Dirk Schneider ist optimistisch: Jetzt, wo deutschlandweit die Tarifkämpfe im öffentlichen Nahverkehr anstehen, schlägt sich für den Verdi-Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Verkehr ein neues Kapitel der Zusammenarbeit auf. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass unsere Forderungen von Fridays for Future gemeinsam mit der Organisation Attac unterstützt werden", freut sich Schneider. Am heutigen Freitag (18. September 2020) findet der Auftakt mit einem gemeinsamen Aktionstag statt - mit über die Stadt verteilten Kundgebungen.

Doch was verbindet die drei Organisationen, hinter denen sich noch weitere verkehrs- und umweltpolitische Interessensverbände einreihen? "Verkehrswende gleich Klimawende gleich soziale Frage", bringt es der Gewerkschafter auf den Punkt. Denn die Forderungen bezüglich der ausgelaufenen Tarifverträge umfassen nicht nur mehr Gehalt. Es geht auch um die Einheitlichkeit bei der Anzahl der Urlaubstage und bessere Arbeitsbedingung im Allgemeinen, darum, mehr neue Busfahrer für den Job zu gewinnen und damit den öffentlichen Personennahverkehr bundesweit auszubauen. Also eine bessere Taktung und mehr Zuverlässigkeit.

ÖPNV-Ausbau unerlässlich für autofreie Innenstädte

"Wenn wir als Fridays for Future autofreie Innenstädte fordern, ist ein Ausbau des ÖPNV unerlässlich", erklärt Luca Rosenheimer. Für den Klimakämpfer der Bamberger Ortsgruppe ist auch klar: "Diese Forderung darf nicht auf die Städte begrenzt bleiben, sondern muss auch im Landkreis Bamberg ankommen." Damit die Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen, brauche es Kontinuität und Vertrauen.

Und das Einsparpotenzial mit mehr ÖPNV in Sachen Schadstoffausstoß ist immens: Momentan haben Bus und Bahn gerade einmal einen Anteil von drei Prozent am gesamten Transportwesen in der Bundesrepublik. Die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften sei sehr wichtig für die Klimaschutzbewegung, so Rosenheimer: "Wir wollen mit den Menschen erreichen, dass sie auch in Zukunft sozial- und klimaverträgliche Arbeit haben können."

Stephan Kettner von der globalisierungskritischen Organisation Attac fordert: "Wir wollen eine sozial-ökologische Transformation mit einem starken ÖPNV und guten Arbeitszeiten und Familienfreundlichkeit für die Beschäftigten." Das gehe auch mit einer Einschränkung des Autoverkehrs einher. Wenn auf der einen Seite Anwohnerparkplätze über Jahre gleich teuer blieben, aber die Bustickets teurer würden, müsse ein Umdenken her.

Mittel richtig einsetzen

Die drei Vertreter sind sich einig: Am Geld werde es nicht scheitern. Es brauche eine Priorisierung der Mittel. "Anstatt der Lufthansa-Rettung hätte man mit diesen Mitteln den ÖPNV immens ausbauen können", nennt Kettner ein Beispiel. Rosenheimer pflichtet ihm bei: "Es wäre auch eine Möglichkeit, endlich die Subventionen von veralteten und nicht zukunftsfähigen Technologien wie Kohle und Gas umzulenken."

Seit Beginn der Corona-Krise wurden die Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr als systemrelevant bezeichnet. "Man kann festhalten, dass der ÖPNV trotz Corona zuverlässig war und gut funktionierte", betont Schneider. Gleichzeitig mangele es bereits jetzt schon auf weiten Strecken an ausreichend Busfahrern: "60 Prozent aller Busunternehmen in Deutschland fehlen Kräfte und müssen deshalb Linien ausfallen lassen oder zusammenstreichen", hält Gewerkschafter Schneider fest. Obendrauf müssen bis ins Jahr 2030 mindestens 100.000 neue Menschen angestellt werden, da rund die Hälfte der derzeitigen Belegschaft bis dahin in Rente gehen wird.

Auch in Bamberg kämpften die 160 Mitarbeiter mit den Bedingungen: Das heißt häufige Wechsel in der Belegschaft und sogenannte geteilte Dienste, welche beispielsweise vier Stunden Fahrt, vier Stunden Pause und dann weitere vier Stunden Fahrt am gleichen Tag beinhalteten.

"Um auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen, werden wir am 18. September um 12.30 Uhr am Pfahlplätzchen mit einer Kundgebung starten", erklärt Schneider. Die Versammlung wird an einem gebastelten Haltestellenschild zu erkennen sein. Danach folgen Zwischenstopps an der Unteren Brücke und am ZOB. "Wir wollen die Menschen ins Boot holen und zeigen, dass wir für ein gute Zukunft für alle kämpfen", verdeutlicht der Gewerkschafter.