• Memmelsdorf: Friseurin prognostiziert deutliche Preissteigerungen für Haarschnitte
  • "Bis zu 50 Prozent": Kosten müssten "irgendwann" an Kunden weitergegeben werden
  • "Völlig verzerrtes Bild": Viele Friseure praktizierten in "Schattenwirtschaft"
  • Innungsvorsitzende kritisiert "staatlichen Eingriff" - eine Änderung verschärfe Problem

In vielen Bereichen des Lebens sind die Folgen von Corona und Energiekrise für die Menschen in Franken schmerzlich spürbar. Das gilt auch fürs Haareschneiden: Schon während der Pandemie kostete der Besuch beim Friseursalon merklich mehr. Um rund vier Prozent erhöhten sich die Preise 2021 im Durchschnitt, wie der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) kürzlich mitteilte. Frauen bezahlten pro Besuch demnach im Schnitt etwas mehr als 66 Euro, Männer knapp 27,50 Euro. Und das werde noch lange nicht das Ende sein, wie die Vorsitzende der Friseurinnung Bamberg-Coburg-Lichtenfels, Tanja Arnold-Petter, gegenüber inFranken.de mitteilt. 

"Am Ende vielleicht vier oder fünf Euro Gewinn": Friseurin aus Memmelsdorf kämpft mit hohen Energiekosten 

Arnold-Petter, die einen Friseursalon in Memmelsdorf (Landkreis Bamberg) betreibt, sagt, man rutsche "von einer Krise in die nächste". In der Pandemie sei man "das einzige Handwerk" gewesen, "das geschlossen hatte, und wenn geöffnet war, hatten wir keine volle Auslastung wegen diverser Zugangsbeschränkungen". Sie bezeichnet die Lockdowns und G-Regeln als "überzogene Maßnahmen", die "den Etat im Verlauf deutlich geschrumpft" hätten. Vieles habe sich daher "in die Schattenwirtschaft verlagert". 

Dort wiederum entstehe ein "völlig verzerrtes Bild der Preisgestaltung", so Arnold Petter. Beim ZV spricht man von einer  "massiven und unfairen Konkurrenz", die auch deshalb existiere, weil mehr Salons durch geringe Umsätze in die Kategorie der umsatzsteuerbefreiten Mikro-Salons abgerutscht seien. Im Gegensatz zu den "Schattensalons" schafften Friseurbetriebe Arbeitsplätze. "Sie bilden Lehrlinge aus, haben Miete, Strom, Wasser, Gas, Personalkosten und Lohnnebenkosten zu zahlen. Von 50 Euro Umsatz bleiben am Ende vielleicht vier oder fünf Euro Gewinn", so die Friseurmeisterin.

Jetzt aber kämpfe man auch noch mit erhöhten Energie- und Zuliefererkosten. "Ein Beispiel: Gerade wird das Alu teurer. Aber darauf bestehen nun mal Tuben und Dosen, die wir brauchen", so Arnold-Petter. "Genauso sind wir ein energieintensives Handwerk, wir brauchen viel Strom und Warmwasser." Was ebenfalls zu einer Verschärfung des Problems führe: die Steigerung des Mindestlohns im Herbst. 

"Stimmung stark gekippt": Kunden müssen sich auf deutlich höhere Friseurpreise einstellen 

"An sich erschreckt er uns nicht, weil wir in Bayern einen guten Tarif haben. Oft wird medial nämlich ein falsches Bild vermittelt, aber die Entlohnung im Friseurhandwerk ist nicht schlecht", betont die Vorsitzende der Friseurinnung. "Das Problem ist viel mehr der staatliche Eingriff in die Tarifautonomie. Und all diese Kosten müssen wir irgendwann an die Kunden weitergeben", erklärt sie. Sie selbst habe es in ihrem Salon bisher geschafft, die Preise stabil zu erhalten, "aber das geht nicht mehr lange gut".

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Die Schätzung in der Branche sei: "Im Herbst kommt es zu Erhöhungen – je nach Friseur – zwischen fünf und 50 Prozent." "Ich hoffe, ich komme selbst mit fünf bis zehn Prozent hin", sagt sie. Man merke gleichzeitig, dass die Kunden seltener kämen. "Da sind es dann nur fünf statt sieben Salonbesuche im Jahr", so die Friseurmeisterin. "Und wenn die Preisspirale weiter anzieht, dann wird es noch weniger werden", prophezeit sie.

Eigentlich sei man "sehr entspannt" gewesen, als es Anfang des Jahres wieder losgegangen sei. "Doch mit dem Ukraine-Krieg ist die Stimmung stark gekippt", sagt Arnold-Petter. Sie selbst habe bereits einige Maßnahmen in ihrem Salon ergriffen, mit denen sie Energie spare und Ressourcen schone. "Wir haben teils auf LED umgerüstet und sind auf Großgebinde bei den Produkten umgestiegen." Und die Friseurmeisterin aus Memmelsdorf kündigt an: "Wenn es kälter wird, werden wir auch die Salontemperatur um zwei Grad niedriger stellen als sonst üblich."

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