Nach zwölf Jahren im Angestelltenverhältnis wollte die Sozialpädagogin Ulla Knipping etwas anderes und sich selbstständig machen. Gemeinsam mit Elisabeth Barth, einer gelernten Designerin, sattelte sie um. Seit August 2013 betreiben die beiden 48 und 56 Jahre alten Bambergerinnen ein rollendes Café, das bei schönem Wetter nachmittags jeweils ein paar Stunden Station an der alten Schleuse 100 macht.

Beim Kaffee-Trinken bleibe es selten, ein Plausch entwickle sich fast immer, erzählen die beiden Bambergerinnen. Der beliebte Geh- und Radweg in der Verlängerung des Mühlwörths - sie stehen dort auf Grund und Boden, für den das Wasserwirtschaftsamt Kronach zuständig ist - hat sich für sie als idealer Standort erwiesen.

Bei gutem Wetter herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.
Es gibt inzwischen Stammgäste, die schon das Kleingeld für einen Espresso, Cappuccino oder eine Schokolade bereit halten und gezielt vorbei kommen. Andere entdecken die Frauen mit ihrem Fahrrad-Café Marke Eigenbau zufällig, halten spontan an und gönnen sich eine Kaffee-Pause.

Kaffeepause im Grünen

"Einmalig, wunderschön, das belebt alles", urteilt Manfred Kraus aus Amlingstadt über das Angebot. Mit seinem Fahrrad ist er viel unterwegs und findet, dass Barth und Knipping mit ihrer Geschäftsidee Bamberg noch interessanter machen würden.

"Einmalig" ist allerdings nicht, was die beiden seit etwa einem Jahr praktizieren: Es gibt ein zweites rollendes Kaffee, mit dem Ina Kudlich und Sonia Al-Kass sogar schon ein Jahr länger unterwegs sind.

Weil man die beiden mobilen Espresso-Bars so gut wie nie gemeinsam antrifft, werden sie anscheinend häufig verwechselt - oder zumindest für Geschäftspartnerinnen gehalten. Das berichten die Frauen unabhängig voneinander.

Tatsächlich haben sie nichts miteinander zu tun, arbeiten unabhängig voneinander. Sie haben unterschiedliche Konzepte und auch äußerlich unterscheiden sich die Fahrzeuge erheblich.

Kudlich (42) und Al-Kass (52) sind ausgebildete Baristi (Mehrzahl von Barista: Berufsbezeichnung für eine Person, die verantwortlich für die professionelle Zubereitung des Kaffees ist) und betreiben im Vorderen Graben ein kleines Café, das "Mokka-Makan". Ihre mobile Espressobar sei für sie mehr als ein zweites Standbein, sagt Kudlich. Sie hätten sich bewusst dafür entschieden, um auf Menschen zugehen und sie für die Zusammenhänge zwischen der Qualität ihres Kaffees und den Anbau-, Arbeits- und Handelsbedingungen der Kaffeebauern sensibilisieren zu können. Warum ihnen das wichtig ist? Die Antwort der 42-Jährigen lautet: "Fairtrade ist nicht immer fair genug."

Vier Tassen gleichzeitig

Das Gefährt von Mokka-Makan ist ein professioneller Umbau eines holländischen Lastenfahrrads, mit dem seine Besitzerinnen einen ganzen Tag lang autark sind. Mit ihrer mechanischen Kaffeemaschine könnten sie bis zu vier Tassen gleichzeitig zubereiten, erklärt Al-Kass. Das sei wichtig, weil sie häufig den Kaffeedurst von Veranstaltungsbesuchern stillen würden und einem gewissen Ansturm gewachsen sein müssten.

Der herrscht auch oft im Foyer der Volkshochschule in der Tränkgasse: Seit Februar und noch bis zum Ende des Sommersemesters stellen Kudlich und Al-Kass dort auf Bitte der VHS-Leitung an fast jedem Vormittag mit ihrer mobilen Espressobar sicher, dass Besucher heiße und kalte Getränke kaufen können. Denn: Das Bistro im Alten E-Werk ist zur Zeit geschlossen.

Auch Barth und Knipping arbeiten mit einer professionellen, Batterie betriebenen Kaffeemaschine. Ihr Einsatz ist auf vier bis fünf Stunden beschränkt; länger reicht der Strom nicht. Dann radelt eine der Frauen zurück in die Wunderburg, wo Ulla Knipping und das Café-Rad zu Hause sind. Gebaut hat es ihr Mann, der einen technischen Beruf hat.

Ursprünglich war es die Idee dieses Teams, mit dem rollenden Café durch den Hain zu fahren und an verschiedenen Stellen halt zu machen. Das Plätzchen an der Schleuse 100 gefällt ihnen aber so gut, dass sie sich heuer ganz auf diesen Standort konzentrieren.

Das Mokka-Makan-Team hat (noch) keinen festen Standort im Stadtgebiet, laut Ina Kudlich jedoch einen in Aussicht. Wenn ihre mobile Bar nicht gerade im Haus der Volkshochschule steht, kann man sie immer öfter auf kleinen und mittelgroßen Veranstaltungen wie bei den "Lichthöfen" oder demnächst wieder beim Flussfest "Canalissimo" antreffen.

Die vier sportlichen Kaffee-Spezialistinnen zeigen sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf ihre Angebote. Und der Überraschungs-Effekt, mit dem ihr Auftreten zumeist verbunden ist, scheint auch nach ein beziehungsweise zwei Jahren noch nicht verflogen zu sein. Alle vier berichten von durchweg gut gelaunten Gästen, die neben Lust auf Kaffee oft auch Lust auf Unterhaltung zeigen würden. Elisabeth Barth bringt die gute Stimmung, die am Ausschank bei der historischen Schleuse herrscht, so auf den Punkt: "Wenn man sich ein Erfolgserlebnis holen will, muss man sich hier her stellen."

Keine Franchise-Nehmerinnen

Beide Teams, die auch für private Feiern wie Geburtstage und Hochzeiten gebucht werden können, arbeiten nach eigener Aussage völlig selbstständig. Bei den Coffee-Bikes in anderen Städten handelt es sich oft um Franchise-Nehmer eines jungen Unternehmens, das mit der Idee, den Kaffee zu den Leuten zu bringen, inzwischen gut im Geschäft ist.