Beide Angeklagten wollen reinen Tisch machen. Das kündigten ihre Verteidiger an, als Ende Juni vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts der Prozess gegen Raif Z. und Jan R. (Namen von der Redaktion geändert) wegen gemeinschaftlichen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in 15 Fällen begann.

Die Geständnisse wurden am heutigen Freitag, dem zweiten Verhandlungstag, erwartet. Doch zunächst packte nur der 38-jährige Gebrauchtwagenhändler Z. aus Bosnien-Herzegowina aus. Er bejahte im Grunde die Vorwürfe, wie sie in der Anklageschrift stehen und schilderte mit Hilfe eines Dolmetschers, wie er am Verschieben von Leihfahrzeugen ins Ausland beteiligt war.


Verständigungsprobleme offenbar

Vom mitangeklagten Tschechen R. (43) gab es wider Erwarten noch kein Geständnis. Grund waren dessen auch für Prozessbeobachter erkennbaren Verständigungsprobleme mit dem Dolmetscher. Bis zum nächsten Prozesstag am Mittwoch will die Kammer unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt nun einen anderen Übersetzer finden. Sein Mandant sei weiter aussagewillig, betonte Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia.

Leugnen würde auch wenig Sinn machen, haben die Angeklagten doch bei der Polizei umfassend ausgesagt. Die Anklageschrift fußt auf den Angaben, die sie nach ihrer Festnahme in Bamberg am 29. Juni 2016 gemacht hatten. Die Polizei hatte sie quasi auf frischer Tat gefasst: beim Versuch, an der Bamberger Verleihstation eines bekannten Mietwagenunternehmens einen unter falschen Angaben bestellten Lastwagen abzuholen.


Über Tschechien nach Bosnien

Wäre es ihnen gelungen, befände sich das Fahrzeug jetzt wohl in Bosnien-Herzegowina, wohin die meisten Pkw und Lkw gebracht wurden, die R. und Z. im süddeutschen Raum holten oder holen ließen. Meistens waren "Fahrer" im Einsatz, die R. in Tschechien rekrutiert hat.

Glaubt man Z., dann handelten er und R. im Auftrag eines mit Haftbefehl gesuchten Mannes, der in Bosnien-Herzegowina weiter auf freiem Fuß ist. Dieser habe die Niederlassungen des Mietwagenunternehmens ausgesucht, die Fahrzeuge bestellt und die für die Übernahme erforderlichen Papiere mit den Daten der Fahrer und auf den Namen von Scheinfirmen beschafft. Die fingierten Dokumente schickte er Z. als Handy-Fotos. Dieser sandte sie weiter an R., der eine E-Mail-Adresse und einen PC besitzt und die gefälschten Papiere ausdrucken konnte. Die Unterlagen händigten die beiden dann den Fahrern aus oder begleiteten diese zu den Verleihstationen.

Tatorte der Bande waren zwischen April und Juni 2016 Frankfurt/Main, Regensburg, Straubing, Nürnberg, München, Hof, Bayreuth, Weiden, Ingolstadt und Bamberg. Dass die meisten geschädigten Verleihstationen in Süddeutschland liegen, ist vermutlich der Nähe zur Grenze zu verdanken: Über Tschechien wurden die Fahrzeuge gewöhnlich nach Bosnien-Herzegowina gebracht. Was dort mit ihnen passiert ist, weiß Z. angeblich nicht.

Auf Fragen nach seinem Lohn antwortete er ausweichend. Es soll kein Betrag ausgemacht gewesen sein und er will nichts erhalten haben.


Angeklagte unter Zeugenschutz

Auf Nachhaken der Richter kam heraus, dass jeder der Angeklagten wohl eines der erschwindelten Fahrzeuge für den Privatgebrauch bekommen hatte. Auf einem Konto von Z. fanden die Ermittler zudem 10 000 Euro, die vom Boss der Bande überwiesen worden sein sollen.

Eine Besonderheit des Verfahrens ist, dass beide Angeklagten wegen ihrer Kooperationsbereitschaft unter Zeugenschutz stehen: Sie und ihre Angehörigen müssen wohl mit Racheakten rechnen. Besonders streng geschützt wird R.: Polizeibeamte führen ihn erst dann in den Sitzungssaal, wenn schon das Gericht Platz genommen hat.