Es herrschen Minusgrade am Vormittag des trüben 15. Januars. Gudrun Hörner steht im Wintermantel vor der Brose-Arena in Bamberg und hält Ausschau nach dem Eingang. Sie muss nicht lange suchen: Unmissverständlich werden die Ankommenden durch zahlreiche Pfeile rechts um das Gebäude herum gelotst. Um die Ecke herum prangt dann "Eingang Impfzentrum" in großen Lettern an der Glastür.

"Um 10 Uhr habe ich meinen Termin", sagt die 81-jährige Rentnerin. Heute wird sie als eine der Ersten der Region hier gegen Covid-19 geimpft werden. Im Foyer der Halle, das nun das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis beherbergt, sollen laut der dafür verantwortlichen Sozialstiftung Bamberg täglich 600 Spritzen gesetzt werden - ein anspruchsvolles Ziel, das auf Grund von Lieferschwierigkeiten beim Impfstoff ab Dienstag erstmal zurückgestellt werden muss. Ein Piks steht Hörner heute zu. Ob sie Angst habe? "Nein", sagt diese sofort, ohne die Frage überhaupt ganz abzuwarten. "Ich habe keine Bedenken."

Verantwortung übernehmen

Möglich, dass nicht alle so entschlossen sind wie die Rentnerin. Immerhin handelt es sich um einen medizinischen Eingriff. Doch die Impfung ist ihr wichtig. Warum? "Ich will mich und andere schützen. Menschen sterben durch Corona. Ich bin nicht allein auf der Welt und trage Verantwortung." Sie hofft, dass die Impfungen das Virus eindämmen. "Ich will, dass die Pandemie so schnell wie möglich vorüber ist." Diesen Wunsch teilt sie sicherlich mit vielen anderen.

Als Hörner in die Halle eingelassen wird, ist sie ausgerüstet: Sie trägt einen FFP2-Maske und hält ihren Impfpass bereit. Dazu die Dokumente, um die sie die "sehr nette Mitarbeiterin am Telefon" gebeten hat. Die Rentnerin hat dafür einige Seiten zu Hause ausdrucken und unterschreiben müssen. Auch trägt sie bewusst eine Bluse, die den Oberarm nicht bedeckt, in den die Spritze soll. Dafür wird sie der behandelnde Arzt später loben. Es ist wenig los. Die 81-Jährige kann direkt an den Schalter. Nach Prüfung der Dokumente wird Fieber gemessen. Eine Vorsichtsmaßnahme, die alle Patienten erwartet. Es wird die einzige Untersuchung bleiben, die die Rentnerin hier durchläuft. Dann bekommt sie bereits ein Kärtchen mit Verweis auf ihren zweiten Impftermin: Der fünfte Februar soll es sein.

Brief kommt nach der Impfung

Hörner hat innerhalb von nur drei Tagen ihren ersten Impftermin festsetzen können. Doch nicht alles sei klar gewesen: "Es wurde angekündigt, dass Briefe mit Hinweisen zur Impfung verschickt werden." Eine Pressemitteilung der Stadt Bamberg vom fünften Januar hatte verkündet, dass das gemeinsam verfasste Schreiben von Landrat Johann Kalb (CSU) und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) "Anfang kommender Woche" an alle Über-80-Jährigen gehen würde. Doch selbst am Tag ihres Impftermins ist davon bei Hörner keine Spur - erst am Folgetag erhält sie den Brief.

Dieser enthält "Informationen zur Anmeldung für ihre Corona-Impfung" und ein Aufklärungsblatt. Alles, was Hörner sich bis dahin selbst zusammengesucht hat. Denn: "In meinem Freundeskreis habe ich bemerkt, dass die Leute auf den Brief warteten, der nicht kam. Also habe ich die Eigeninitiative ergriffen. Hätte ich das nicht getan, hätte ich den Impftermin erst später bekommen."

Ein Bekannter habe sie auf das bayerische Registrierungsportal www.impfzentren.bayern.de aufmerksam gemacht. "Ich musste dort einiges ausfüllen, das war nicht einfach. Ich habe das nur mit Unterstützung meiner Tochter geschafft." Dann sei der Server auch noch abgestürzt - eine Überbelastung des Portals. "Als wir es nochmal versucht habe, kam sofort die schriftliche Bestätigung, dass ich registriert bin." Nach mehreren Anrufen stand der Termin fest. Trotz der Anlaufschwierigkeiten will die Rentnerin vor allem eines hervorheben: "Sie waren alle sehr entgegenkommend, sehr nett, das muss ich sagen."

Die Stadt Bamberg verweist in einer aktuellen Pressemitteilung darauf, dass in Stadt und Landkreis 14 000 Menschen zu der Gruppe mit der höchsten Priorität beim Impfen gehören. Sie sollen nun definitiv in diesen Tagen des besagte Schreiben mit den Informationen zur Impfanmeldung erhalten.

