalt ist das nicht der Fall. Ob die Maßnahme im Etat für 2015 berücksichtigt wird, entscheidet sich im Dezember und erscheint alles andere als sicher.

Erst am Dienstag hat der Stadtrat bekanntlich zwei lang geplante Millionen-Projekte - den Neubau der Franz-Fischer-Brücke im Stadtteil Bug und die energetische Sanierung der Sporthalle der Graf-Stauffenberg-Schulen - auf Eis gelegt, weil die Gewerbesteuer-Einnahmen zurückgehen. Es könnte also noch viel Wasser die Regnitz und den Alten Kanal hinunter fließen, bis die Mauer neu gegründet und aufgebaut ist und der Bauzaun ausgedient hat.


Erste Schäden tauchten 2010 auf
2010 waren die ersten Schäden sichtbar geworden: Ein Stück Straßenpflaster senkte sich. 2011, als die schadhafte Fläche schon größer war, wurde der Bauzaun aufgestellt. Dann ließ das Wasserwirtschaftsamt den gusseisernen Kran entfernen, um die Mauern zu entlasten. Sie neigen sich zwischenzeitlich auf einer Länge von etlichen Metern nach außen.

Mit einer provisorischen Asphaltschicht wird die Oberfläche provisorisch zusammen gehalten. Ursache der Schäden soll eine Ausspülung des Untergrunds durch eine defekte Abwasserleitung sein.

Gefahr ist laut Rost nicht in Verzug. Angeblich bewegt sich die Mauer seit eineinhalb Jahren nicht weiter. Trotzdem möchte "seine" Behörde die Sanierung nicht auf die lange Bank schieben. Jede Verschlimmerung mache die Arbeiten teurer, gibt man in Kronach zu bedenken. So sei nicht auszuschließen, dass eine längere Regenphase zu weiteren Ausspülungen und Schäden führt.


Plakativer Protest
Ungeduldig sind inzwischen auch namentlich nicht bekannte Bürger, die offenbar Parklizenzen für das Gebiet am Alten Kanal besitzen. Sie machen seit Wochen durch Spruchbänder am Bauzaun ihrem Ärger Luft: "Hier waren unsere Parkplätze" und "Seit Jahren zahlen wir nur noch dafür" steht darauf. Fakt ist: Durch die Absperrung sind Stellplätze weggefallen.

Der Stadtrat hat inzwischen reagiert und nach Auskunft des Baureferenten beschlossen, das Lizenzgebiet "G", zu dem der Alte Kanal zählt, in Richtung Ottostraße auszudehnen. Laut Beese ist im Hain-Viertel genug "Luft" für weitere Lizenzparkplätze. Die Erweiterung des "G"-Gebiets soll nach seinen Worten nicht zu Lasten derer erfolgen, die Parkausweise für das nördliche Haingebiet besitzen.