"Hunderte Millionen Menschen werden gezwungen sein, wegen des Klimawandels ihre Heimat zu verlassen." Ibo Mohamed spricht mit fester Stimme in das Mikrofon. Vor ihm stehen 600 Menschen auf dem Bamberger Maxplatz, verteilt über die steinerne Fläche.

Es ist Klimastreik an dem deutschlandweit an gut 450 Orten Menschen für Klimaschutz auf die Straße gingen. Der Aktivist, der selbst aus Syrien floh, liefert Beispiele für die gravierende Verschlechterung der weltweiten Lage durch die Klimakrise: Überschwemmungen versalzten Ackerland. In Ländern wie Somalia brechen handfeste Konflikte um Weideland und Wasserquellen aus. "Klimapolitik ist Friedenspolitik!", ruft er mit voller Kraft den Demonstrierenden entgegen, die mit starkem Applaus antworten.

Forderungskatalog an Starke und Kalb übergeben

Für die Aktiven ist diese Demo, die am Bahnhofsvorplatz startete, die erste große bewegte Veranstaltung seit langem. Allein die Aufstellung mit ausreichend Platz und Abstand entlang der Luitpoldstraße dauert eine halbe Stunde. Politischer Aktivismus in Zeiten von Corona folgt neuen Regeln. "Hurra die Welt geht unter" von K.I.Z. ist zu hören. Doch bevor sich der Zug mit Schildern wie "Kein Grad weiter" oder "Gegen den Klimawandel gibt es keinen Impfstoff" in Bewegung setzte, erinnerten die Klimakämpfer die Stadt- und Landkreispolitik an ihre Pflichten für mehr Klimaschutz: Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU) erhielten den Forderungskatalog des Klimaschutzbündnisses.

1500 Menschen fordern darin weitreichende strukturelle Richtungsentscheidungen für konkrete Maßnahmen vor Ort. Darunter steht unter anderem die Ausrufung des Klimanotstandes sowie eine Klimavorbehalt für alle Stadtratsbeschlüsse. "Wir wollten keine kleinen Wohlfühlentscheidungen fordern, sondern weitreichende Beschlüsse", fasst Simone Jakobi, eine Sprecherin des Bündnisses, die Idee zusammen. So könne die Region Bamberg ihren Beitrag zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens leisten.

Am 13. Oktober findet dazu die Klimasondersitzung statt. "Wir haben mittlerweile 50 Anträge von den Fraktionen zu dieser Sitzung erhalten", erklärt OB Starke. Er sei dankbar für das Engagement der Zivilgesellschaft und verspricht, dass die Sitzung im Hegelsaal auch nach draußen ins Foyer übertragen werden solle, damit eine möglichst große Öffentlichkeit daran teilhaben könne.

Untätigkeit der Politik angeprangert

Teil dieser Öffentlichkeit ist auch die Gewerkschaft Verdi, welche seit Beginn an der Seite der Klimabewegung steht: "Das reichste Prozent der Weltbevölkerung verursacht mehr CO2 als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung", hält Magda Waldeck fest. Die Gewerkschafterin sieht daher nicht die einfachen Arbeitnehmer in der Pflicht, die Kosten für Klimaschutz zu übernehmen, sondern "diejenigen die für diese Krise verantwortlich sind." Die derzeitige Untätigkeit der Politik hänge damit zusammen, dass sie nicht bereit sei, die aktuelle Produktionsweise zu ändern, die auf kurzfristige Gewinne zu Lasten von Klima und Lebensbedingungen gehe. "Wir brauchen die Verknüpfung von Klimaschutz und der sozialen Frage." Für Waldeck heißt dies nicht nur die öffentliche Investitionen in klimafreundliche Wirtschaft zu erhöhen, sondern auch gute Tarifverträge zur Absicherung von nachhaltigen Arbeitsplätzen zu erkämpfen.

"Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Politik pragmatisch und zügig reagieren kann. Nun muss sie das auch auf die Klimakrise anwenden", findet Aktivistin Lena. Umgekehrt hingen beide Krisen zusammen: "Die Umweltzerstörung macht die Übertragung von Viren auf den Menschen wahrscheinlicher und steigert damit die Gefahr von Pandemien in der Zukunft." Aber aufgeben sei für die Klimabewegung keine Option: "Der Mensch hat die Macht diesen Planeten zu zerstören. Er hat aber auch die Macht, diese Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen."