Am 12. März 2013, 19.20 Uhr: Der Gemeinderat billigt die Eröffnungsbilanz der Gemeinde Litzendorf zum Stichtag 1. Januar 2009! Was wie Anachronismus anmutet, ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer Spitzenleistung bei der Einführung des kaufmännischen Rechnungswesens der bayerischen Kommunen. Litzendorf folgte per Beschluss vom 28. Juni 2005 als eine der ersten Gemeinden dem Wunsch des Bayerischen Landtags, vom veralteten kameralistischen System auf ein leistungsfähiges und zukunftssicheres Rechnungswesen umzustellen.

Allerdings hat sich in der Zwischenzeit gezeigt, dass die gemeindliche Kämmerei den Umstellungsprozess mit eigenem Personal nicht bewältigen konnte. Erst nach Einschaltung der inkom GmbH - Institut für Kommunalmanagement - war es möglich, die Eröffnungsbilanz für das Jahr 2009 jetzt vorzulegen.
In jenem Jahr hat der Gemeinderat den ersten "produktorientierten" Haushalt beschlossen und damit die Steuerung der Kommunalverwaltung nach Leistungen und Zielen eingeleitet.

Die Umstellung auf das doppische Rechnungswesen (Doppik = Doppelte Buchführung in Konten) ist aber nur ein Meilenstein in einem umfassenden Modernisierungsprozess. Es sollen weitere betriebswirtschaftliche Elemente wie eine Kosten- und Leistungsrechnung, das Controlling und Berichtswesen eingeführt werden. Als eines der Kernelemente des neuen doppischen kommunalen Rechnungswesens wurde die Vermögensrechnung als Eröffnungsbilanz vorgelegt.

Ab sofort könne Litzendorf nunmehr ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens- und Finanzlage der Gemeinde vermitteln, heißt es in den Vorbemerkungen des verabschiedeten Papiers einleitend. Die kommunale Bilanz stellt das Vermögen, die Rücklagen und die Schulden gegenüber und ist Datengrundlage für die Abbildung des Ressourcenverbrauchs, also der Abschreibungen. Die künftigen Bilanzen der Gemeinde werden zeigen, ob und welche Vermögenswerte geschaffen oder verzehrt werden.

Franz Diringer vom Institut für Kommunalmanagement nannte bei der Präsentation der Eröffnungsbilanz den Betrag von 37 992 453 Euro als Bilanzsumme in Aktiva und Passiva. Die Sachanlagen (bebaute und unbebaute gemeindliche Grundstücke, Straßen, Wasserleitung, Kanalisation etc.) allein hatten zum Stichtag 1. Januar 2009 einen Restbuchwert von knapp 35 Millionen Euro.

Eine der markantesten Kennzahlen zur Beschreibung der Vermögenslage der Kommune ist das Nettovermögen pro Einwohner, der Quotient aus dem Eigenkapital (Gesamtvermögen abzüglich Schulden) und der Anzahl der Bewohner. Dieses Nettovermögen betrug in Litzendorf zum Zeitpunkt der Eröffnungsbilanz 2800 Euro pro Einwohner. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde lag zum 1. Januar 2009 bei 826 Euro.

Informationsdefizite

Am Ende der Beratung reifte die Erkenntnis, dass mit der Umstellung auf Doppik die Haftung von Bürgermeister und Gemeinderat in erheblichem Maße zunimmt, wobei allenthalben Informationsdefizite zu beklagen sind. Es fehlt den nicht zwangsläufig in Buchhaltung versierten Kommunalpolitikern an Nachschlagewerken und Schulungen. Außerdem wurde klar, dass man den Abschluss einer Manager-Haftpflichtversicherung dringend ins Auge fassen muss.

Während Franz Diringer versicherte, dass sich die Umstellung auf das doppische Rechnungswesen als "enorm segensreiche Entscheidung erweisen" werde, sorgten sich die Gemeinderäte, ob sich in Zukunft noch genug Bürger mit Interesse an Kommunalpolitik finden werden, um auch nur für den Gemeinderat zu kandidieren.