Es ist die brennende Frage, die Gerhard Seitz (CSU) in der Sitzung des Kultursenates als erster formuliert: "Wie gefährlich war das wirklich?" Er spricht in der Vergangenheit, weil die Decke eines Klassenzimmers, die sich teilweise gesenkt hatte, bereits zum Schuljahresbeginn 2014/2015 komplett ausgetauscht worden war. Doch die Verunsicherung der Eltern war groß.

Der Elternbeirat sei über den Vorfall informiert worden, wie Ulrich Vogel, Elternbeiratsvorsitzender der Hainschule, nach der Sitzung sagt. Der "Deckenvorfall" sei schon beunruhigend gewesen. Als Anfang 2015 dann in einem anderen Klassenraum beim Austausch von Leuchtmitteln durch den Hausmeister eine Rasterleuchte abstürzte, sei die Verunsicherung riesengroß gewesen. Erst recht, als in den Faschingsferien die Stadt vorsichtshalber weitere Leuchten in einem anderen Klassenzimmer abgenommen hatte. Zudem sei auch noch der Brandmeldealarm nicht in allen Klassen ausreichend hörbar. Elternbeiratsmitglied Andreas Brandner berichtet aus der Klasse seines Sohnes: "Es gab zwei Probealarme, um die Lautstärke zu testen. Den ersten hat mein Sohn gar nicht gehört, weil die Klasse gerade gesungen hat."

Diese Mängel hat der Elternbeirat laut dessen Vorsitzendem schriftlich an das Immobilienmanagement der Stadt weitergeleitet und einen Prüfbericht durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen in Schriftform angefordert.

Das Immobilienmanagement habe jedoch über Wochen auf das Schreiben nicht reagiert, weshalb sich der Elternbeirat an die Grünen-Fraktion im Kultursenat wandte. Die stellte einen Antrag zu einem Sachstandsbericht, der den baulichen Zustand der Hainschule, das Brandschutzkonzept und die Sicherheit betrifft.

Als Christian Wonka, Leiter des Immobilienmanagements der Stadt, eben diesen Sachstandsbericht vortrug, stellte er gleich klar: So schlecht, wie mancher darstelle, sei der Zustand der Schule aus dem Baujahr 1959/1961 nicht. Er betont: "Eine Gefährdung von Schülerinnen und Schülern oder Dritten in der Hainschule war und ist in vollem Umfang ausgeschlossen. Kinder in der Hainschule waren zu keiner Zeit in Gefahr." Man führe regelmäßig Schulbegehungen durch und stelle alle Mängel zusammen. Die Unversehrtheit der Schüler in allen Bamberger Schulen sei die tagtägliche Aufgabe der Schulleitungen, des Schulreferats und des Immobilienmanagements. Bürgermeister Christian Lange (CSU) merkte an, dass es einen Austausch zwischen der Stadt und den Grund- und Mittelschulen sowie ein Arbeitsgespräch in der Stadtverwaltung gebe und man auf Transparenz bedacht sei.

Kein Herabstürzen der Decke
Doch wie ging man im konkreten Fall vor? Nachdem die durchhängende Decke ausgetauscht worden sei, hätten das Immobilienmanagement und eine Trockenbaufirma alle übrigen Decken durchgesehen. Von einem Herabstürzen von Deckenteilen könne in keiner Weise die Rede sein, so Wonka.

Dazu merkte im Nachgang der Sitzung Andreas Brandner vom Elternbeirat an, dass möglicherweise die umgangssprachliche Formulierung einer Person "die Decke kommt runter" zu einem Missverständnis geführt haben könnte. Es sei wohl eine Absenkung gemeint gewesen. "In jedem Fall hat die Decke etwas getan, was sie nicht tun sollte", sagte Brandner.

Tatsächlich gelöst hatte sich dagegen die Befestigung der bereits erwähnten Pendelleuchte, die laut Wonka noch am selben Tag demontiert und eine provisorische Beleuchtung angebracht wurde. Dabei sei festgestellt worden, dass die Lampenbefestigung schon ursprünglich nicht ordnungsgemäß ausgeführt worden sei, weshalb man gleichartig befestigte Leuchten vorsichtshalber abgenommen habe.

Daraufhin habe das Immobilienmanagement einem externen Ingenieur-Büro den Auftrag erteilt, sämtliche Decken samt Einbauten zu überprüfen. Die Decken seien als statisch unbedenklich attestiert worden. Zum Thema Mängel in Schulen betonte Wonka: "Das ist unser Tagesgeschäft. Sobald uns etwas auffällt, reagieren wir."
Doch was ist mit dem schlecht hörbaren Brandalarm, könne dies sogar zur Schließung der Schule führen? Das wollte Tobias Rausch von der Grün-Alternativen Liste (GAL) wissen. Wonka erklärte, dass von einer Schulschließung wegen eines leiseren Alarms keine Rede sein könne und es auch von Seiten der staatlichen Schulstellen keine Hinweise in dieser Richtung gebe. "Aber die Glocke muss gehört werden!", forderte Wolfgang Wußmann von den Freien Wählern.

Zwar zeigte Annette Neumann (BBB) Verständnis - "man kann natürlich nicht alle Schulen auf einmal sanieren. Die Gangolfschule ist momentan am wichtigsten." Trotzdem dürfe man eine sehr leise Brandschutzglocke nicht hinnehmen.

Christian Wonka kündigte an, man werde die Glocke "in den Griff" kriegen, ein Techniker sei "draußen". Mit Blick auf die Finanzen und einen möglichen Austausch der kompletten Brandmeldeanlage gab er allerdings zu bedenken: "Wir haben 18 Schulen, die wir gleichbehandeln müssen."

Elternbeirat möchte Bericht
Pankraz Deuber (BUB) jedenfalls fasste zusammen: "Dass Handlungsbedarf besteht, haben wir alle erkannt. Wir hoffen, dass noch dieses Jahr angegriffen wird." Wolfgang Metzner von der SPD stellte generell klar: "Angst zu schüren, das finde ich als Lehrer nicht gut. Ich glaube den Fachleuten."

Deren Ergebnis möchte der Elternbeirat der Hainschule schriftlich haben. Vorsitzender Ulrich Vogel meint, dass die ganze "Aufregung" hätte vermieden werden können - wäre eine schnellere Reaktion des Immobilienmanagements gekommen, zumindest ein Hinweis auf eine weitere notwendige Bearbeitungszeit. "Unser Vertrauen wurde nicht gerade bestärkt", sagt Andreas Brandner. "Also entscheidet man sich irgendwann für den politischen Weg, wenn man ignoriert wird."