Die Meinungen gehen auseinander: Eine Umfrage zu Dirndl und Lederhosen auf der Kerwa ruft im Netz Kommentare hervor wie "dämlich, unpassend, unfränkisch" oder "Fasching ist im Februar". Auf der anderen Seite stehen die, die ihre Tracht einfach gerne ausführen: zu Bambergs kleinen und großen Kirchweihen.
Im Kaufhaus-Dirndl, in einer Unikat-Anfertigung oder im klassischen Stück aus dem Fachgeschäft flanieren die Damen über die Sandkerwa. Karstadt-Geschäftsführer Alfons Distler weiß: "Mit Beginn der Kirchweihen im Mai, Juni, nimmt die Nachfrage sehr stark zu."

Doch nicht nur Frauen setzen auf die Festmode. Rita Beck, Inhaberin des Bamberger Trachtenstadl, weist darauf hin: "Das Geschlechterverhältnis liegt bei uns bei 50:50. Wir bedienen auch zahlreiche junge Männer, die teilweise zwei bis drei Lederhosen besitzen."

Generell sei die Nachfrage nach Dirndl und Lederhose vor etwa fünf bis sechs Jahren gestiegen, wie Barbara Riegel vom Trachtenhof Nübler sagt. Seitdem sei sie in etwa konstant geblieben.


Anders bewegen in der Tracht

Dass sich nicht nur Bamberger für Trachten interessieren, sondern auch Gäste von außerhalb, das bestätigt Sonja vom Geschäft Dirndl'Lirium. Dort würden zwar auch Einheimische einkaufen, das Gros der Kundschaft sei aber von außerhalb. "Viele sparen auf ein Unikat-Dirndl, das gut sitzt." Wer eine Tracht trage, bewege sich gleich anders.

Etwas Ähnliches sagt auch Birgit Jauernig. "Man benimmt sich anders, die Körperhaltung ändert sich", sagt die Leiterin des Bauernmuseums Bamberger Land. Jauernig, die zugleich Trachtenberaterin für den Bezirk Oberfranken ist, stellt klar: "In Oberfranken gab es keine Dirndl." Genauso wenig existierte die eine oberfränkische Tracht. Wie sie aussah, war durch Schnitte und die Region vorgegeben.

Was also sollte man als Frau tragen, wenn man in passender Tracht die Sandkerwa besuchen will? Jauernig erläutert: Die Bamberger Tracht bestehe aus einem Mieder und einer Bluse mit rundem Halsausschnitt, getrennt davon ein Rock, den man früher eher lang getragen habe.

Die Fachfrau sagt aber auch: "Tracht war nie statisch, sondern immer in Bewegung. Ich plädiere dafür, die regionalen Kennzeichen der Tracht neu zu interpretieren." Sie solle ein lebendiges Kleidungsstück sein, kein historisches Kostüm.
Übrigens: Das Dirndl sei ein ganz bestimmtes Kleidungsstück aus dem Alpenraum. "Bei uns gab es Mieder und Rock."

Dass auf der Sandkerwa viele jüngere Frauen und Männer Tracht tragen, betrachtet sie als "interessantes Phänomen". Dirndl und Lederhose sieht sie als "Partymode". Dass diese oft "Billig-Trachten" seien, verstehe sie insofern, dass man eine erneuerte Bamberger Tracht selbst nähen oder anfertigen lassen muss.
Zum Beispiel von Schneidermeisterin Christiana von Roit. Sie war eine derjenigen, die sich auf den Aufruf von Trachtenberaterin Jauernig gemeldet hatten. Jene war auf der Suche nach Schneidern, die eine Tracht anfertigen können. Christiana von Roit beschäftigte sich schon länger mit historischen Kostümen und auch Trachten. "Als Grundlage für eine erneuerte Bamberger Tracht hatten wir den Stich der Bamberger Schmalzhändlerin Margarete Geiger aus dem Jahr 1806", sagt die Schneidermeisterin.

Daraus entwickelte man gemeinsam die erneuerte Bamberger Tracht, für die moderne Materialien verwendet wurden, so die Bambergerin. Zur Sandkerwa darf der Rock dann gerne ein Stückchen kürzer sein, und die Trachten bunter. In den historischen Vorlagen sei belegt, dass gerne Streifen, Blumen und farbige Röcke getragen worden seien. Die Schneiderin meint: Es muss nicht immer unbedingt eine Trachtenbluse unters Mieder, es kann auch mal ein schönes T-Shirt sein. Aber: Das Mieder selbst - und die Rüschen daran - sind das "Herzstück", wie von Roit sagt.

Wie die erneuerte Bamberger Tracht aussieht, führt Auszubildende Katharina Schultheiß vor. Sobald die Tracht sitzt, nimmt die 20-Jährige Haltung an. "Es ist eine Kleidung, die das Männliche und das Weibliche betont", sagt Birgit Jauernig. "Man hat ein anderes Körpergefühl, das man dann auch zeigt."