Bamberg
Vermessung

In Bamberg gibt es 440 Höhenmarken

In Bamberg gibt es mehr als 400 Marken aus Metall, die Betrachtern Rätsel aufgeben können. Es steht Höhenmarke darauf, aber keine Höhe. Die Auflösung wissen die Vermesser: Sie besitzen ein Datenblatt zu jeder Marke, aus dem auf den Millimeter genau die Meereshöhe des jeweiligen Punktes hervorgeht.
"Das Hakenkreuz wurde vor ein paar Jahren entfernt", berichtet der Bamberg-Kenner und Heimatforscher Georg Schäfer über die Höhenmarke aus dem Dritten Reich am Portal der Martinskirche. Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Weiß man erst einmal um ihre Existenz, entdeckt man sie plötzlich überall im Bamberger Stadtgebiet: nicht nur am Rathaus Maxplatz, an der Martinskirche und im Torbogen des Brückenrathauses, sondern auch an vielen Häusern und Ecken. Es gibt sie in Form von Plaketten, Bolzen und Tafeln, sie bestehen aus Guss- und Schmiedeeisen oder Stahl. Die Rede ist von den Höhenmarken. Ihr Aussehen hat sich im Lauf der Zeit immer wieder verändert, nicht aber ihre Aufgabe. "Sie sind für jeden Haus- oder Leitungsbau ganz entscheidend, damit das Wasser dorthin fließt, wo man es haben will", bemüht sich Peter Jaskiola, der Leiter des Vermessungsamtes Bamberg, um eine Erklärung, die alle Laien verstehen.

Die auch Nivellementpunkte genannten Höhenmarken spielen eine wichtige Rolle, um die Erde dreidimensional darzustellen. Zu jeder Höhenmarke existiert ein Datenblatt. Aus ihm geht hervor, wo genau an welchem Bauwerk und auf welcher Meereshöhe - auf Millimeter genau- der Punkt sich befindet.

Haupthöhennetz stammt aus dem 19. Jahrhundert


Alle sind Bestandteil des so genannten Haupthöhennetzes, das in Deutschland im 19. Jahrhundert angelegt wurde. Es setzt sich aus unzähligen Bezugspunkten zusammen, mit deren Hilfe überall die Höhenunterschiede zwischen A und B ermittelt werden können. Für alle planerischen Tätigkeiten oder die Erarbeitung dreidimensionaler Geländemodelle sind sie unverzichtbar.

Stadt hat eigene Höhenmarken


In Bamberg gibt es rund 440 Höhenmarken. Etwa ein Drittel gehört zum staatlichen "Netz", die meisten wurden durch die Vermessungsingenieure des städtischen Baureferats ermittelt und gesetzt.
Auf den als solche kenntlich gemachten Höhenmarken selbst steht nicht mehr drauf als - Höhenmarke. Vielleicht noch ein "Eigentümer", etwa Stadt Bamberg. In seltenen Fällen noch "Deutsches Reich" wie bei dem Exemplar rechts vom Hauptportal der St. Martinskirche.
Betrachter wie der wissbegierige Bamberger Hobby-Heimatforscher Geo Schäfer suchen aber vergebens nach dem, was man bei einer Höhenmarke landläufig erwarten würde, eine Höhenangabe. Schäfer war es, der die FT-Lokalredaktion mit der Frage, was es mit den Höhenmarken auf sich hat, zur Recherche angeregt hat.
Die Meereshöhe, für die jede Höhenmarke "steht", findet sich tatsächlich nur in den Unterlagen der zuständigen Behörden. Die Informationen können - gegen Gebühr - angefordert werden. Der Durchschnittsbürger braucht sie gewöhnlich aber nicht, sagt Reiner Dennerlein, der im Baureferat der Stadt für die Vermessung zuständig ist. Es sind in erster Linie Architekten und Planer von Tief- und Hochbauten, die mit diesen Daten arbeiten. Im Stadtgebiet ist beispielsweise auch das komplette Kanalnetz aufgemessen. Dazu existieren Höhenangaben der Kanaldeckel und der Kanalsohle.
Dass Höhenmarken auffallend häufig an Rathäusern, Kirchen und denkmalgeschützten Gebäuden zu finden sind, ist kein Zufall. Die Standorte werden von den Vermessern einerseits nach Bedarf, andererseits aber auch nach ihrer Solidität ausgewählt. Öffentliche Bauten würden sich dafür besonders em-pfehlen, sagt Peter Jaskiola, "weil man davon ausgeht, dass sie gepflegt werden".
Das deutsche Höhennetz und der gesetzlich definierte Normal-Null-Punkt (NN) orientieren sich am so genannten Amsterdamer Pegel. Beim Normal-Null-Punkt handelt sich um einen fiktiven Punkt, der im Jahr 1879 an der (heute nicht mehr bestehenden) Sternwarte in Berlin markiert wurde. Er liegt 37,000 Meter über NN und entsprach dem damals ermittelten Höhenunterschied zum Amsterdamer Nordsee-Pegel. Amsterdam wurde zum Maßstab, weil dort regelmäßige Messungen des Wasserstands seit dem 17. Jahrhundert vorlagen, was keine Küstenstadt in Deutschland vorweisen konnte.
Die DDR orientierte sich bis zur Zusammenführung der beiden deutschen Nivellementnetze Anfang der 1990er Jahre übrigens am Ostsee-Pegel Kronstadt bei St. Petersburg, wo der mittlere Meeresspiegel etwa 15 Zentimeter höher liegt als in Amsterdam.
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