Spanplatten trennen die Wahlkabinen in der Alten Schule voneinander ab. In große Urnen kommen anschließend die abgegebenen Stimmen. Mehrere Wahlhelfer begrüßen jeden einzelnen der Wähler, die sich nach und nach in der Schlange einordnen, die sich vor dem Wahllokal gebildet hat. Es herrscht Andrang. Anders ist es in dem Raum daneben: In einer Ecke steht ein altes Trampolin, daneben eine kleine Tafel mit verwaschenen Kreidespuren - wohl ein altes Klassenzimmer. Auf einem Tisch liegt umgedreht eine kleine Box, darauf ein Kugelschreiber. Genauso wie das offizielle Wahllokal, ist auch dieser Raum zum Wählen da. Und zwar für die Hochrechnung der Landtagswahl-Ergebnisse im Fernsehen.

Für "Infratest dimap"

Walter Franz Bauer ist einer der Helfer, die für die Prognose am Wahltag zuständig sind. Er steht vor dem gesonderten Raum, zusammen mit einer blauen Urne, auf der "ARD" geschrieben ist, und bittet die Wähler, an der Hochrechnung teilzunehmen. Er ist für das Institut "Infratest dimap" in der Alten Schule. Dieses arbeitet im Auftrag des "Ersten" an der Hochrechnung der Landtagswahl. Nachdem die Wahlberechtigten ihre ersten Kreuze gesetzt haben, reicht ihnen Bauer einen zweiten Wahlzettel in die Hand, diesmal für die Prognose. Ehe er dann die Auswertungen an die Zentrale in Berlin weiterleitet.

Weitergabe per Codes

"Es gibt sechs Zeitblöcke, nach denen ich die Ergebnisse weiterleiten muss", verrät Bauer und schaut auf seine Uhr. Der nächste ist fast vorbei. Zeit, die Daten abzuschicken: Dazu geht er in das alte Klassenzimmer, verschließt die Tür. Die Zahlen sind streng vertraulich. Eines kann der Wahlhelfer jedoch verraten: "Ich gebe die Ergebnisse in Form von Codes weiter", erklärt er. Dafür sind die Zahlen- und Buchstabenkombinationen da, die auf dem Wahlzettel der Prognose verteilt sind. Jede Partei ist mit ihrer eigenen Kombination versehen: A1, A2, A3, und so weiter. Genauso wie Alter und Geschlecht des jeweiligen Wählers. Wenn Bauer also mit der Zentrale telefoniert, gibt er Codes an sie weiter, die anschließend dort verrechnet werden.

Walter Franz Bauer hilft seit zehn Jahren bei Prognosen verschiedener Wahlen mit, sei es auf Bundes- oder Landesebene. Seine Erfahrung sagt ihm: "Die Hochrechnungen sind in der Regel sehr akkurat." Und das, obwohl der Rentner nicht jeden der Wähler in der Alten Schule zur Teilnahme überreden kann. Manche stürmen regelrecht aus dem Wahllokal, nachdem sie ihr Kreuz gesetzt haben, geben Bauer überhaupt keine Chance, sie für die Umfrage zu gewinnen. Andere winken ihm gar ab und schnauben: "Damit will ich nichts zu tun haben!"

Hohe Beteiligung

Das ist für Bauer aber nicht so schlimm, denn "insgesamt ist die Beteiligung hoch und die meisten machen mit". So auch Felix Dütsch, der an diesem Tag seine ersten Kreuze bei einer Wahl setzt. Der 18-Jährige überlegt nicht lange, als Bauer ihn auf die Hochrechnung anspricht. "Ich finde, das ist eine tolle Sache, dass ich daran teilnehmen kann", sagt er. Lange musste er auch nicht überlegen, als er sich für seine Stimme entschieden hat, verrät der Erstwähler. "Ich habe im Vorfeld den Wahl-O-Mat gemacht und mich so mit dem Programm der Parteien auseinandergesetzt", meint Felix. Im Wahl-O-Mat können sich Unentschlossene über die Zielsetzungen der jeweiligen Parteien informieren. Anschließend spuckt der Wahl-O-Mat Vorschläge aus, gemäß den Antworten eines Fragebogens.

Den Fragebogen von "Infratest" hat auch Doris Wachter ausgefüllt. Mit einem Grinsen kommt sie aus dem alten Klassenzimmer mit dem Trampolin und der Tafel, wirft ihren Zettel in die blaue "ARD"-Urne und meint: "Ich freue mich schon, die Hochrechnung im Fernsehen zu verfolgen."