Der Regensburger Ring war und ist eine breite Verkehrsader im Bamberger Westen. So breit, dass es schwer fällt, sich vorzustellen, dass Verkehrsteilnehmer zu wenig Platz haben könnten. Bisher jedoch hatten Radfahrer tatsächlich zu wenig Platz.

Der städtische Baureferent Thomas Beese bezeichnete es als "Geburtsfehler" des Rings, bei dessen Bau vor rund 30 Jahren nur auf der Seite in Richtung Innenstadt einen Radweg in beide Richtungen installiert zu haben. Radler hatten dadurch wenig Raum, mussten die Straßenseite wechseln - oder illegal auf der Autospur fahren. Oder noch schlimmer: auf dem Gehweg.

Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Am 7. August wurde der dritte von fünf Bauabschnitten zum Ausbau der Nordtangente abgeschlossen. Dabei wurden nicht nur Radwege in beide Richtungen geschaffen, um die Wegeführung für Radler schlüssig und sicher zu machen. Die Knotenpunkte und Bushaltestellen wurden barrierefrei gestaltet, und die Straßenoberfläche wurde erneuert. Gesamtkosten aller Bauabschnitte: 3,1 Millionen Euro.

"Das zeigt, welche Maßnahmen wir für Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer ergreifen, um den Verkehr an die modernen Anforderungen anzupassen", erklärte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) dazu.

Kontroverse im Netz

Bei allen Problemen, die Corona mit sich bringe, habe die Krise beim Umbau des Ringes eher als Beschleuniger gewirkt, erklärte Baureferent Beese, weil Baufirmen schnell greifbar waren. Die Verbesserungen seien für alle Verkehrsteilnehmer deutlich spürbar.

Wie groß die Verbesserung für Fußgänger an der Ecke Mußstraße sei, darüber gab es in den sozialen Medien zuletzt eine kontroverse Debatte. Angezettelt hatte sie You Xie. Der CSU-Stadtrat, selbst Anwohner auf der Erba-Insel, hatte ein Foto ins Netz gestellt, das eine Engstelle für Fußgänger zeigt, die zwischen einem Laternenpfosten und dem neu markierten Radweg durchgeführt werden. Die Grünen witterten "Fakenews" und erinnerten Xie daran, dass dereinst die CSU in der Großen Kooperationsgemeinschaft für die Gestaltung gestimmt habe.

Ist die jetzige Gestaltung nun eine Verbesserung - oder nicht? Wir haben die beiden Parteien um Gastbeiträge gebeten, um die Kontroverse auf den Punkt zu bringen. Für die CSU schreibt Stadtrat You Xie. Für die Grünen argumentiert Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp.

You Xie:

Regensburger Ring: "Für Fahrradfahrer gut, für Fußgänger schlecht, besonders eng für Mutter mit Kind oder Vater mit Kind": Das habe ich zu einem Foto geschrieben, das eine enge Stelle am Ring zeigt. Ich wohne selbst in der Mayerschen Gärtnerei und gehe jeden Tag diesen Weg. Und bei mir haben sich oft junge Mütter mit Kinderwagen, ältere Fußgängerinnen und Fußgänger beschwert: sehr eng, vor allem weil die Büsche oft nicht mal geschnitten würden. Bei sachlicher Politik auf kommunaler Ebene geht es nicht um Parteien, sondern um die Sache. Daher fragte ich auf Facebook, ob es eng sei für Fußgänger oder nicht. Die Diskussionen in Facebook liefen leider völlig anders. Ich habe zigmal wiederholt, dass es nicht um eine Schuldzuweisung in Richtung einer Partei geht. Es ist lediglich ein Hinweis, um eine optimale Lösung zu finden und das Missverhältnis der Breite des Fußgängerweges zu lösen. Als Partei setzt sich die CSU ein für die Gleichberechtigung aller Mobilitätsformen. Das Mobilitätsverhalten der verschiedenen Altersgruppen in unserer Stadt ist unterschiedlich. Während jüngere Menschen eher zu Fuß, mit dem Rad oder in einem gemeinsam genutzten Fahrzeug (Carsharing) unterwegs sind, sind Seniorinnen und Senioren häufiger auf das eigene Fahrzeug oder den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen. Es ist daher falsch gedacht, allein und ausschließlich auf das Fahrrad als Verkehrsmittel der Zukunft zu setzen. Das Ziel der CSU ist deshalb der Ausbau der Mobilität für alle, damit alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt gleichberechtigt am Verkehrsgeschehen teilhaben können. Am Regensburger Ring liegen die Anna-Maria-Junius- und die Maria-Ward-Straße, beides Fahrradstraßen. Da fahren viele Studenten nebeneinander und beachten die Fußgänger nicht. Ich rege deshalb an, die beiden Straßen als verkehrsberuhigten Bereich auszuweisen.

Jonas Glüsenkamp:

Die Bamberger Grünen konterten die Kritik der CSU. "Sachliche Auseinandersetzung? Ja, gerne! Fakenews? Nein, danke!". Meine Partei hält es für falsch und "brandgefährlich, Fuß- gegen Radverkehr auszuspielen", denn dies "verstärkt vor allem Konflikte zwischen den Menschen auf der Straße, die es doch zu reduzieren gilt", wie Grünes Bamberg in den sozialen Medien schrieb. Mein Beitrag dazu ist:

Nach der Stadtratswahl 2014 setzte sich die damalige konservative Stadtratsmehrheit in den Kooperationsverhandlungen ein wesentliches verkehrspolitisches Ziel - die Umgestaltung des Regensburger Rings, insbesondere die Stärkung der Geh- und Radinfrastruktur. Mit Hilfe von staatlichen Fördermitteln, beispielsweise auch aus der Nationalen Klimaschutzinitiative, ließ sich das Großprojekt durch Beschluss im Stadtrat verwirklichen. Eine Kraftanstrengung des Stadtrats und der Stadtverwaltung. Die ökologischen Fördermittel flossen insbesondere vor dem Hintergrund der Verbesserung der Rad- und Gehweginfrastruktur. So ist der Fußweg auf voller Länge breiter geworden, teilweise sogar doppelt so breit wie zuvor. Das Projekt ist ein Erfolg, wobei eine neue verkehrliche Infrastruktur immer zunächst etwas Zeit braucht, bis Gewöhnungseffekte bei allen Verkehrsteilnehmenden eintreten. Wir leben in einer historischen Stadt, in der der Platz begrenzt ist. Um Geh- und Radverkehr weiter zu stärken, ist eine Flächenumverteilung zwischen den Verkehrsmitteln nötig. Derzeit sind wir im Stadtrat auf der Zielgrade zum Verkehrsentwicklungsplan 2030: Der Stadtrat hat 2017 einstimmig beschlossen, dass im Jahr 2030 nur noch 25 Prozent der Wege in der Stadt mit dem Auto zurückgelegt werden sollen. Derzeit sind es etwa 40 Prozent. Wir werden also auch in Zukunft Anstrengungen unternehmen müssen, um die Fuß-, Rad- und ÖPNV-Infrastruktur zu verbessern, damit wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen.