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Nach Zauberfest-Absage: Streit ums Einkaufen am Sonntag

Dem Bamberger Einzelhandel drohen massive Umsatzeinbußen. Doch der Wunsch auf drei zusätzliche offene Sonntage stößt auf Widerspruch.
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Ein Bild aus dem Jahr vor der Corona-Krise: Sind zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ein probates Mittel, um dem Einzelhandel zu helfen?  Ronald Rinklef
Ein Bild aus dem Jahr vor der Corona-Krise: Sind zusätzliche verkaufsoffene Sonntage ein probates Mittel, um dem Einzelhandel zu helfen? Ronald Rinklef

Dem Bamberger Einzelhandel drohen massive Umsatzeinbußen. Doch der Wunsch auf drei zusätzliche offene Sonntage stößt auf Widerspruch.Das Stadtmarketing hat sich lange Zeit gelassen, doch am Freitagmittag war die Entscheidung unvermeidlich geworden: 2020 wird Bamberg nicht nur auf die Sandkerwa verzichten müssen, sondern auch auf "Bamberg zaubert" und das im August geplante Blues- und Jazzfestival.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müssen wir leider davon ausgehen, dass in diesem Jahr gar keine Großveranstaltungen mehr möglich sind", begründete Klaus Stieringer von Stadtmarketing die Absage der beiden Großveranstaltungen. Sie sei schwer gefallen. Denn es geht um Millionen, die der Bamberger Wirtschaft fehlen werden.

Die neuen Hiobsbotschaften treffen die Innenstadt in einer kritischen Lage. Nach wochenlangem Shutdown braut sich ein düsteres Szenario zusammen: "Wir haben eine Umfrage unter Mitgliedsfirmen gemacht. Über 50 Prozent der Geschäfte stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir laufen in eine Insolvenzwelle, die vieles verändern könnte", fürchtet Klaus Stieringer.

Die Lagebeschreibung ist drastisch, die Hoffnung auf einen Ausweg klein. Niemand kann sagen, wie lange die Einschränkungen dauern, die bereits zur Absage des Oktoberfestes in München führten. Könnten zumindest die letzten Wochen des Jahres den ums Überleben kämpfenden Bamberger Händlern helfen? Auch Stieringer zweifelt, ob wir bereits das Licht am Ende des Tunnels sehen. "Doch wir müssen jeden Strohhalm greifen den wir haben", sagt er und begründet eine Forderung, die kaum veröffentlicht auf Widerstand stößt: drei zusätzliche verkaufsoffene Sonntage zum Ende des Jahres.

Der Streit um offene Läden am Sonntag - er ist Jahrzehnte alt, doch es spricht manches dafür, dass Corona auch diese Debatte neu entfachen wird. Was ist geplant? Bislang können die Einzelhändler in Bamberg nur von einem verkaufsoffenen Sonntag in Bamberg ausgehen, der am 9. August stattfinden sollte. Nun will das Stadtmarketing Ausnahmen: Die Anlassbindung solle wegfallen. "Es geht hier nicht um das übliche Wehklagen des Einzelhandels. Wir brauchen diese Sonntage in der Weihnachtszeit, damit es nicht zu einem großflächigen Ladensterben kommt. Es nicht zu tun, wäre fahrlässig", sagt Stieringer.

Bambergs Linke Liste scheinen diese Befürchtungen wenig zu interessieren: "Diesen Vorschlag allein schon öffentlich zu machen, ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Wir brauchen mindestens einen Tag in der Woche für Ruhe und Erholung", finden Paul Lehmann und Stephan Kettner in einer Reaktion. Sie schlagen stattdessen zusätzliche Veranstaltungen am Samstag vor. Persönlich werfen die Linken SPD-Stadtrat Klaus Stieringer, vor, wortbrüchig zu sein. Die SPD habe sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, "auf weitere verkaufsoffene Sonntage zu verzichten". Und jetzt?

Hört man Stieringer, dann geht es um eine Ausnahmeregelung in einem Ausnahmejahr. Davon, dass hier sozialdemokratische Werte verraten würden, könne keine Rede sein.

Darf es 2020 eine zusätzliche Ladenöffnung vor Weihnachten geben? Wäre das ein Impfstoff gegen die Wirkung des Virus auf den Einzelhandel? Vieles wird davon abhängen, wie sich die Grünen im Stadtrat positionieren. Jonas Glüsenkamp, den wir danach fragten, hält eine Entscheidung derzeit für wenig sinnvoll. Er erinnert, dass die Grünen einer Aufweichung des Sonntagsschutzes stets skeptisch gegenüberstanden. Doch klar sei auch: "In solchen Zeiten ist nichts ausgeschlossen."

Kommentar des Autors:

Das Virus und der Sonntagshandel

Den Sonntag zu heiligen, ist in Bamberg eine lange und mit großem Engagement gepflegte Tradition, nicht nur wegen der kirchlichen Wurzeln dieser Stadt. Auch Gewerkschaften und andere soziale Organisationen mögen sich aus guten Gründen nicht damit anfreunden, auch noch den letzten Tag in der Woche der Gewinnsteigerung zu opfern.

Doch es ist fraglich, ob diese klare Position auch noch 2020, im Jahr einer existenziellen Bedrohung des stationären Einzelhandels, aufrecht erhalten werden kann. Auch wenn derzeit niemand sagen kann, ob solche Veranstaltungen im Dezember wieder erlaubt sein werden, geht es in der anstehenden ich Abwägung nicht mehr um die Frage der Balance zwischen den Gegensätzen Betriebsamkeit und Ruhe. Wenn man den Stimmen aus dem Handel Glauben schenken darf, steht die Existenz vieler Geschäfte auf dem Spiel.

Vor diesem Hintergrund sollten Ausnahmen 2020 möglich sein. Mit Grabesruhe hat Sonntagsschutz wenig zu tun.