Schneeballsystem, Insolvenzverschleppung, Wirtschaftsskandal - die Insolvenz der Immobilienfirma German Property Group (GPG) könnte sich zum größten Anlagebetrug der letzten Jahre auswachsen. Mehrere Hundert Millionen Euro sollen spurlos verschwunden sein, ausländische Kleinanleger - vor allem aus Großbritannien - haben teilweise ihr gesamtes Erspartes verloren. Und in mehreren deutschen Kommunen verfallen denkmalgeschützte Gebäude. So auch in Bamberg.

Dort hatte die GPG zwei Gebäude erworben - und über Jahre verfallen lassen. Das eine, Heimat des beliebten Traditionsclubs "Sound-n-Arts" in der Oberen Sandstraße, war schließlich so marode, dass es als einsturzgefährdet galt. Der Club musste schließen, auch die benachbarten Gastronomien litten unter Einschränkungen. Nun gehört das Gebäude wieder der Stadt, alle bürokratischen Hürden sind genommen und die Stadt will ein Nutzungskonzept  erarbeiten, in dessen Ausarbeitung auch der Stadtrat und lokale Initiativen eingebunden werden sollen. Aber bis wieder Leben in das Gebäude einkehren wird, könnte noch so einiges Wasser die Regnitz hinab fließen.

Mehrere hundert Millionen Euro einfach verschwunden

Bei dem zweiten Gebäude, dem ehemaligen "Roten Ochsen" in der Unteren Königsstraße, ist bisher hingegen wenig passiert. Martin Lorber, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg, hatte Anfang des Jahres versucht, mit der GPG zu einer Einigung zu kommen. "An sich hatte ich schon gehofft, dass die Firma Interesse an einer positiven Außendarstellung oder der Meinung der Bamberger Bevölkerung hat", hatte der 46-Jährige damals gegenüber inFranken.de gesagt. Dies hatte die Firma aber offensichtlich nicht. Die Stadt Bamberg bemüht sich derweil weiter darum, das Gebäude aus der Insolvenzmasse der GPG zu erwerben - man stehe in Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter, heißt es seitens der Stadt. Zum laufenden Verfahren könne man derzeit nichts sagen.

Dies tun dafür andere: Eine Kooperation von NDR, BR und Süddeutscher Zeitung versucht, Licht in jenes undurchsichtige Firmengewirr zu werfen, das sich German Proberty Group nennt und früher einmal als "Dolphin Trust" bekannt war. Dabei habe man Einblicke in die Insolvenzunterlagen bekommen - und versucht, die zwielichtigen Geldflüsse an private Finanzvermittler und Familienangehörige des Firmengründers nachzuvollziehen. 

Immer klarer zeichnet sich dabei die Geschäftsidee der GPG ab: Etwa eine Milliarde Euro soll die Immobilienfirma seit 2008 von Anlegern eingesammelt haben. Diesen Anlegern versprach man Renditen von 15 Prozent - und ein scheinbar sicheres Geschäft: Gilt der deutsche Immobilienmarkt doch als sehr vertrauenswürdig. Ein Großteil des angelegten Geldes ist jedoch verschwunden - mehrere Hundert Millionen Euro.

Vorwürfe gegen deutsche Behörden - "noch nie erlebt"

Im Zentrum der Diskussion steht Charles Smethurst, der "Gentleman der Immobilienbranche", wie es in einem wohlwollenden Bericht über den Unternehmer mit britischen Wurzeln heißt. Der hatte sich mit seinen Unternehmen immer wieder an klamme deutsche Kommunen gewandt und verfallende, oft denkmalgeschützte Immobilien erworben, um diese dann zu renovieren und teurer zu verkaufen.

Rund 100 dieser Gebäude soll es geben, unter anderem warten laut BR  in Augsburg 50 Wohnungen seit Jahren auf ihre Fertigstellung. Neben dem dabei anfallenden Gewinn hatte dies noch steuerliche Vorteile - und die Kommunen waren gefühlt einen Klotz am Bein los. Eine Win-win-Situation. Scheinbar zumindest. Denn: Passiert ist in vielen Fällen wenig bis nichts. Dies hatte schon in den vergangenen Jahren öfters zu Verstimmungen geführt - geplatzt ist die Blase erst jetzt. 

Nun liegen der Staatsanwaltschaft in Hannover mehrere Anzeigen gegen Smethurst vor. Laut Recherchen des NDR, BR und SZ  habe sich Smethurst zur Kooperation bereit erklärt, doch dieses Versprechen wohl nie eingehalten. Auch der Internetauftritt von Smethurst wurde gelöscht. Nur in den Archiven des Netzes findet man noch den smart lächelnden "Immobilienexperten mit viel Erfahrung in den Bereichen Denkmalschutz und Projektentwicklung" - wie er sich selbst beschrieb. 

Haben die Behörden zu spät reagiert?

Mit Vorwürfen müssen sich jedoch auch die deutschen Behörden auseinandersetzen. Haben sie zu spät reagiert, das Verfahren verschleppt und so indirekt den Anlegern geschadet? So sieht es zumindest FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, der geprellte britische Anleger als Anwalt vertritt. "Ich habe es in 36 Jahren Strafverteidiger-Erfahrung noch nie erlebt, dass eine Staatsanwaltschaft so lange wartet", so Kubicki. 

Die Recherchen von NDR, BR und SZ zeigten, dass deutsche Behörden bereits seit Jahren mit der GPG zu tun hatten. Bilanzen seien nur unvollständig oder gar nicht erstellt worden. Das Bundesamt für Justiz mahnte nach den Recherchen mehrfach eine Offenlegung an und verhängte Ordnungsgelder. Doch mehr passierte anscheinend nicht. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hätte laut BR genauer hinsehen müssen - tat es aber nicht.

Es bleibt das Gefühl, dass sich viele Beteiligte im Fall der German Property Group nicht mit Ruhm bekleckert haben. Nun geht es darum, die Vorkommnisse aufzuklären. Doch dies wird wohl noch Jahre dauern. Die GPG hat im Juli 2020 Insolvenz angemeldet, doch das Verfahren wird sich noch Monate hinziehen. Und bis die Zukunft der verfallenden Immobilien - wie des "Roten Ochsens" in Bamberg - geklärt ist, wird es noch lange dauern.