"Des konn mer gestoll'n bleim!" So würde heute wohl die Humsera das Coronavirus in die Schranken weisen. Das Bamberger Original war berüchtigt für seine derbe Sprache. Als entsprechend grimmig dreinblickende Brunnenfigur hat sie der Bildhauer Hans Leitherer vor über 90 Jahren verewigt. Erst fünf Jahre ist es her, dass die Düsseldorfer Künstlerin Antjepia Gottschalk im Auftrag von Stephan Zehentmeier eine moderne Version der Skulptur erschaffen hat: die Humsera Jetzerdla. Ihr Hinterteil ist deutlich breiter, ihre Gesichtszüge erscheinen freundlicher, und so sagt sie nun dem Virus nicht mit ihrem Mundwerk den Kampf an - sondern mit einer außergewöhnlichen Kunsta(u)ktion!

Das Projekt namens "Oogemolda Humsera" ist schnell erklärt: Zehn Künstler sollen jeweils eine "Humsera Jetzerdla" aus Kunststoff individuell mit Acrylfarbe bemalen. Die Unikate werden anschließend versteigert und der Erlös kommt zu einer Hälfte den Künstlern und zur anderen gemeinnützigen Zwecken zugute.

Die Idee für diese Aktion entwickelte der gebürtige Bamberger Zehentmeier, der jetzt mit seiner Familie in Düsseldorf lebt: "Ich bin davon überzeugt, dass wir in Corona-Zeiten insbesondere an die Menschen denken und sie unterstützen sollten, die von den Auswirkungen stärker betroffen sind, dazu gehören unter anderem viele Künstler." Was dabei herauskommen wird? Er weiß es nicht, liebt es aber, etwas auszuprobieren mit einer ergebnisoffenen Haltung. Der 49-Jährige ist schließlich Partner im Institut für angewandte Kreativität (IAK) in Köln: "Experimentieren ist Teil unserer DNA." Eine Hoffnung hat er freilich schon: Er möchte "einen kleinen unterstützenden Beitrag leisten" und andere motivieren, eigene Aktionen zu starten.

Zwei Mitstreiter gefunden

Immerhin ist es Zehentmeier innerhalb von nur einem Tag gelungen, schon zwei Unterstützer zu gewinnen. Zum einen ist das der Fränkische Tag Bamberg, der die Aktion mitgestalten und medial begleiten wird. Zum anderen die Künstlerin Barbara Bollerhoff, die sich als Erste bereit erklärt hat, eine der zehn Skulpturen zu bearbeiten. Für die weiteren neun Figuren können sich Künstler aus der Region bewerben.

Bollerhoff, die etwa für die Roten Hasen am Schönleinsplatz vor drei Jahren bekannt ist, wurde wie viele Kunstschaffende von der Corona-Krise voll getroffen. Sie spricht von "erheblichen Einnahmeverlusten", da sie weder bei Ausstellungen verkaufen könne, noch spezielle Aufträge erhalte.

Kunst wird mobil

In einer ersten Reaktion hat sie einen ehemaligen Foodtruck gemeinsam mit einer Künstlerkollegin gekauft, von dem aus sie kleine Kunst mobil und auf Vertrauensbasis ohne eigene Anwesenheit zum Verkauf anbietet. "Das gibt mir vor allem das gute Gefühl, weiter bemerkt und gebraucht zu werden." Aus ähnlichen Gründen beteiligt sie sich bei "Oogemolda Humsera": "Ich finde es gut, gerade jetzt im Außenbereich etwas zu machen." In der modernen Humsera-Figur entdeckt sie Gemeinsamkeiten zu den Hasen vom Schönleinsplatz: "Sie haben beide etwas Leichtes und Schmunzelndes und wecken Interesse auf positive Weise." Eine Idee, wie sie die Marktfrau gestalten will, hat sie schon, verrät aber nur so viel: "Sie wird wohl in einer Parallelwelt erscheinen."

Bitte bewerben

Künstler, die eine Humsera gestalten möchten, schicken bis 3. Mai eine Mail an redaktion.bamberg@infranken.de (Stichwort "Humsera"). Benötigt werden ein aktuelles Porträtfoto, ein kurzer Steckbrief und die Postadresse (für Versand der Figuren; fertige Figuren sind bis 13. Mai beim FT abzugeben). Nach der Auktion gehen 50 Prozent des Erlöses an die Künstler, 50 Prozent an den MGO-Spendenverein "Franken helfen Franken".