Bamberg
Öffentlichkeit

Kameras am Grünen Markt werden abmontiert

Am Gabelmann waren seit Oktober blinde Kameras positioniert - eine Kunstinstallation. Demnächst werden sie abgebaut. Doch eine reale Überwachung öffentlichen Raumes ist in der Stadtpolitik kein unbekanntes Thema.
Haben Sie die Kamera-Attrappen an den Winklerleuchten am Gabelmann bemerkt? Sie sind dort seit Oktober befestigt. Foto: Ronald Rinklef
Haben Sie die Kamera-Attrappen an den Winklerleuchten am Gabelmann bemerkt? Sie sind dort seit Oktober befestigt. Foto: Ronald Rinklef
Eigentlich hätte sich Thomas Bismarck (48) ein Aufbegehren aus der Bevölkerung gewünscht, vielleicht eine Bürgerbewegung. Oder eine Unterschriftenaktion, damit Überwachung in der Fußgängerzone nicht tatsächlich zur Realität wird. Doch solch heftige Reaktionen blieben aus. Der Künstler, der die Kamera-Attrappen am Grünen Markt an den Winklerlampen festgeschraubt hat, wundert sich schon ein wenig.

"Das ist ja eigentlich eine provokative Geschichte. Es geht um die Thematisierung der Frage: Möchte ich wirklich beobachtet werden?" Der 48-Jährige überlegt. Vielleicht gebe es einfach schon zu viele Überwachungskameras, so dass die Kunstinstallation gar nicht mehr groß aufgefallen sei.

Doch ins Leere gelaufen ist sie nicht.
Gerade in der Anfangszeit der Installation im Oktober hat es bei der Polizei "ein paar Nachfragen gegeben", wie Klaus Linsner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt, auf Anfrage mitteilt. Auch im Bamberger Rathaus meldeten sich Anrufer, die wissen wollten, ob man wohl neuerdings am Grünen Markt überwacht werde. Die Antwort war stets "nein".

So manchem Bamberger ist die Kunstinstallation bis heute nicht aufgefallen. Spätestens Ende des Sommers muss sie dann weichen, mitsamt der alten Winklerleuchten, wie Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar anspricht. Auch am Grünen Markt werden moderne Lichtstelen die alten Straßenlaternen ersetzen.

Dann ist die Zeit der Kameras gekommen. Wobei sie schon länger befestigt sind als geplant. Ursprünglich habe es sich um ein Ein-Tages-Kunstprojekt gehandelt, in dem die Kameras nur einen Part ausgemacht hatten. "Wir haben die Kameras augenzwinkernd noch eine Weile hängen lassen", sagt Siebenhaar.

Brigitta Muntendorf, Stipendiatin des Bamberger Künstlerhauses Villa Concordia, vermutet allerdings auch: Die Kameras wurden noch nicht entfernt, "weil sie eine scheinbare Sicherheit auf dem Platz" erzeugen. Die 32-Jährige hatte die Kunstaktion "Public Privacy City" im Oktober angestoßen. "Es ging darum, dass eine Grenzziehung zwischen Öffentlichkeit und Privatem nicht mehr vollzogen werden kann", sagt sie im Interview. Die Kameras sollten den Blick auf Fragen richten wie "wo werden wir beobachtet?", "Was ist noch privat?".

Nur noch wenige Wochen
Wie Muntendorf erläutert, bestand der Aktionstag aus zwölf Projekten und zehn Künstlern, darunter drei Stipendiaten der Villa Concordia und Thomas Bismarck, mit dem sie die Kamera-Idee entwickelt und umgesetzt hat. Der hat vor, die Installation in den nächsten Wochen abzunehmen. Laut Muntendorf hätten die Kameras von Seiten der Künstler noch länger bleiben dürfen, allerdings hätte man sich dann gewünscht, dass die Stadt das Austauschen der Batterien - die Attrappen verfügen über rote blinkende Punkte - übernimmt. Diese trugen offenbar auch dazu bei, dass zeitweise das Gerücht aufgekommen sei, die Kameras seien echt. Die Plakate, die auf die Kunstinstallation aufmerksam machten, sind bereits seit längerem entfernt worden. Laut Brigitta Muntendorf weist aktuell ein gelbes Schild auf das Projekt hin.

Doch gibt es eigentlich eine reale Überwachung durch Kameras in Bamberg? "Nicht im öffentlichen Raum", sagt Ulrike Siebenhaar. Allerdings sei das Thema des Öfteren im Stadtrat angesprochen worden, im Zusammenhang mit den Farbbeutel-Anschlägen und Schmierereien an den Gedenktafeln an der Oberen und Unteren Brücke.
Mittlerweile habe man von Überlegungen zur öffentlichen Überwachung stark Abstand genommen. "Die Gedenktafeln wurden mit einem speziellen Schutzauftrag beschichtet", erläutert Siebenhaar. Sie führt aus, dass eine Überwachung des öffentlichen Raumes generell nur temporär möglich sei und mit Innenministerium und Polizei abgeklärt werden müsse. Und es muss einen triftigen Grund geben. "Zum Beispiel die Vermeidung von Verbrechen oder Anschlägen."