Es gibt sie in allen möglichen Farben, Formen, Holzsorten und Größen. Der Gegenstand ähnelt einem Kreuz - mit einer Kugel auf der Spitze. Mit Religion hat das allerdings nichts zu tun. "Kendama kommt aus dem Japanischen, ken bedeutet Schwert und tama steht für die Kugel", erklärt Franz Posley.

Der 26-Jährige habe schon immer ein Faible für Geschicklichkeitsspiele gehabt, er löste früher schon gerne Zauberwürfel oder führte Zaubertricks vor. Für das Geduldsspiel Kendama ist er jetzt Feuer und Flamme und will auch andere dafür begeistern.

So fuktioniert's

Es gebe viele Gründe, die für das Hobby Kendama sprechen würden. "Man bleibt fit, ist beim Spiel nicht an einen Ort gebunden, und es schaut cool aus", sagt Posley. Außerdem werden damit die Geschicklichkeit, die Reflexe und die Hand-Augen- Koordination trainiert.

Ziel ist es, die Kugel mit einem der zwei "Coups" an den Seiten oder auf der Spitze zu fangen. Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten an Tricks und Kombinationen. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt. "Ich habe zum Beispiel mal statt der Kugel mit einer Flasche und einem Apfel auf dem Holzgriff jongliert", sagt Posley. Es gebe viele Varianten, das Spiel zu spielen. Sowohl allein als auch im Team oder im Wettkampf. Die Spielregeln sind dabei recht einfach. Ein Spieler sagt beispielsweise einen Trick an, macht ihn vor und der Gegner versucht, ihn nachzumachen.

Spiel soll bekannter werden

Hauptberuflich arbeitet Posley als Monteur bei einem großen Möbelhaus in der Region. Seine Freizeit würde er zu 90 Prozent mit Kendama verbringen. "Ich übe fast jeden Tag, im Moment habe ich Urlaub, da kann es auch schon mal fünf bis sechs Stunden Zeit in Anspruch nehmen", sagt der Pettstadter.

Dass er mitten in der Stadt übt, komme nicht selten vor. "Oft kommen Leute auf mich zu und fragen, was das genau ist. Mir macht es Spaß, es ihnen zu erklären und sie dürfen es dann auch gerne einmal selbst ausprobieren", sagt Posley. Auch Omis in der Sandstraße hätte er schon ein paar Tricks beigebracht. An Geburtstagen oder Grillfeiern habe er immer ein paar Kendama mit dabei. Posley möchte mehr Reichweite schaffen, damit Kendama auch in Deutschland bekannter wird. Er ist halb Deutscher und halb Amerikaner, seine Mutter gebürtige Münchnerin.

Die Szene in anderen Ländern sei schon groß und über das Internet ist Posley mit Leuten auf der ganzen Welt, die das gleiche Hobby teilen, verbunden. Er selbst hat vor einem Jahr und fünf Monaten mit dem Fangspiel angefangen, ist jedoch in der Kendama-Szene schon bekannt wie ein bunter Hund. "Ich würde gerne das Gesicht der deutschen Kendama-Szene sein", sagt der leidenschaftliche Spieler.

Wettbewerb abgesagt

Durch seine Instagram-Videos wurde er auch von einer Firma in Los Angeles entdeckt. Für diese spielt er, neben vier weiteren, als Profi-Spieler und bekommt kostenlose Kendama. Bei einem großen Wettbewerb habe Posley noch nicht mitgemacht, da die meisten davon in Japan stattfinden. Gerade als er an einem teilnehmen wollte, kam die Corona-Krise dazwischen. Allerdings sei er schon gegen einige Spieler über den Livestream in Instagram angetreten. Seine Videos können auf Instagram unter dem Namen 6lackdama angesehen werden. Die Zahl sechs ist seine Lieblingszahl und ersetzt hier das "b" am Anfang des Wortes "black".

Tipps und Tricks

In seiner Sammlung befinden sich neben der Wettbewerbsgröße von 18,5 cm auch ein sehr kleiner und ein sehr großer Kendama (32 cm). Der Große wiegt nahezu fünf Kilo, das gehe schon auf die Armmuskeln.

Posley selbst hat mit einem günstigen Kendama angefangen. Er empfiehlt allerdings, gleich ein etwas hochwertigeres zu kaufen, die gäbe es schon zwischen 20 und 30 Euro. Je nach Hersteller würden die Kendama immer etwas anders aussehen. Das am häufigsten verwendete Material sei Eichenholz, daneben gebe es zum Beispiel auch Kendama aus Bambus. Bei der Kugel solle am Anfang eine mit Lackschicht gewählt werden. Andernfalls sei es mit blankem Holz sehr rutschig. Auch bei den Schnurlängen gebe es Unterschiede, Posley tendiert eher zu einer etwas längeren Schnur, weil der Trick damit flexibler ist.

Was die Tricks angeht, solle als erstes der Trick "Big Coup" geübt werden. Bei diesem muss die Kugel aus einer hängenden Position mit Schwung nach oben geworfen und mit dem größeren Becher an der Seite aufgefangen werden. Einfacher sei es, dabei in die Knie zu gehen. Bei einem anderen Basis-Trick muss die hängende Kugel mit dem Loch auf der unteren Seite auf die Spitze gesetzt werden (siehe Bild). Posley empfiehlt, die Kugel etwas anzudrehen, bevor sie geworfen wird. So würde die Seite mit dem Loch unten bleiben und sei einfacher zu fangen. Dieser Trick sei besonders wichtig, da jeder andere nur dann gültig ist, wenn er mit dem Ball auf der Spitze endet.

Sein Traum ist es, eines Tages komplett von seiner Leidenschaft leben zu können. Er kann sich gut vorstellen, das Geschicklichkeitsspiel selbst zu unterrichten und auch eigene Kendama herzustellen und dann zu verkaufen.

Kommentar von Selina Helmrich

Das Geschicklichkeitsspiel Kendama ist ein witziger Zeitvertreib. Auch wenn manche Tricks nicht auf Anhieb klappen, macht es mir Spaß, es immer weiter zu versuchen. Wenn mir ein Trick endlich gelingt, fühle ich mich super und möchte gleich den nächsten lernen - das Spiel hat definitiv Suchtpotential. Auf den ersten Blick sieht es vielleicht einfach aus, doch es ist durchaus eine Herausforderung und deswegen für jedes Alter geeignet. Bei den schwierigeren Tricks kann es allerdings auch mal etwas länger dauern, bis es funktioniert. Da ist dann Geduld gefragt, aber bekanntlich macht Übung ja den Meister.