Es ist eine Polizeimeldung, die den Biber zum Verdächtigen macht: Von einem Auto, das beim Einparken am Regnitzufer in ein Loch abgesackt ist, ist da die Rede. Hinaus hieven musste es der Abschlepper, wobei der Stoßdämpfer beschädigt wurde und ein Schaden von 1000 Euro am Auto entstand. "Laut einem Verantwortlichen der Stadt sei mutmaßlich ein Biber der Übeltäter. Das Tier hatte wohl den Straßenbelag unterhöhlt", heißt es im Polizeibericht.

Allerdings: Auf Nachfrage relativiert man bei der Stadt den Verdacht. Michael Gerencser vom Garten- und Friedhofsamt erläutert, dass man nicht genau sagen könne, ob Ratten oder Biber die Straße untergraben haben. Er könnte sich vorstellen, dass auch eine Unterspülung für das Loch in der Straße verantwortlich sein könnte.
Das hält Florian Probst eher für unwahrscheinlich, wegen der Höhendifferenz zwischen Fahrbahn und Wasserspiegel. Das erklärt der Leiter der Abteilung Straßen- und Brückenbau beim Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt (EBB).

Er stimmt Gerencser zu: "Es war wohl irgendeine Art Wühl-tier, das seinen Bau reingegraben oder Material rausgegraben hat. Dass es sicher ein Biber war, würde ich nicht sagen." Klar ist dagegen, dass die Bamberger Biber-Population ihren Ursprung in Bug hatte. Im gesamten Landkreis gibt es derzeit ungefähr 30 Reviere, in denen jeweils zwischen einem und acht Tieren leben, wie Thomas Stahl weiß. Er ist Biberbeauftragter für Stadt und Landkreis und erklärt, dass die Nager teilweise mehrere Meter lange Gänge graben.

"Der Biber macht in seinem Schlafkessel auch ein Luftloch nach oben. Wenn es dann unter der Asphaltdecke hohl ist, kann es theoretisch sein, dass diese einbricht", erklärt er. Allerdings: Von einem solchen Fall hat er in der Region noch nie gehört, er kenne das Einbrechen nur von Schotterpisten in Polen. Stahl plädiert dafür, dem Biber mehr Lebensraum zuzugestehen, gerade im Uferbereich.

Biber in der Kläranlage

Aus manchem Domizil, das sich das Pelztier eingerichtet hat, muss es jedoch wieder ausziehen. So berichtet Reckendorfs Bürgermeister Manfred Deinlein von einem Biber, "der sich im Ablauf unserer Kläranlage eingerichtet hat." Mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts sei der Bau entfernt worden, weil sonst Überschwemmungen gedroht hätten.

Doch mittlerweile finden sich schon wieder Holzansammlungen im Ablauf der Kläranlage. "Es schaut so aus, als ob es dem Biber dort gefällt", sagt Deinlein. Von einem richtigen "Schaden" durch die Wildtiere könne man bisher nicht sprechen. Gleiches ist von der Polizeiinspektion Bamberg-Land zu hören: "Sie fällen mal einen Baum, aber das kriegen wir nicht mit. Biberschäden an Straßen hatten wir noch nicht", sagt Polizeihauptkommissar Klaus Schmitt. Doch dass bei der Polizei keine Fälle gemeldet sind, heißt nicht, dass es keine gibt.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Bamberg weiß man von drei Biber-Auffälligkeiten aus den Jahren 2013 und 2014, die der Behörde mitgeteilt wurden. "Zwei Schäden betrafen Fischteichanlagen. Bei einem Schaden wurde ein Mähdrescher beschädigt wegen Unterhöhlung durch den Biber", teilt Ludwig Hofmann aus dem Fachbereich Umweltschutz schriftlich mit.

Den Überblick über Bamberg hat Michael Gerencser vom Gartenamt. Im Jahr 2013 hätten Biber etwa 20 Bäume mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern angenagt, plus einzelne Sträucher. "Die Natur wächst grundsätzlich nach, aber einzelne Bäume mussten wir fällen", sagt er. Tauchen Nagespuren an Baumstämmen auf, schützt das Gartenamt diese mit engmaschigem Maschendrahtzaun, spitze Stämme würden von den Mitarbeitern beschnitten.

Deutliche Biberspuren wurden in direkter Nähe zum Asphaltloch im Umfeld der Buger Spitze nicht gefunden. Doch laut Gerencser ist es durchaus möglich, dass an der Uferböschung Biber wohnen. Das Loch jedenfalls ist versiegelt, noch im Januar möchte der EBB den Bereich dort stärker kontrollieren, wie Florian Probst ankündigt.
Aber wer zahlt eigentlich die 1000 Euro Schaden am Auto? Dazu gab es am Montag noch keine klare Antwort.