Hätten Sie's gewusst - dass Flugzeuge nicht nur Typbezeichnungen, sondern richtige Namen haben? Dass dies Namen von Bundesländern und Städten sind? Und schließlich: Dass tatsächlich auch eine Boeing 737 jahrelang "Bamberg" nach ganz Europa hinaus trug?

Zwar würde sich "in alle Welt hinaus" noch besser anhören, doch das entspricht nicht der Wahrheit. Denn die Lufthansamaschine war ein typisches Kurz- und Mittelstreckenflugzeug: Maximal 2500 Kilometer am Stück konnte sie fliegen. In ihrem Rumpf brachte sie Passagiere nicht nur zwischen Lissabon und Moskau ans Ziel, sondern sie flog bis nach Afrika, wie Markus Franck erklärt.

Er muss es wissen, kennt er doch das Innenleben des Fliegers ganz genau. Tagtäglich prüft er Flugzeuge sozusagen auf ihre elektronischen Herzen und verkabelten Nieren - auch an die "Bamberg" hat er mehrmals Hand angelegt. Franck ist Wartungsingenieur bei der Lufthansa und arbeitet am Frankfurter Flughafen.


Zwischen Frankfurt und Hallstadt

Seit zehn Jahren lebt er in der Metropole am Main, doch der Kontakt in die Heimat ist nie abgerissen. "Ich hab' mich immer gefreut, wenn ich die ,Bamberg‘ am Hangar stehen sehen hab'", sagt der gebürtige Hallstadter. "Wenn man an einem großen Flughafen in einer großen Stadt arbeitet und plötzlich die ,Bamberg‘ durch die Gegend fahren sieht, dann sind das Erinnerungen an daheim."

Erinnerungen und Fotos, das ist wohl alles, was von dem Passagierflieger mit dem einmaligen Namen bleiben wird. Denn die Boeing wurde im Zuge der "kontinuierlichen Flottenerneuerung" ausgemustert, wie Lufthansa-Sprecher Florian Gränzdörffer erläutert. Nach 48 000 Flügen und 51 000 Stunden in der Luft ist Schluss. Der Flieger wurde in die USA verkauft und ist bereits überführt. "Prinzipiell kann ein Flugzeug auch länger als 25 Jahre im Dienst sein, doch irgendwann wird es unrentabel - wenn etwa die Wartungsintervalle immer kürzer werden", sagt Fachmann Markus Franck.

Beruflich wie privat steigt der 36-Jährige anders in ein Flugzeug als die meisten Passagiere: Stets schaut er auf den Namen des Fliegers und überlegt kurz, ob er es schon mal in Händen hatte. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch. Einmal hat ihn die ,Bamberg‘ sogar in Hannover überrascht: Er war auf die Hochzeit eines ehemaligen Schulkameraden eingeladen, da hat ihn die ,Bamberg‘ am Flughafen im hohen Norden abgeholt und zurück nach Frankfurt gebracht - "leider nicht direkt bis nach Bamberg", sagt Franck und lacht.

Einige Genehmigungen hat er in den vergangenen Jahren für die Maschine ausgestellt, von der er sagt: "Wenn die hier in Frankfurt auf dem Hof stand, war das etwas Besonderes." Das sei schon was anderes, als wenn zum Beispiel die "Aschaffenburg" vor dem Tor warte.

Tatsächlich gibt es rund 300 Lufthansa-Flugzeuge, die den Namen deutscher Städte, Gemeinden und aller Bundesländer tragen. Seit einigen Jahren kommen auch internationale Metropolen wie etwa die "Peking" dazu. Das Merkmal des modernen Luftverkehrs sei Internationalität, so Florian Gränzdörrfer.

Doch dies sei keinesfalls eine Abkehr der Fluggesellschaft vom Bekenntnis zur Heimat: "Die Mehrzahl der getauften Flugzeuge hat deutsche Städte und Gemeinden als Paten", sagt der Pressesprecher. Dabei gilt: Einmal Pate, immer Pate. Ist man in den Kreis der Patenstädte aufgenommen, geht der Name auf ein neues Flugzeug über.


Bisher drei "Bamberg" in der Luft

So war die kürzlich in Rente geschickte "Bamberg" bereits Flieger Nummer drei: Vor 45 Jahren ging die erste Boeing 737 mit dem schönen Namen in die Luft. Taufpatin auf dem Nürnberger Flughafen war am 6. Juni 1970 Herta Mathieu, die Ehefrau des damaligen Oberbürgermeisters Theodor Mathieu, wie der Lufthansa-Sprecher berichtet. Er merkt an, dass eine solche Patenschaft sehr begehrt sei, was die "Begeisterung der Passagiere" und der "Blick auf die beachtliche Warteliste interessierter Städte" zeige.

Die müssen sich durch einen offiziellen Repräsentanten schriftlich bewerben und gewisse Kriterien erfüllen. Das neue "Patenkind" bekommt dann nicht nur den Namen der städtischen "Patentante" auf den Bug gepinselt. Es heißt seine Gäste auch mit dem Stadtwappen im Eingangsbereich der Kabine willkommen.

Dass in dieser zum Beispiel kein "Bodenpanel" im Fußraum durchgetreten ist oder eine Delle korrekt "verarztet" wird, dafür sorgt Markus Franck aus Hallstadt. Der Ingenieur wird wohl auch die neue "Bamberg" früher oder später in die Finger kriegen. Laut Lufthansa-Sprecher Gränzdörffer steht noch nicht fest, welches Flugzeug künftig das Bamberger Wappen tragen wird.
Vielleicht entdeckt ja jemand den "Bamberg"-Nachwuchs irgendwo auf einem Flughafen in Europa? Fotos dürfen gerne an die Lokalredaktion gesendet werden.