Der Haupteingang am Bahnhofsvorplatz ist geschlossen, auch zu den üblichen Geschäftszeiten. Wer zum Schilder-Geschäft will, dem - vom Kino abgesehen - einzigen verbliebenen Mieter im "Atrium", wird auf einen Seiteneingang an der Ludwigstraße verwiesen.

Wann wieder Leben in das frühere Einkaufszentrum einkehrt, kann momentan niemand sagen. Auch nicht der Berliner Projektentwickler Stefan Zimmermann, der die 24 Jahre alte Immobilie revitalisieren soll. Doch er verbreitet Zuversicht, lobt den Standort und berichtet von potenziellen Mietinteressenten.
Seit über einem Jahr ist die von Zimmermann gegründete und geführte Acrest Property Group (APG) mit der Aufgabe betraut, aus dem "Atrium" wieder eine attraktive Einkaufsadresse zu machen. Einen festen Zeitplan gibt es angeblich nicht.
Das Ziel seines Unternehmens formuliert er so: "Wir möchten schnell voran kommen und die Brache beenden."

In einem Telefon-Interview mit der Lokalredaktion sagte Stefan Zimmermann weiter, dass für die Revitalisierung des "Atriums" mittlerweile konkrete Vorschläge und verschiedene Szenarien vorlägen. Nun sei die Politik am Zug, müsse sich eine Meinung bilden. Das soll gleich nach der Sommerpause im Stadtrat geschehen. Der Wirtschaftsförderung im Rathaus liegt eine so genannte Potenzial- und Wirkungsanalyse vor, die ein externes Büro angefertigt hat. Laut Ruth Vollmar, Leiterin der Wirtschaftsförderung, gaben Stadt und Acrest gemeinsam die Analyse in Auftrag. Von ihr erwarten Verwaltung und Politik klare Aussagen über die Chancen und Risiken für den innerstädtischen Handel, die mit den verschiedenen "Atrium"-Konzepten verbunden sind. Frühestens Mitte September dürfte der Stadtrat das Papier auf dem Tisch haben.

Vorher will Zimmermann nicht über die möglichen Szenarien zur Rettung des "Atriums" sprechen. Zimmermann bat dafür um Verständnis: Er wolle alles vermeiden, das der "sehr guten Zusammenarbeit" mit Verwaltung und Politik im Bamberger Rathaus schaden könnte.

"Massive Angebotslücken"

Braucht Bamberg das "Atrium" überhaupt noch? Zimmermann bejaht die Frage. Nicht nur deshalb, weil eine Brache an dieser Stelle der Stadt nicht gut tut, schätzt man bei der APG die positiven Auswirkungen größer ein als mögliche Risiken. Mit dem richtigen Branchenmix werde das "Atrium" oder Nachfolger der Innenstadt nichts wegnehmen, sondern sie im Wettbewerb mit der "grünen Wiese" stärken. Zimmermanns Begründung: Einerseits ziehe es die Menschen wieder verstärkt zum Einkaufen in die Städte; andererseits sieht der Experte in Bamberg "massive Angebotslücken". Die könnte ein Einkaufszentrum am Bahnhof und somit am Rand der Kernstadt schließen helfen und auf diese Weise die Attraktivität Bambergs als Einkaufsstadt stärken.

Mit Hinweis auf die noch ausstehende Behandlung und Meinungsbildung im Stadtrat wollte sich Stefan Zimmermann nicht näher zu den Sortimenten äußern, die er in Bamberg vermisst. Dass namhafte Anbieter von Elektronik und Sport dazu gehören, die schon lange auf der Wunschliste der Stadtverwaltung stehen, bestätigt er. Das sei aber nur ein "Teil der Angebotslücke". Unbeantwortet lässt der Mann aus Berlin auch die Frage nach angeblichen Erweiterungsplänen. Informierte Kreise berichten hinter vorgehaltener Hand, Acrest wolle die Verkaufsflächen an der Ludwigstraße nahezu verdoppeln: Der geltende Bebauungsplan gestattet 17 000 Quadratmeter, von geplanten 30 000 Quadratmeter ist die Rede.