Aus ganz Franken kamen Gebäudereiniger, um in Bamberg auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Die wenigsten in dieser Berufsgruppe haben einen unbefristeten Arbeitsplatz, weil die Auftraggeber ständig wechseln. Und sie werden relativ schlecht bezahlt. So gibt es neun Lohngruppen - und in der untersten stehen den Beschäftigten in Westdeutschland laut Tarifvertrag derzeit 9,55 Euro brutto pro Stunde zu. Während in der obersten Lohngruppe im Vergleich dazu 16,35 Euro drin sind. Allerdings bleiben die meisten Reinigungskräfte dauerhaft in der untersten Gruppe hängen, weil sie keine entsprechende Ausbildung haben.


Großes Hintergrundwissen

Ja, Gebäudereiniger ist ein Ausbildungsberuf. Putzen kann jeder, denken viele. Nur verfügen die meisten eben nicht über ein Hintergrundwissen, wie es sich Gebäudereiniger aneignen. Ulrike Laux, Gewerkschaftssekretärin der IG Bau, meint dazu: "Die Männer und Frauen müssen sich beispielsweise mit der Chemie der Reinigungsmittel auskennen, mit der Beschaffenheit von Fußböden und Reinigungstüchern." Dennoch würde es vielen Arbeitgebern, aber auch in der Gesellschaft vielen Menschen an Respekt für die Tätigkeit der Gebäudereiniger fehlen.

Laux führt die Tarifverhandlungen der Gewerkschaft, die demnächst beginnen. In Bamberg hatten sich zuvor schon die Gewerkschafter und Reinigungskräfte auf einem Supermarktparkplatz hinter dem Büro der IG Bau in der Starkenfeldstraße versammelt und machten Passanten auf ihre Anliegen aufmerksam. Die Forderungen der Gewerkschaft lauten: 80 Cent mehr pro Stunde für die unterste Tarifgruppe, 6,4 Prozent Lohnanhebung für die Gruppen zwei bis neun, weitere Schritte zur Angleichung des Lohnniveaus in Ost und West und tarifliche Vereinbarungen gegen "Leistungsverdichtung".

Immer weniger sollen mehr leisten

Leistungsverdichtung heißt: Immer weniger Arbeitskräfte sollen immer mehr leisten. "In Objekten, in denen früher neun Reinigungskräfte beschäftigt waren, machen jetzt oft nur noch fünf sauber", sagt Laux. Das bedeutet: mehr Druck und längere Arbeitszeiten. "Die Überstunden bleiben meist unvergütet - und so werden Tarifverträge ausgehebelt", kritisiert Laux.

Iris Santoro arbeitet bei einer großen Reinigungsfirma in Nürnberg und kämpft vor allem für weniger Minijobs. "Viele haben auch nach 20 Jahren nur befristete Verträge", bemängelt die 43-Jährige. So sei es schwierig, Bankkredite abzuschließen oder eine Wohnung zu finden.

Santoro ist Quereinsteigerin. Sie war zunächst im Handel tätig und wechselte dann ins Reinigungsgewerbe, weil sie glaubte, dort nicht so oft am Wochenende arbeiten zu müssen. Ein Irrtum, wie die dreifache Mutter bald feststellte. Seit 2006 ist Iris Santoro als Betriebsrätin freigestellt. Als sie einen Betriebsrat gründen wollte, wurden ihr "Schläge angedroht", erzählt die 43-Jährige.

Sexuelle Belästigung

Die meist weiblichen Reinigungskräfte sehen sich zum Teil auch sexueller Belästigung ausgesetzt, so Santoro weiter. Das hinge mit ihren Arbeitszeiten zusammen: Schließlich beginnen die Frauen in Büros oft erst am späten Nachmittag damit, zu putzen, wenn fast alle Angestellten schon nach Hause gegangen sind. Ist dann nur noch ein Mann da, so die dreifache Mutter, könne es einer Frau, die zum Saubermachen kommt, in manchem Betrieb schon mulmig werden. Auch ihr sei es so schon gegangen.

Vor allem aber leidet die Qualität der Arbeit unter dem zunehmenden Zeitdruck, macht die 43-Jährige deutlich: "Manche Reinigungsmittel müssen eine Zeitlang einwirken. Dafür haben wir aber gar nicht die Zeit." Sie kennt auch Kolleginnen, die ihre Arbeitsausrüstung selbst einkaufen müssen.

Gefahr durch mangelnde Hygiene

Wer am Putzpersonal und dessen Arbeit spart, der spart aber am falschen Ende, findet Santoro: "Man hört in letzter Zeit oft davon, dass Leute durch mangelnde Hygiene in Krankenhäusern sterben." Solche Meldungen, findet sie, zeigten doch, wie wichtig die Aufgabe ihres Berufsstandes ist.