Wie wird der Neue wohl so sein? Spannung liegt an diesem Mittwochabend in der Luft, kurz vor dem Beginn der Abendmesse in der Oberhaider Kirche St. Bartholomäus. Etwa 25, 30 Personen warten in den Bankreihen darauf, dass das Glöckchen an der Sakristei erklingt und der Priester mit den Ministranten einzieht.

Lächeln huscht über die Gesichter: "Ich bin Abbé Patrice und grüße Sie alle herzlich", eröffnet der bisher noch Unbekannte den Gottesdienst in tadellosem Deutsch. Und zelebriert mit Andacht und Würde, trägt die liturgischen Texte klar und verständlich vor. Es ist die erste Messe, die dieser 61-jährige Priester aus Bambergs senegalesischem Partnerbistum Thiès in Oberhaid feiert. Viele werden folgen.
Denn Abbé Patrice Mor Faye bleibt für mindestens drei Jahre als Pfarrvikar in der Dorfgemeinde und wird auch im Pfarrhaus wohnen.

"Wir sind froh, einen ausgewiesenen Seelsorger zu bekommen, der in seiner Heimatdiözese wichtige Aufgaben erfüllt hat", sagt Dekan Christoph Uttenreuther aus Hallstadt. Die Oberhaider Gemeinde "will jetzt verlässliche Seelsorge", die nun gewährleistet sei. Nach den Turbulenzen um den einstigen Pfarrer Stefan Hartmann, der seiner Gemeinde erst eine jugendliche Tochter präsentierte und dann einer Frau zuliebe das klerikale Handtuch warf, blieb zunächst monatelang ein fest installierter Nachfolger aus. Zwei Mal war diese Pfarrstelle ausgeschrieben worden, doch "niemand hat sich beworben", erklärt der Dekan.

Christoph Uttenreuther übernahm die Pfarradministration, behält diese verwaltungsmäßige Aufgabe auch weiterhin. Zwei Mitbrüder unterstützten den Dekan in der Feier von Gottesdiensten. Mit Abbé Patrice kann nun das Pfarrschiff von Oberhaid, Unterhaid und Staffelbach in ruhigere Gewässer gesteuert werden. "Ich übernehme alles außer Verwaltung, die in Deutschland anders läuft als im Senegal", betont Patrice Mor Faye.


Für Kollegen eingesprungen

Das Erzbistum Bamberg als solches ist ihm jedoch vertraut, allein schon durch die Jahrzehnte währende Freundschaft der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) mit der entsprechenden Partnerorganisation im Bistum Thiès und den ungezählten Reisegruppen aus Franken, die Alois Berner in den Senegal geführt hat. Über 15 Jahre lang ist Abbé Patrice im Sommer für seine fränkischen Kollegen in Hollfeld, Waischenfeld und Bamberg-Bug als Urlaubsvertreter eingesprungen. Er hat hier viele Freunde gefunden und sich intensiv in die seit 2007 besiegelte Partnerschaft zwischen den Bistümern Bamberg und Thiès eingebracht.

Sein nunmehriger Dienst in Oberhaid ist eine konkrete und genießbare Frucht dieser Partnerschaft: "Ich habe sofort Ja gesagt, als mein Bischof mir berichtete, dass Bamberg einen Priester aus Thiès braucht", lächelt Abbé Patrice. Er war zuletzt persönlicher Referent von Bischof André Gueye, Nationalseelsorger der senegalesischen katholischen Landbevölkerung, gefragter Gesprächspartner von muslimischen Geistlichen, Gymnasiallehrer, zuvor Pfarrer an verschiedenen Orten des Bistums Thiès.


Zeicchen des Vertrauens

"Ich gebe meine rechte Hand, Abbé Patrice, für die Partnerschaft", hatte Bischof André dem Bamberger Domberg zugesichert. Der Abbé wertet das als ein Zeichen des Vertrauens, das sein Bischof in ihn setzt. Vertrauen, das ihm auch Bamberg entgegenbringt, ihm beispielsweise im Zuge der Vorplanungen klaren Wein über die Hartmann-Geschichte einschenkte. "Es gibt für mich keine Geheimnisse in Oberhaid", sagt Abbé Patrice. Er wünsche sich, dass "ich von der Gemeinde akzeptiert werde und mit ihr Christ sein darf". Und er bittet "anfangs um Geduld mit mir!"

Nach der Abendmesse am Mittwoch gehen Menschen auf ihn zu, bekunden ihre Freude über seinen Dienstbeginn. Der wird offiziell am Samstag, 17. September, in der Vorabendmesse um 18 Uhr durch Dekan Christoph Uttenreuther und Generalvikar Georg Kestel eingeläutet. Dann wird Abbé Patrice als Pfarrvikar eingeführt und - ganz partnerschaftlich - der diözesane Senegalsonntag damit verbunden. Dieser wird traditionell jedes Jahr am dritten Sonntag im September in einer anderen Pfarrei des Erzbistums begangen. Für die afrikanisch-musikalische Gestaltung des Gottesdienstes und der anschließenden Agape sorgt Alexis Madokpon aus dem Benin mit seinem Chor aus der Bamberger Region.