Betritt man in diesen Tagen den Kunstraum Kesselhaus in der ehemaligen Heizzentrale des Alten Krankenhauses, so begegnet dem Besucher ein höchst seltsames Ding. Unweigerlich fragt man sich: "Was ist das?". Ein riesiges, schwarzes Etwas füllt da den Raum aus, es scheint durch das quadratische Loch im Fußboden hochzuquillen. Es versperrt Wege, Sichten und reicht bis an die Decke. Es nimmt das Kesselhaus fast vollständig ein und bringt den Betrachter zum Staunen. Dieser riesige Fremdkörper irritiert, obwohl er sich auch dem Raum anpasst.

"Knick" lautet der Name dieses Gegenstands und der Ausstellung, die am Wochenende im Kesselhaus eröffnet wurde. Geschaffen hat dieses "Ding" die österreichische Künstlerin Katharina Mayrhofer. Sie selbst verwende für ihr Kunstwerk den Begriff "Objekt", wie die Vorsitzende des Bamberger Kunstvereins, Barbara Kahle, in ihrer Ansprache erklärte.
Und zieht bei Betrachtung Mayrhofers Kunst Verbindungen zu Konzeptkünstler Marcel Duchamp oder dem Minimalisten Donald Judd. Ebenfalls schwebe Beuys‘ "Soziale Plastik" konzeptionell noch etwas im Hintergrund, auch wenn dies für die junge Künstlerin längst ein "alter Hut" sei, so Kahle.

Das Kunstobjekt ist im Rahmen einer Semesterarbeit entstanden und wurde schon drei Mal ausgestellt. Drei weitere Ausstellungen sind fest geplant. Das Kesselhaus sei für sie eine Herausforderung gewesen, sagt Katharina Mayrhofer. Denn normalerweise erstrecke sich der Knick über 25 Meter, im Kesselhaus sei nur die "Soft-Variante" mit 15 Metern zu sehen: "Es war Glück, dass ich das Objekt genau so aufbauen konnte, wie ich es mir vorgestellt hatte", erklärt die Künstlerin, die bildende Kunst mit dem Schwerpunkt experimentelle Gestaltung an der Kunst-Universität in Linz studiert. Zuvor hat sie vier Jahre lang klassische Bildhauerei gelernt. Jetzt sie kurz vor ihrer Diplomprüfung.

Das Projekt Knick habe ihr sehr viel Kraft abverlangt, erklärt die 25-Jährige, die das Objekt selbst finanziert hat. Bei ihr sei es anders als bei vielen anderen Künstlern, die erst eine Idee haben und dann genau wissen, wie sie diese umsetzen wollen, erzählt Mayrhofer: "Ich beobachte und sammle viele unterschiedliche Materialien, mit denen ich arbeiten möchte. Es dauert aber Jahre bis der Zeitpunkt kommt."

2011 war dann der Zeitpunkt für die schwarze PE-Folie, die sonst in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt. Die Folie ist zu einem riesigen Schlauch verbunden worden, der mit Luft gefüllt wird: "Die spürbare Instabilität der mit Luft gefüllten, mobilen Plastik setzt dabei einen ganz auffälligen Kontrapunkt zur harten Betonarchitektur des Kesselhauses", so die Vorsitzende des Kunstvereins Barbara Kahle. Das Schöne an dem Objekt ist zudem, dass man es anfassen, erleben und sogar begehen darf. "Bitte nicht berühren, das gilt hier nicht", betonte Barbara Kahle. Und Bürgermeister und Kulturreferent Werner Hipelius (CSU), der Katharina Mayrhofer, als "junge, begabte Künstlerin" bezeichnete, brachte es auf den Punkt: "Wann hat man schon einmal die Möglichkeit Kunst anzufassen".

Knick macht den Betrachter klein, lässt ihn klein wirken, verschlingt ihn zu guter Letzt. Wenn man sich durch den wulstigen Eingang in das Objekt zwängt, so umgibt es einen von allen Seiten, schließt einen ein - nichts für Menschen mit Platzangst. Der Betrachter verschmilzt fasst mit dem Objekt, wird Teil des Objekts - eine außergewöhnliche Erfahrung. Mayrhofer selbst sagt: "Es reagiert auf den Raum und auf den Menschen". Der Künstlerin ist anzumerken, dass sie die unterschiedlichsten Reaktionen der Betrachter genießt: "Ich fühle mich wie neu geboren", so der erste Satz eines Besuchers als er das Objekt wieder verlässt. Auch Vergleiche mit einem Riesen-Kunstdarm muss das Objekt über sich ergehen lassen.

Kunst, die irritiert, die Spaß macht und erfahrbar ist. Barbara Kahle: "Wir erst erwecken das Objekt zum Leben, denn jede kleinste Berührung der Folie gibt Impulse, die sich in Wellen fortsetzen. Das Objekt beginnt quasi zu atmen." So würden neue Raumerfahrungen möglich und das Objekt als Setzung im dreidimensionalen Raum werde selber zu einer Architektur, erklärte die Vorsitzendes des Kunstvereins.

Termin Die Ausstellung "Knick" ist noch bis zum 2. April im Kunstraum Kesselhaus in der Unteren Sandstraße zu sehen. Öffnungszeiten: jeweils Freitag, Samstag, Sonntag von 14 bis 19 Uhr, auch Karfreitag und zusätzlich am Ostermontag.

Führungen Termine für Gruppenführungen können bei Barbara Kahle ausgemacht werden: Telefon 0951/68171.