Wo bin ich da nur hineingeraten? Ich blinzele gegen das Sonnenlicht. Meine Augen müssen sich kurz an das Licht gewöhnen. Denn vor wenigen Augenblicken waren sie noch von einer pinken Augenbinde verdeckt. Jetzt stehe ich hier irgendwo in Bamberg. Wo genau? Ich weiß es nicht, denn ich komme eigentlich aus Köln. "Sie müssen nur dem Wasser folgen", ein Satz, den ich auf meinem Streifzug durch Bamberg noch häufiger hören werde.
Ich widerstehe dem ersten Impuls, mein Handy zur Hilfe zu nehmen, um mich zu orientieren. Stattdessen steuere ich zielstrebig auf zwei, wie ich hoffe, Bambergerinnen zu, die es sich auf einer Parkbank in der Sonne gemütlich gemacht haben. "Können Sie mir sagen, wo ich hier bin?" Ich ernte verständnislose Blicke, eine Antwort bekomme ich trotzdem. "Sie sind auf dem Erba-Gelände. Da vorne ist die Universität und wenn Sie in die Innenstadt wollen, dann müssen Sie nur dem Wasser folgen." Zudem erfahre ich, dass 2012 auf dem Erba-Gelände die Landesgartenschau stattgefunden hat und der Park nun der Allgemeinheit zur Verfügung steht. "Kann ich von hier aus zurück in die Innenstadt laufen?" Die Dame auf der Bank verkneift sich ein Grinsen und gibt mir zu verstehen, dass man das durchaus in 15 Minuten schaffen kann. "Wenn man sehr langsam geht", ergänzt sie. Prima, dann habe ich ja Zeit für eine Pause in der Sonne.


Vegane Kost mitten in Franken

Nur wenige Meter entfernt stoße ich auf das Café Zuckerl und stutze beim Blick auf die Karte: vegane Kuchen, vegetarische Speisen und fair gehandelter Kaffee. "Isst man in Franken nicht Schäuferla?", frage ich Inhaberin Lisa Burger. Die 26-Jährige lacht. "Doch, natürlich. Aber ich bin selber seit vielen Jahren Vegetarierin, seit sechs Jahren lebe ich vegan und ich wollte in meinem Café etwas von dieser Lebensart vermitteln." Das Zuckerl befindet sich mitten im Park in einem historischen Schleusenwärter-Häuschen. Vor drei Jahren, als die Stadt das Haus zum Verkauf freigab, habe sie sich sofort in das Gebäude verliebt. Auf der oberen Etage wohnt Lisa, unten ist ihr Café. "Hier steckt sehr viel Familie drin", erläutert sie und deutet auf die liebevoll gestalteten Schilder und Karten. "Meine Schwester ist Illustratorin und hat hier alles gestaltet." Dann lerne ich noch Eduard und Frieda kennen. Die beiden Enten sind Stammgäste im Zuckerl. Ein toller Zwischenstopp.
Wenig später treffe ich Studentin Lisa und ihre Hündin. Die beiden nehmen mich ein paar Häuserblocks mit. "Wenn du hier weiter gehst, dann kommst du am Konzerthaus vorbei. Dann nur über die Brücke und weiter am Wasser entlang. Dann bist du schon in der Altstadt", erklärt sie mir. Im historischen Zentrum angekommen, muss ich feststellen, dass die Touristendichte zunimmt. Echte Bamberger finde ich hier nicht mehr. Drei Mal spreche ich stattdessen Besucher aus Dresden an. Aber kein Problem. Von hier aus kenne ich den Weg zurück in die Redaktion.


Die Aktion Reportertausch

Der #ReporterTausch2018 ist eine Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Vom 14. bis 20. Mai 2018 tauschen Medienhäuser für fünf Tage ihre Reporter. Die Teilnehmer kommen in Lokalredaktionen in einer fremden Region zum Einsatz. An der Aktion nehmen 55 Redakteure von 29 Zeitungen aus ganz Deutschland teil. In die FT-Lokalredaktion Bamberg hat es Sarah Biere (Rheinische Post Düsseldorf), Sabrina Bauer (Generalanzeiger Bonn) und Frank Jung (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag) verschlagen. Dafür schreiben nun Sabine Christofzik für die Heidenheimer Zeitung und Anette Schreiber für den Patrioten in Lippstadt.