Große Erleichterung

Es ist 10.20 Uhr, als Hörner die Brose-Arena verlässt. Die Rentnerin strahlt. "Ich habe nicht mal was gespürt. Aber null! Das war eine ganz, ganz feine Nadel. Und es ging so schnell!" Der Arzt ("sehr nett und höflich") habe sie über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. "Kopfweh oder Müdigkeit kann sein, hat er gesagt. Und ich soll zwei, drei Tage langsam tun und beobachten, wie es mir geht." Ob sie erleichtert sei, dass sie es hinter sich hat? "Ja." Sie macht eine Pause. "Sehr. Aber eigentlich war es nicht anders als andere Impfungen."

Das Impfzentrum sei so eingerichtet, dass alles möglichst kontaktlos verläuft. Der Einlass war streng getaktet und der direkte Kontakt beschränke sich auf den behandelnden Arzt. Im Einbahnstraßenprinzip folgte Hörner Pfeilen, die sie von Schalter zu Schalter zu Kabine lotsten. Dann wartete sie auf grünes Licht, um die Impfkabine betreten zu dürfen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: "An jeder Kabine hängt eine Ampel", sagt die Rentnerin. "Leuchtet sie rot, ist dort besetzt. Wie im Straßenverkehr."

Keine Nebenwirkungen

In den Tagen nach der Impfung geht es Hörner gut. "Ich habe keinerlei Nebenwirkungen", sagt sie deutlich. Dabei steht ihr die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Was sie anderen raten würde, die sich impfen lassen? "In Ruhe hingehen. In aller Ruhe. Dort ist alles geregelt."

Auf einen Blick: So funktioniert das Impfen in Bamberg

Terminvergabe: Bürger über 80 Jahre in Stadt und Landkreis Bamberg können sich (mit oder ohne schriftliche Einladung) ab sofort für die Corona-Schutzimpfung anmelden: Impfzentrum Bamberg, Tel. 0951/94 23 010 (täglich von 8.30 bis 16.30 Uhr), E-Mail kontakt@impfzentrum-bamberg.de, Onlineportal www.impfzentrum-bamberg.de. Bei Fragen hilft die Impfhotline unter Tel. 0951/87 -2424 (Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr) weiter.

Dokumente: Zur kostenlosen Impfung sind die Krankenkassenkarte und, falls vorhanden, der Impfpass und medizinische Unterlagen, wie Herzpass, Diabetikerausweis oder Medikamentenliste mitzubringen.

Anfahrt: Das Impfzentrum in der Brose-Arena, Forchheimer Straße 15, ist zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto erreichbar. Und ab Montag, 18. Januar, auch mit einem kostenlosen Shuttle-Bus. Dieser verkehrt täglich (Montag bis Sonntag) im 60-Minuten-Takt vom ZOB über den Bahnhof zum Impfzentrum. Der erste Bus startet um 8.15 Uhr am ZOB, der letzte um 15.15 Uhr.

Ankunft: Eintritt erhalten nur Personen mit Impftermin. Zuerst wird an der Pforte die Temperatur gemessen.

Anmeldung: Wer sich online angemeldet hat, bringt den entsprechenden Ausdruck mit. Über den aufgedruckten QR-Code werden direkt alle Daten eingelesen. Wer sich telefonisch angemeldet hat, macht seine Angaben im Impfzentrum.

Impfstraßen: Geimpft wird in fünf sogenannten Impfstraßen. Die Kabinen sind mit Ampeln versehen. Zeigt eine Ampel auf Grün, darf der Impfwillige eintreten. Danach werden sämtliche Kontaktflächen desinfiziert.

Aufklärung: In der ersten Kabine sitzt ein Mediziner. Die zu impfende Person wird aufgeklärt und zu Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme befragt.

Impfung: In der nächsten Kabine der Impfstraße erfolgt die Impfung nach vorgegebenen Standards durch eine Medizinische Fachangestellte.

Ruhebereich: Nach der Impfung nimmt die geimpfte Person im Ruhebereich Platz und steht unter Beobachtung. Nach etwa fünf Minuten kann sie nach Hause gehen. Sollte durch die ärztliche Beurteilung eine besondere, längere Nachbeobachtung notwendig sein, erfolgt diese selbstverständlich.

Notfallzimmer: Sollte sich jemand unwohl fühlen, steht für alle Fälle direkt in Angrenzung an den Wartebereich ein Notfallraum mit entsprechender Ausstattung zur Verfügung.

Impfstoff: Er wird in einem zentralen Raum fachkundig vorbereitet und ist immer unter Beobachtung.