Am Ende war nicht so ganz klar, ob es bei dieser Abstimmung in der Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-West mehr um die Zukunft ging oder um die Sache selbst. Denn in der Sache wird sich auch Oberfranken-West an den Beschlüssen des bayerischen wie des Bundeskabinetts in Sachen Energiewende zu orientieren haben, und die lagen gestern einfach noch nicht vor, weil sie erst in diesen Tagen gefasst werden. Deshalb beantragten die Landräte von Lichtenfels und Forchheim, Christian Meißner (CSU) und Reinhardt Glauber (FW), die Sache zu vertagen. Doch damit stießen sie auf Widerstand vor allem aus Stadt und Landkreis Bamberg.

Bevor Günther Denzler die nach seinen Worten "letzte Runde" bei der Verabschiedung des Regionalplanes in Sachen Vorrangflächen zur Nutzung der Windenergie einläutete, merkte er noch an, dass die damit auszuweisenden Flächen noch nicht verbindlich seien.
Grund: Das Bundeskabinett müsse erst noch über die in den Koalitionsvereinbarungen zwischen SPD und CDU/CSU ausgehandelte "Länderöffnungsklausel" befinden, die den Bundesländern eigene Regelungen zum Beispiel über die nötigen Abstände von Windrädern zu Wohngebieten ermögliche. Und erst danach könne der Freistaat Bayern für sein Gebiet entsprechende Festlegungen treffen (und damit wiederum den Regionalen Planungsverbänden die Grundlagen für ihre Planung vorgeben). Denzler sah allerdings die Gefahr einer "Verspargelung" der Landschaft durch Windräder, wenn es keinen Regionalplan gebe, und bat, die Konsequenzen einer Verzögerung zu bedenken.

Keine negativen Folgen befürchtete allerdings der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner. "Die Zeit bis zur nächsten Zusammenkunft ist doch recht überschaubar", hielt er in der Begründung seines Geschäftsordnungsantrages entgegen, den Beschluss über die Ausweisung von Vorrangflächen zur Nutzung der Windenergie zu vertagen. "Ich glaube nicht an eine plötzliche Verspargelung der Landschaft", so Meißner, schließlich diskutiere man die Fortschreibung des seit 1998 gültigen Regionalplanes schon seit 2010. Außerdem lägen "wesentliche Planungsgrundlagen" wie die Entscheidungen in Berlin und München eben noch nicht vor. "Erst wenn wir alles wissen, können wir auch entscheiden". Es sei für die Bürger nicht nachvollziehbar, einfach mit der Planung weiter zu machen, als wäre in Berlin und München in der Zwischenzeit nichts geschehen. Schon um die Regierung von Oberfranken bei der Ausführung der Planung nicht "in eine missliche Lage zu bringen", solle man, so Meißner, mit der Entscheidung noch warten. "Ich appelliere an Sie: Wir vergeben uns doch nichts, wenn wir noch wenige Monate warten. Deshalb bitte ich ganz herzlich um Unterstützung".

Es ging auch um Vorsitz

Doch es half alles nichts. Denn von Bamberger Seite aus war die Abstimmung offenbar mit der Grundsatzfrage darüber verbunden worden, wer nun Herr im Hause Regionaler Planungsverband ist und - vor allem - sein wird. Und da konnten und wollten die Bamberger Versammlungsmitglieder vermutlich keine Zugeständnisse machen: Man stand zu Günther Denzler und lehnte in dessen vielleicht letzter Sitzung als Vorsitzender zusammen mit Kronach und Coburg den Vorstoß mit 11:7 Stimmen ab. Vor der Abstimmung hatten die Sachbearbeiter Christiane Odewald und Thomas Engel ihre Vorlage nochmals ausführlich begründet und appelliert, an der Ausweisung der Vorranggebiete festzuhalten.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Vorrangflächen Geutenreuth-Nord (60 Hektar), Steinfeld-Nord (etwa 40 Hektar), Buckendorf-Süd (48 Hektar) sowie Pinzberg Süd-West und -Ost (etwa 70 Hektar) aus der Planung genommen. Neu dazu kommen sollen Brunn-Nord (etwa 140 Hektar), sowie Teilbereiche von Hohenellern und Neudorf/Scheßlitz. Damit sieht die Planung laut Geschäftsführer Klaus Motschenbacher jetzt 35 statt 37 Vorranggebiete vor. Die Fläche beträgt insgesamt etwa 2450 Hektar. Festgehalten wurde an den ursprünglichen Abstandskritieren zur Wohnbebauung, weil, so Motschenbacher, die Abstände dann sowieso von den jeweils zu errichtenden Windrädern aus zu messen sind; die Grenzen der Vorrangflächen seien da nicht relevant.
Die Planung wurde einstimmig gebilligt und wird der Regierung von Oberfranken zur Verbindlich-Erklärung vorgelegt.